Junge Unternehmer analysieren Daten in Bäckereibetrieben
Kosten sparen – Abfälle vermeiden

Münster -

Dr. Tobias Pfaff und Eyüp Aramaz möchten Bäckereien bei ihren täglichen Entscheidungen unter anderem in der Produktion, im Verkauf und bei der Personalplanung helfen. Dafür sammeln die jungen Unternehmer Tausende von Daten.

Mittwoch, 23.08.2017, 08:08 Uhr

Gründeten ihr Start-up-Unternehmen „FoodTracks“ in Münster: Dr. Tobias Pfaff (r.) und Eyüp Aramaz. Die Cibaria-Bäckerei in Münster gehört bereits zu den Auftraggebern des jungen Unternehmens.
Gründeten ihr Start-up-Unternehmen „Food Tracks“ in Münster: Dr. Tobias Pfaff (r.) und Eyüp Aramaz. Die Cibaria-Bäckerei, wo das Foto gemacht wurde, gehört bereits zu den Auftraggebern des jungen Unternehmens. Foto: gh

Lebensmittelabfälle sind Dr. Tobias Pfaff und Eyüp Aramaz ein Dorn im Auge. „Als Start-up ist es aber extrem schwierig, in Konzerne zu kommen“, sagen sie und möchten ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Darum konzentrieren sich die jungen Unternehmer vorerst nur auf Bäckereien und gehen der Frage nach: Wo schmeißen Bäckereien das meiste Geld weg? Pfaff und Aramaz gründeten ihr Start-up-Unternehmen „Food Tracks“.

Bäckereibetriebe wie Cibaria in Münster und unter anderem Lechtermann-Pollmeier in Bielefeld arbeiten mit ihnen zusammen.

Die Firmengründer von „Food Tracks“ haben ihr Büro an der Hafenstraße in Münster eingerichtet. Sie wollen kein Geld verbrennen, sagen sie, darum teilen sie sich alle Aufgaben.

Thema Lebensmittelabfälle immer präsenter

Dr. Tobias Pfaff, der in Münster BWL studiert und in VWL promoviert hat, ist seit dem Jahr 2006 mit Datenanalysen beschäftigt. Irgendwann sei das Thema Lebensmittelabfälle immer präsenter geworden, erzählt der 35-Jährige. „Da wäre es gut, wenn man etwas dagegen tun kann.“

Eyüp Aramaz war dagegen acht Jahre bei der Polizei, davon nach eigenen Angaben fünf Jahre als Polizeikommissar in Hannover. Der 28-Jährige, der von sich behauptet, von der Technik besessen und begeistert zu sein, legte eine Pause ein und absolvierte seinen Master im Mittelstandsmanagement.

Bei einem Projekt für einen Auftraggeber zum Thema Lebensmittelvermeidung lernte sich das Start-up-Duo kennen. „FoodTracks“ ist nach eigenen Angaben Kooperationspartner des Instituts für Nachhaltige Ernährung der Fachhochschule Münster. Ein gemeinsames Pilotprojekt habe gezeigt, dass sich in den Lebensmittelbetrieben 20 bis 30 Prozent Abfälle vermeiden ließen.

3000 Entscheidungen bei der Bestellplanung

Grundlage für „Food Tracks“ ist die Auswertung von Milliarden Daten pro Monat. Damit möchten die jungen Unternehmer bundesweit Bäckereien helfen, die Produktion, Personalplanung und den Verkauf messbar zu optimieren. Pfaff und Aramaz sprechen von „wahren Schätzen“ in den Daten der Betriebe, wissen aber auch darum, dass es hochsensible Daten sind. Beispielsweise müsste eine Bäckerei mit rund 130 Produkten und 30 Filialen täglich über 3000 Entscheidungen alleine bei der Bestellplanung treffen. Welches Produkt soll in welcher Menge in welche Filiale geliefert werden? Und damit seien nicht alle Entscheidungen für Marketing, Verkauf und Personalplanung mit einbezogen. Dann wären es weit über 40.000 Entscheidungen in der Woche, vermutet Eyüp Aramaz.

Vieles passiert auf gut Glück

Beispielsweise spiele die Frage nach den Retouren aus den Filialen eine Rolle, ebenso das Wetter für den Verkauf. Es gilt zu klären, in welcher Filiale es an welchen Wochentagen Sinn machen würde, personelle Entscheidungen oder den Wareneinsatz anzupassen. Diese Faktoren blieben oft mangels Zeit auf der Strecke. „Das Ergebnis sind meistens unpräzise Entscheidungen, meist auf gut Glück“, sagt Eyüp Aramaz.

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