Mi., 30.08.2017

Literaturzeitschrift „Am Erker“ 40 Jahre ehrenamtlich geführt So alt wie die Skulptur-Projekte

Ein Foto aus „Jugendjahren“: Joachim Feldmann (l.) und Michael Kofort produzieren seit vier Jahrzehnten die Literaturzeitschrift „Am Erker“.

Ein Foto aus „Jugendjahren“: Joachim Feldmann (l.) und Michael Kofort produzieren seit vier Jahrzehnten die Literaturzeitschrift „Am Erker“. Foto: Andrea Bergmann

Münster - 

40 Jahre ehrenamtliches Engagement – da denkt man an Jubilare in Schützenbruderschaften, Frauengemeinschaften oder Sportvereinen. Auf die Jubilare Joachim Feldmann und Michael Kofort trifft all das nicht zu.

Von Klaus Baumeister

40 Jahre ehrenamtliches Engagement – da denkt man an Jubilare in Schützenbruderschaften, Frauengemeinschaften oder Sportvereinen. Auf die Jubilare Joachim Feldmann und Michael Kofort trifft all das nicht zu. Ihr Ehrenamt ist ebenso selten wie außergewöhnlich. Sie haben vor 40 Jahren in Münster die Literaturzeitschrift „Am Erker“ gegründet und arbeiten bis heute für das zwei Mal im Jahr erscheinende Magazin, Kofort als Geschäftsführer, Feldmann als Mitglied der sechsköpfigen Redaktion.

Aber nicht nur Feldmann und Kofort feiern ein Jubiläum, sondern auch die Zeitschrift selbst. Der Festakt findet am Freitag (1. September) um 20 Uhr im Theatertreff an der Neubrückenstraße statt. Festgäste sind die Schriftsteller Sabrina Janesch und Burkhard Spinnen, die beide eng mit der Zeitschrift verbunden und überdies als Autoren sehr erfolgreich sind.

Auch Joachim Feldmann darf sich auf den Abend freuen. Denn er wird mit dem Literaturtaler des Literaturrates NRW ausgezeichnet. Das ehrenamtliche Redaktionsteam, dem Feldmann seit dem ersten Tag angehört, hat inzwischen 73 Themenhefte veröffentlicht. 73 Mal wurden Autoren aufgerufen, Texte einzureichen. 73 Mal wurde eine Auswahl getroffen, wurden die Themenhefte um Buchrezensionen und Interviews ergänzt.

„Ich habe in den 40 Jahren unheimlich viel gelernt“, blickt Feldmann (beruflich als Berufsschullehrer tätig) auf eine anstrengende, aber auch erfüllte Zeit zurück. Die Zeitschrift habe inzwischen einen „guten Ruf“, wie Feldmann meint. Diesen Ruf hat der Saarländische Rundfunk einmal so beschrieben: Der „Erker“ verbinde „einen ironischen Realismus mit einem ausgeprägten Sinn für Komik“.

Die vielen Klagen über den vermeintlichen Verfall der Schreibkultur kann Literaturkenner Feldmann nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Die Texte sind besser geworden“, verweist er auf eine grundlegende Professionalisierung der Szene. Interessanterweise sei gerade für junge Autoren die Präsenz im gedruckten Heft weitaus wichtiger als eine Veröffentlichung im Internet. Feldmann kennt auch den Grund: „Unser Heft wird in den Verlagen gelesen.“

Längst sind die Planungen für Heft 74 angelaufen, das den Titel „Tag und Nacht“ erhalten soll. Wem dazu Kurzprosa mit maximal 5000 Zeichen einfällt, hat Chancen, die lange Liste erfolgreicher Autoren zu verlängern.

Ach übrigens: Ausgerechnet im Jubiläumsjahr mussten Feldmann und Kofort einen herben Verlust hinnehmen: Die erste „Geschäftsadresse“ der Zeitschrift (einst die Studenten-WG ihrer Erfinder) lag am Dahlweg 64. Das Gebäude wurde im Frühjahr abgerissen . . .  

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