Do., 14.09.2017

Maximo-Park-Sänger Paul Smith im Interview „Den Leuten die Stirn bieten“

Maximo-Leader Paul Smith (2.v.r.) und Band gastieren nach 2005 (im Gleis 22) und 2009 (Skaters Palace) zum dritten Mal in Münster.

Maximo-Leader Paul Smith (2.v.r.) und Band gastieren nach 2005 (im Gleis 22) und 2009 (Skaters Palace) zum dritten Mal in Münster. Foto: Steve Gullick/PR

Münster - 

Am 1. Oktober gastieren die wunderbaren Maximo Park im Jovel. Wir sprachen vorab mit Maximo-Park-Sänger Paul Smith.

Von Florian Levenig

Wieso die Indie-Art-Pop-Band aus Nordengland so viel länger durchgehalten hat als andere Gruppen, ob er sich an die erste Münster-Show im Gleis 22 erinnert und wie man in Würde altert, hat Frontmann Paul Smith (38) unserem Redaktionsmitglied Florian Levenig verraten.

Ihr seid einen Tag zu spät.

Paul Smith: Wieso?

Nachmittags enden die Skulpur-Projekte, die weltberühmte Kunstschau.

Smith: Ach, Mist. Ich liebe weltberühmte Kunstschauen.

Du warst früher Kunstlehrer. Zeichnest Du noch?

Smith: Viel zu selten. Wenn du etwas richtig gut machen willst, musst du jeden Tag am Ball bleiben. Das ist wie mit dem Songschreiben. Leider fehlt mir daher die Zeit zum Malen.

Gut für Maximo-Park-Fans. „Risk to Exist“ ist Euer sechstes Album. Wieso habt Ihr bis heute Erfolg? Viele – auch fähige – Gruppen, die in den Nuller-Jahren angefangen haben, sind längst Geschichte.

Smith: Der Titel verrät es: Man muss Risiken eingehen. Experimente wagen. Auch im Rahmen der Popmusik. Ich hab’ ja nichts gegen das Strophe-Refrain-Ding. Und: Soloprojekte sind gut, will man mal Abstand gewinnen. Ich würd’ gern eine Akustikplatte aufnehmen. Oder was Elektronisches. Leider bin ich ganz furchtbar darin (lacht).

Du bist ein Bühnen-Derwisch. Fallen Dir die Scheren-Kicks und andere abenteuerliche Moves heute schwerer als früher? Gehst Du vor einer Tour ins Fitnessstudio?

Smith: Nö. Ich war immer sportlich. Hab’ Fußball gespielt, Basketball. Außerdem sind unsere Songs inzwischen ja getragener. Immer noch tanzbar, aber nicht mehr so hektisch. Dem Alter angemessen (lacht). Andererseits: Schau’ Dir Iggy Pop oder Mick Jagger an. Wir sind 2008 mit den Stones getourt. Mann, hat der Typ eine Energie.

Dem Alter angemessen . . .

Smith: Okay (lacht). Aber das ist ja das Schöne am Rock’n’Roll: Zumindest kannst du auf der Bühne vorgeben, jung und wild zu sein. Selbst mit 70.

Das Leben im Tourbus beschränkt sich bei vielen Musikern aufs Daddeln. Bei Euch stellt man sich vor, dass Ihr anspruchsvolle HBO-Serien schaut und E-Books lest.

Smith: So ähnlich. Nur dass ich keinen Kindle besitze. Dafür nehme ich Bücher mit. In Mengen. Ich habe einen Literatur-Blog. Wenn die anderen fragen, ob ich auf einen Drink mitkomme, sage ich: Sorry, geht nicht, ich muss noch eben dieses Buch zu Ende lesen (lacht).

„Leave This Island“ heißt ein älterer Maximo-Park-Song. Hast Du den Brexit kommen sehen?

Smith: Nicht wirklich. Es ist ja alles noch viel furchtbarer, als man sich das hätte ausmalen können.

Du könntest nach Berlin auswandern.

Smith: Stimmt, ich habe Freunde dort. Aber wäre das nicht eine billige Flucht? Meine Heimat ist Newcastle. Und man kann das System ja auch von innen bekämpfen. Den Leuten die Stirn bieten!

Hast Du Zukunftsängste?

Smith: Klar. Ich will nicht von CD-Verkäufen anfangen. Fakt ist aber: Unsere Alben waren alle in den Top 20. Trotzdem haben wir von Mal zu Mal weniger abgesetzt.

Schon 2005 wart Ihr in Münster, im Gleis 22.

Smith: Ein kleiner, cooler Laden. Und ich hab’ dort eine My-Bloody-Valentine-Platte gekauft. Auf Vinyl.

Bei Green Hell Records . . .

Smith: So hieß der Laden, glaub’ ich. Gute Plattenläden liegen übrigens meist abseits des Stadtkerns. Man lernt auf dem Weg dorthin also die wirklich interessanten Ecken einer Stadt kennen.

Zum Thema

1. Oktober (Sonntag), 20 Uhr, Jovel, Albersloher Weg 54.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

Mehr zum Thema

flohmarkt.ms Anzeigen

Schnäppchen und Angebote aus Ihrer Umgebung

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5148614?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F