Fr., 15.09.2017

Erster Parking Day in Münster Parkplätze werden zu grünen Wohnzimmern im Freien

Erster Parking Day in Münster: Auf der Hammer Straße fand die Rückeroberung des Parkraums durch ADFC und VCD statt.

Erster Parking Day in Münster: Auf der Hammer Straße fand die Rückeroberung des Parkraums durch ADFC und VCD statt. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Wohlfühl-Zonen statt Blechkolonnen: Beim ersten „Park(ing) Day“ haben unter anderem Aktive des Allgemeinen Fahrradclubs Parkplätze an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet für einige Stunden Auto-Parkplätze umgewidmet.

Von Karin Höller

Wo sonst drei Pkw am Straßenrand der Hammer Straße parken, liegt jetzt ein grüner Teppich, auf dem es sich Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ( ADFC) Münster in Sesseln mit Kaffee und Knabbereien gemütlich machen, während die zweite Vorsitzende Birgitt Oeser eine Baumscheibe mit Iris und Farnen bepflanzt. Mit ungewöhnlichen Aktionen machten Engagierte bei Deutschlands erstem „Park(ing) Day“ auch in Münster an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet deutlich, wie Autostellflächen sinnvoller genutzt werden können. „Wir wollen irritieren und ins Gespräch kommen“, sagt ADFC-Vorsitzender Andreas K. Bittner.

Video: Erster "Parking Day" in Münster - Aktion gegen parkende Autos

Mehr Zustimmung als Kritik kommt an diesem Nachmittag von den Passanten, während Bezirkspolizist Uwe Papesch die Aktion für „Kooperationsgespräche“ nutzt und dafür sorgt, dass die angemeldete Versammlung reibungslos über die Bühne gehen kann. Margret Eikel, die gerade ihre Einkäufe erledigt, findet die Aktion sogar lustig. „Ich wohne mitten in der Stadt, brauche kein Auto und habe keinen Stress mit der Parkplatzsuche.“

Um die Mobilität in Münster ökologisch und sozialverträglich zu gestalten, gebe es viele Ideen, macht Peter Wolter vom ADFC deutlich und spricht unter anderem vom „Boulevard Hammer Straße“ mit Tempo 30, einer Vorfahrt für Radfahrer auf dem Promenadenring, die Verlagerung von Parkraum aus der Stadt an die Peripherie, günstigere Tarife im Personennahverkehr und vor allem von dem Ziel, „die hohen Unfallzahlen zu senken“. Dass dies funktioniere, „sieht man in den Niederlanden oder Städten wie Kopenhagen“, sagt Wolter.

Fotostrecke: Parking Day in Münster

Dabei gebe es auch in Münster längst gute Ansätze. Stadtteilauto beispielsweise, auf dessen Angebot Geschäftsführer Till Ammann auf der Aktionsfläche an der Schillerstraße aufmerksam macht, während es sich Besucher im Fond eines im wahrsten Sinne des Wortes geteilten Vehikels gemütlich macht. 3500 Mitglieder nutzen laut Ammann inzwischen die 200 Stadtteilautos. „Das Konzept ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Bald soll die 50. Station an der Friedensstraße eröffnet werden. Und im nächsten Jahr, kündigt Ammann an, „werden wir Elektro-Lastenräder mit ins Programm aufnehmen“. Schon jetzt würden durch das Konzept 4000 Pkw auf Münsters Straßen eingespart.

Ihre liebe Last mit uneinsichtigen Autofahrern hatten die Aktiven der Interessengemeinschaft „Fahrradstadt Münster“. Am Hansaring, Ecke Dortmunder Straße, waren trotz behördlicher Genehmigung vier Stellplätze, die für ein Wohnzimmer im Freien und Aufführungen der Impro-Theater-Gruppe Glutamat, vorgesehen waren, von Pkw belegt. Am Ende kam der Abschleppwagen.

Bundesweiter "Park(ing) Day"

Beim „Park(ing) Day“ verwandeln Engagierte in vielen Städten Auto-Parkplätze für ein paar Stunden in Räume, die ihnen besser gefallen: Sitzecken, Cafés, Spielplätze, Minigärten und temporäre Radspuren.  Der ADFC, einer der Aktionspartner, fordert einen stärkeren Vorrang für Radfahrer, Fußgänger und den öffentlichen Personennahverkehr vor dem Autoverkehr, deutlich höhere Finanzmittel des Bundes, Verbesserungen bei der Verkehrssicherheit sowie verbindliche Qualitätsstandards für Radwege. Bei seinen Forderungen sieht der ADFC einen Rückhalt in der Bevölkerung und bezieht sich auf eine repräsentative Umfrage „Platz für Begegnungen“, die vom Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag des ADFC im August dieses Jahres unter 1090 Bürgern ab 14 Jahren durchgeführt wurde. Danach wünschen sich 87 Prozent der Bundesbürger mehr Platz für Begegnungen, Rad- und Fußverkehr. Die Hälfte von ihnen will laut Umfrage diese Veränderungen zulasten der Autoverkehrs.

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