Tatmittel in der Aa gefunden
Graffiti-Beseitigung am Landesmuseum ist mühsame Kleinarbeit

Münster -

Das in der Nacht zum Dienstag an der Fassade des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster großflächig auf die Fassade gesprühte Riesen-Graffiti ist schwerer zu entfernen, als zunächst gedacht. Unterdessen hat die Polizei das vermeintliche Tatmittel sichergestellt.

Donnerstag, 21.09.2017, 15:09 Uhr

Tatmittel in der Aa gefunden: Graffiti-Beseitigung am Landesmuseum ist mühsame Kleinarbeit

Mit einem Dampfstrahler gelang es eine Fachfirma zwar, die königsblaue Farbe aus den Fugen zu spülen. Der offenporige Sandstein aber muss jetzt Millimeter für Millimeter mit der Düse eines Sandstrahlgeräts gereinigt werden. Das dauert nach Schätzungen von Museums-Sprecherin Claudia Miklis „mindestens zehn Tage“ und dürfte nach vorläufigen Berechnungen rund 20.000 Euro kosten.

Für die Reinigungsarbeiten musste der Bürgersteig an der Pferdegasse in Richtung Domplatz gesperrt werden, die Arbeiter tragen wegen der enormen Staub- und Dreckentwicklung bei den Sandstrahlarbeiten Schutzanzüge und Masken.

"Tatmittel" in der Aa gefunden

Ein Zeuge hat unterdessen einen Feuerlöscher in der Aa entdeckt und die Polizei informiert, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. An dem Löscher hätten sich Spuren blauer Farbe befunden, die mit der an der Fassade des Museums übereinstimmen. "Die Feuerwehr barg das Tatmittel zwischen der Straße Spiegelturm und dem Jesuitengang aus dem Wasser. Die Polizei stellte den Feuerlöscher sicher", heißt es in der Pressemitteilung. Die Polizei ist nun auf der Suche nach Zeugen, die Personen mit dem Feuerlöscher oder anderen verdächtigen Gegenständen beobachtet haben (0251 275-0).

Debatte über Graffiti-Kunst

Einige der auswärtigen Besucher der Skulptur-Projekte glauben, die Schmiererei sei Teil des Kultur-Events, und machen eifrig Bilder. Genau das gelte es zu vermeiden, meinte Facebook-Nutzer Jürgen Schmiedeshoff in der Gruppe " Du bist Münsteraner, wenn ... ": "Und gerade während der Skulptur-Projekte halte ich es für gut, wenn 1000e von Besuchern DAS nicht auch noch auf ihren Fotos mitnehmen!"

Andere sind der Meinung, das Graffiti sei Kunst, die Verantwortlichen nicht "cool" genug, es am Museum zu belassen und es sei auch nicht minder ansehnlich als offizielle Werke der Skulptur-Projekte. "Eine Form der Kunst, die illegal ist und auch Kosten für den Steuerzahler verursacht. Aber dennoch: Wer darf diesem 'toy' den Status der Graffitikunst absprechen? Wenn das so ist, möchte ich bitte auch über die Beuys' Badewanne (1960) sprechen", schreibt Jörn Dummann. Auch die Aaseekugeln wären zunächst nicht gut angekommen in Münster.

Die Bedeutung von "Toy"

Nutzer Jörn Dummann klärt sodenn die Gruppe darüber auf, dass das ans Museum gesprühte Wort "Toy" in der Graffitiszene eine Bedeutung habe. Nämlich, "dass die Kunst, die man mit dem 'toy' über ein Bild o.ä. crossed, für schlechte Kunst gehalten wird". Das Graffiti sei "quasi ein illegales Feedback zu der dort ausgestellten Kunst".

 

Die zehn populärsten Werke

1/10
  • Platz 9 müsste eigentlich Platz 10 sein, teilt sich mit der Wasserwaage von John Knight aber die gleiche Zahl an Stimmen. Daher gibt es zwei 9. Plätze: Einer davon ist Koki Tanakas Werk „Gruppe“. Vier Stunden Film-Material zeigt acht Menschen, die miteinander reden und gelegentlich Impulse von anderen Menschen bekommen. Die Fragestellung ist ebenso spannend wie wichtig: „Wie zusammen leben und das Unbekannte teilen“.

    Foto: Oliver Werner
  • Ebenfalls auf Platz 9: John Knights Waage am LWL-Museum für Kunst und Kultur.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Platz 7: Hervé Youmbi vermischt in seinen himmlischen Masken afrikanische und US-amerikanische Jenseits-Motive von Tod und Schrecken. Der Kameruner hat sie am Überwasserfriedhof in unmittelbarer Nähe zur letzten Ruhestätte des Generals Ludwig Roth von Schreckensteinin in Bäumen aufgehängt. Damit hinterfragt der Künstler die Authentizität von Grabriten. Seine Arbeit wirft an diesem Ort unwillkürlich Gedanken über Spiritualität und Aberglaube auf. Wer etwa die Motive seiner himmlischen Masken studiert, die mitunter recht grimmig sind, dem werden Gedanken über Unheil bringende Fetische kommen. Ob man will oder nicht.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Ebenfalls auf Platz 7: Die Gartenstraße Nummer 29 war schon immer ein Ort irgendwo in Fernost – voll chinesischer Zutaten. Während der Skulptur-Projekte 2017 konzentriert sich im Hinterzimmer des ehemaligen Asia-Ladens die globalisierte Welt und dies sehr bunt, aber nicht immer schön. Angeordnet hat dieses Sammelsurium die 1976 geborene Künstlerin Mika Rottenberg, selbst ein Kind der globalisierten Welt. Geboren in Argentinien, aufgewachsen in Israel, ausgebildet zur Künstlerin in den USA, als solche tätig überall. Rottenbergs Skulptur-Projekt vollendet der 30 Minuten dauernde Film, der im als kleines Kino umgebauten Hinterzimmer des Asia-Ladens in Endlos-Schleife läuft.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Platz 6: Im Tunnel am Schloss herrscht während der Skulptur-Projekte dank Aram Bartholls fünf Kronleuchter mit ihren jeweils aus zehn thermoelektrischen, mit Teelichtern betriebenen LED-Leselampen eine fast schon festliche Stimmung.

    Foto: Hanna Neander
  • Für Platz fünf (Pierre Huyghes Welt im Eispalast) findet Irmgard Bröskamp (Ostbevern) diese Worte: „Hier kann nachempfunden werden, wie trist, trostlos, unheimlich ein Leben ohne Mitmenschen und Pflanzen sein kann. Eine Mahnung, wie wichtig es ist, die Umwelt zu schützen und zu pflegen.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • Platz 4: Der Schönheit und Stille erfreuen sich Besucher auch beim Haus im Wald von Hreinn Fridfinnsson. Leser Christian Lüschen-Heimer: „Die Wirkung entfaltet sich erst, wenn man sich einlässt, sprich: sich ihm nähert, es betritt. Und dann ist sie enorm: Heimat; Wahrnehmung von Geborgenheit und gleichzeitig Ungeschütztheit; Erinnerung an Kinderspiele; die gedankliche Vervollständigung, die bei jedem anders ist. Es ist berührend!“

    Foto: -kb-
  • Platz drei der „Lieblingsskulpturen“: Der “Nuclear Temple“ von Thomas Schütte erinnert einerseits an ein Atomkraftwerk, andererseits an eine Kirche. Er fügt sich harmonisch in das Gelände des alten Zoos und strahlt eine eigenartige Würde und Ruhe aus.

    Foto: Ellen Bultmann
  • Platz 2: Mit 60 Stimmen landet der Nackerten-Brunnen von Nicole Eisenman auf Platz zwei. Damit kommen die beiden Wasser-Skulpturen auf die Hälfte der Stimmen und verweisen die übrigen 33 Skulpturen auf die hinteren Plätze.

    Foto: Hanna Neander
  • Platz 1: Der Unterwasser-Steg von Ayşe Erkmen war von Start weg ein Renner. Die Unterwasserbrücke hat mit 113 Stimmen fast ein Drittel aller Stimmen auf sich vereint. Das Besondere dieses Skulptur-Projektes ist, dass es an sich unsichtbar ist und erst durch die Besucher erkennbar wird.

    Foto: Oliver Werner

 

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