Sa., 07.10.2017

Anwesenheitspflicht an Hochschulen Selbstverständlichkeit oder unnötige Bevormundung?

Anwesenheitspflicht an Hochschulen: Selbstverständlichkeit oder unnötige Bevormundung?

Die schwarz-gelbe Landesregierung will Unis wieder ermöglichen, eine grundsätzliche Anwesenheitspflicht einzuführen. Foto: dpa

Münster - 

Die neue Landesregierung plant, das vor drei Jahren von Rot-Grün erlassene Verbot von Anwesenheitspflichten an den Hochschulen wieder zu lockern. Eine richtige Entscheidung?

Von Martin Kalitschke und Karin Völker

Pro: Selbstverständlichkeit

Schüler müssen morgens in der Schule erscheinen, Berufstätige am Arbeitsplatz – anderenfalls drohen Konsequenzen. Studierenden steht es hingegen seit einer Änderung des NRW-Hochschulgesetzes durch Rot-Grün im Jahr 2014 frei, ob sie zur Vorlesung oder zum Seminar erscheinen – oder nicht. Die Party am Vortag war richtig gut? Kein Problem, einfach umdrehen und weiterschlafen! Es regnet in Strömen – warum zur Uni radeln, wenn es doch zu Hause so schön trocken ist?

Kritiker der Anwesenheitspflicht sprechen von „Bevormundung“, nicht wenige Studierende fordern ihr Recht ein, selbst entscheiden zu dürfen, ob sie zu Uni-Veranstaltungen gehen oder nicht. Gesetzt den Fall, dass sie sich aus Leidenschaft an ihrem Fach eingeschrieben haben: Ist es da nicht selbstverständlich, Vorlesungen und Seminare zu besuchen? Offenbar nicht, wie der Protest gegen die Pläne der neuen Landesregierung zeigt. Eine Lockerung des Verbots einer Anwesenheitspflicht ist dringend angebracht. Studierende, die diese Kröte nicht schlucken wollen, müssen sich fragen lassen, ob sie das Richtige machen.

Martin Kalitschke

Contra: Änderung unnötig

An einer Hochschule zu studieren bedeutete früher, das Angebot der Wissenschaft eigenverantwortlich zu nutzen. Dass sollte das Studieren an der Universität vom Schulbesuch unterscheiden. Mit der Bologna-Reform und der Einführung der stark reglementierten Bachelor-Studiengänge veränderte sich diese Sichtweise, in den meisten Lehrveranstaltungen wurde die Anwesenheit verpflichtend, auch wenn der Stoff in Zeiten von E-Learning abseits oft überfüllter Hörsäle zu erlernen ist.

Eine Anwesenheitspflicht ohne Begründung wurde darum nach Studentenprotesten vor einigen Jahren per Gesetz untersagt. Lehrveranstaltungen, bei denen eine kontinuierliche Teilnahme zwingend ist, wie bei Fremdsprachenübungen oder Experimentalkursen in den Naturwissenschaften, waren und sind davon ausgenommen.

Das bestehende Gesetz bietet für die Hochschulen schon jetzt Freiraum, die Anwesenheit zu verlangen. Eine Änderung ist darum nicht nötig. Ein Stück Verantwortung für das eigene Studium darf von Studierenden „mit Reifeprüfung“ wohl verlangt werden.  

Karin Völker

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