Mo., 09.10.2017

Spektakuläre Architektur Das neue Philosophikum: Kühne „Regalwand“ am Domplatz

Blick von oben  ins Innere des Philosophikums. Die Wand links ist die Außenwand des Altbaus, rechts erstreckt sich über alle Etagen die Bibliothek.

Blick von oben  ins Innere des Philosophikums. Die Wand links ist die Außenwand des Altbaus, rechts erstreckt sich über alle Etagen die Bibliothek. Foto: Karin Völker

Münster - 

Der Bau ist schmal wie ein Bücherregal – und beherbergt innen im Wesentlichen eine Bibliothek. Das neue Philosophikum der Universität zeigt eine spektakuläre Architektur – von innen noch kühner als von außen.

Von Karin Völker

Niko Strobach, Philosophie-Professor an der Universität Münster, hat vom Schreibtisch seines neu bezogenen Büros einen mutmaßlich uniweit konkurrenzlos schönen Ausblick. Aus seinem Fenster blickt Strobach direkt auf die Domtürme und den Domplatz. Strobach ist einer der Glücklichen, der ab sofort in einem der schönsten und architektonisch interessantesten Uni-Gebäude arbeiten darf. Das Philosophikum, die Verbindung zwischen Domplatz und Aa neben dem Fürstenberghaus ist – nahezu – fertig.

Im Kanon der neuen Bauten in Münsters Innenstadt ist das Philosophikum, nicht nur wegen seiner schmalen Form, ein Hingucker. Zentrum des vom Kölner Architekten Peter Böhm geplanten Baus ist die Bibliothek für die Fächer Philosophie, Kunstgeschichte und teilweise Katholische Theologie. Dabei erinnert das Gebäude selbst mit den Worten des Architekten an eine „Regalwand“.

Fotostrecke: Das neue Philosophikum

65 Meter lang zieht sich der fünfgeschossige Neubau entlang einer sehr flach abfallenden Treppe vom Domplatz zur Aa. Die Fassade ist aus geschlämmtem Ziegelmauerwerk. Dessen Fugen sind grob mit sandfarbenem Mörtel verfugt, die Ziegel schimmern dunkel hervor. Innen setzt sich die Fassade fort, die frühere Außenwand des jetzt sanierten Altbaus ist ebenfalls mit dem gleichen Mörtel grob verputzt. So grob, dass Handwerker per Warnzettel darauf hingewiesen werden mussten, dass die Wände so im Endzustand sind und keineswegs einen Anstrich brauchen oder beschriftet werden dürfen, erzählt Rainer Leuders vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW.

Daten zum Neubau

Der Neubau umfasst eine Fläche von 1900 Quadratmetern, zusammen mit dem Altbau stehen nun 5000 Quadratmeter zur Verfügung. 96 Prozent der 17,6 Millionen Euro Baukosten wurden vom Land NRW finanziert, den Rest steuerte die Universität aus eigenen Mitteln bei. Der Bau und Liegenschaftsbetrieb NRW Münster setzte die Pläne des Siegers vom Architektenwettbewerb, Peter Böhm, um.

17,6 Millionen Euro hat der Bau gekostet, 2,6 Millionen mehr als veranschlagt: „Wir sind ständig auf neue, unangenehme Überraschungen gestoßen“, so Leuders: Fundamente im Altbau mussten verstärkt, das zentrale Treppenhaus ganz neu gebaut, viele Decken neu eingezogen werden. „Der alte Bau war im Krieg stark beschädigt worden und wurde in der Nachkriegszeit teils notdürftig repariert.“

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Im Inneren haben die Architekten wie schon im Außenbereich auf Naturmaterialien gesetzt: Regale, Türen und Fenster sind einheitlich aus Lärchenholz. Neben der sich über alle Etagen offenen Bibliothek mit kühnen Freitreppen beherbergt der Bau unter anderem einen kleinen Hörsaal mit 80 Plätzen und sieben Seminarräumen – und im Erdgeschoss befindet sich die Studiobühne: Sie kann erst im nächsten Frühjahr eröffnet werden. Ein Teil der Beleuchtungstechnik konnte noch nicht geliefert werden, wie zu hören ist.

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