Di., 10.10.2017

Vorwurf der Volksverhetzung Ermittlungen gegen „Ultimo“

Die Staatsanwaltschaft Münster hat Ermittlungen gegen das Szene-Magazin „Ultimo“ eingeleitet.

Die Staatsanwaltschaft Münster hat Ermittlungen gegen das Szene-Magazin „Ultimo“ eingeleitet. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt gegen das Szene-Magazin „Ultimo“ wegen Volksverhetzung. Wegen eines „Gedichts“ waren zuvor zwei Strafanzeigen gestellt worden.

Von Martin Kalitschke

Die Staatsanwaltschaft Münster hat am Dienstag Ermittlungen gegen das Szene-Magazin „Ultimo“ eingeleitet. Es bestehe der Verdacht der Volksverhetzung, bestätigte ein Sprecher der Behörde. Zuvor waren zwei Strafanzeigen eingegangen.

In der aktuellen Ausgabe des Magazins befindet sich unter der Rubrik „Setzers Abende“ ein aus vier Strophen bestehendes „Gedicht“. Darin heißt es unter anderem: „1000 Jahre Deutschland – ich gebe euch nicht her, Auf, Auf zum Kampf, zum Kampf, zum Kampf fürs Vaterland. Wir werden sie jagen“ und „Von der Maas bis an die Memel mit ruhig festem Schritt, Schleift die langen Messer, Wir werden sie jagen, Bis das Judenblut vom Messer spritzt“.

„Gedicht“ sollte laut Ultimo Satire-Beitrag sein

Rainer Liedmeyer, einer der Geschäftsführer des Ultimo-Verlages, betonte gegenüber unserer Zeitung, dass es sich bei dem „Gedicht“ um einen Satire-Beitrag handele, für den man AfD-Zitate – wie den Satz „Wir werden sie jagen“ von Alexander Gauland – mit Zitaten aus braunem Liedgut der Jahre 1933 bis 1945 gemischt habe. „Diese Geistesverwandtschaft zwischen Nazis und AfD zu zeigen, war unsere Intention.“ Vielleicht, so Liedmeyer, hätte man eine kleine Erklärung hinzufügen sollen, um Irritationen zu vermeiden. Die Ultimo positioniere sich jedenfalls „im grünen bzw. linken demokratischen Umfeld“.

Für die Stadt Münster "nur" ein Ausrutscher 

Irritiert reagierte die Stadt Münster auf das „Gedicht“: „Soweit hier bekannt, gab es einen vergleichbaren Beitrag in dem Magazin noch niemals. Deshalb gehe ich zunächst davon aus, dass es sich um eine einmalige Entgleisung handelt“, so Stadt-Sprecher Joachim Schiek. Im Übrigen bleibt das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abzuwarten. Und weiter: „Ich nehme an, dass das Magazin für die Zukunft Konsequenzen zieht, damit Werbekunden, zu denen neben vielen anderen auch die Stadt Münster gehört, nicht über Konsequenzen nachdenken müssen.“

Stadtwerke ziehen Konsequenzen

Die Stadtwerke Münster reagierten bereits am Dienstag und stornierten bis auf Weiteres ihre Anzeigen. „Ob Satire oder nicht – das ist ganz eindeutig kein Umfeld, in dem wir Werbung schalten wollen“, so Unternehmenssprecher Martin Schuster. Sein Unternehmen stehe für Pluralität und Weltoffenheit, mit einem Beitrag wie dem umstrittenen Gedicht „können wir uns nicht identifizieren“.

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