Di., 24.10.2017

Stellplätze am Hauptbahnhof Fahrradflut kaum noch zu stoppen

Rund 4500 abgestellte Fahrräder befinden sich rund um den Hauptbahnhof. Das hat ein Student in diesem Sommer im Rahmen seiner Masterarbeit ermittelt. Anders als auf diesem Foto befinden sich viele Räder an Stellen, wo sie eigentlich gar nicht stehen dürfen.

Rund 4500 abgestellte Fahrräder befinden sich rund um den Hauptbahnhof. Das hat ein Student in diesem Sommer im Rahmen seiner Masterarbeit ermittelt. Anders als auf diesem Foto befinden sich viele Räder an Stellen, wo sie eigentlich gar nicht stehen dürfen. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Tausende Räder stehen rund um den Hauptbahnhof. Der Stadt fällt es immer schwerer, die Situation in den Griff zu bekommen. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Von Martin Kalitschke

Räder, wohin man schaut – rund um den Hauptbahnhof ist das ein gewohntes Bild. Doch in den vergangenen Wochen hat sich die Situation noch einmal verschärft. Mit Einrichtung der Baustelle für den auf der Ostseite geplanten Gebäudekomplex stehen die Räder auf der Westseite noch enger, noch chaotischer und an noch mehr verbotenen Stellen.

Und die Verwaltung geht nicht davon aus, dass sich die Situation demnächst wieder entspannt – ganz im Gegenteil. „Die Lösung des Fahrrad-Parkproblems ist bereits jetzt schwer, der Druck der Radfahrer ist einfach zu groß“, sagt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. Und weiter: „Die Problematik könnte sich noch zuspitzen.“ Immer mehr Einwohner, immer mehr Radverkehr – aber vorübergehend sogar weniger Stellflächen am Hauptbahnhof: Das ist eine Rechnung, die nur schwer aufgeht.

Video: Parkprobleme vor dem neuen Hauptbahnhof

An der Radstation kann man Tag für Tag beobachten, wie akut die Lage ist. Mehr als 200 Räder stehen zwischen Radstation und Taxen-Vorfahrt, der Bürgersteig ist auf einer Länge von mehr als 50 Metern nicht mehr nutzbar. Die Fußgänger weichen auf die Taxen-Vorfahrt aus, die nicht nur von Taxen, sondern auch von Fahrradfahrern genutzt wird. Resultat ist ein höchst unfallträchtiges Durcheinander.

Neue Pkw-Stellplätze

In der „kleinen“ Bahnhofstraße, neben der Post, sollen zwölf Kurzzeit-Stellplätze für Pkw geschaffen werden. Sie sollen als „eingeschränktes Halteverbot“ ausgewiesen werden. Pkw dürfen dort nur wenige Minuten stehen, um Bahn-Reisende abzusetzen oder abzuholen. Die ursprünglich dort geplanten doppelstöckigen Radständer werden nicht gebaut. Über diese Pläne wird die Verwaltung die Politik im kommenden Monat ausführlich informieren.

Heuer kritisiert jene Radfahrer, die ihre Drahtesel „rücksichtslos“ dort abstellen, wo es verboten ist – selbst auf Behindertenparkplätzen. „Von morgens bis abends“, betont er, seien Kräfte der Stadt vor Ort, um falsch geparkte Räder umzustellen – sofern woanders Platz ist. Doch Platz ist kaum noch irgendwo. „Wenn es keine freien Räume in der Nähe gibt, dann bleiben solche Räder stehen“, sagt Heuer. Und so ist der Bürgersteig an der Radstation seit Wochen unpassierbar.

Bis zu 1500 Räder werden jeden Monat umgestellt, berichtet die Stadt, 917 landeten seit Jahresbeginn in der Fahrradfundstation.

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Überlegungen, eine Etage im Parkhaus in der „kleinen“ Bahnhofstraße für Räder anzumieten, hat die Stadt wieder aufgegeben – auch der Pkw-Parkdruck sei zu groß, so Michael Milde vom Tiefbauamt. Für die auf der ­Ostseite wegfallenden 2000 Stellplätze ist immerhin ein Teilersatz geplant: Am Ostausgang des Hamburger Tunnels entstehen in Kürze doppelstöckige Ständer für 400 Räder.  

Kommentar zu den Fahrrädern am Hauptbahnhof

Schwer nachvollziehbar

Hat die Stadt vor der Fahrradflut am Hauptbahnhof kapituliert? Sicher, es wird einiges unternommen, um wahllos – und rücksichtslos – abgestellte Räder umzustellen oder sogar zu entfernen. Doch offenbar reicht das nicht aus. Dass der Bürgersteig an der Radstation seit Wochen mit Rädern zugestellt ist und Fußgänger auf die ­Taxen-Vorfahrt ausweichen müssen, ist schlicht und einfach nicht akzeptabel. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis es hier zu einem folgenschweren ­Unfall kommt.

Auf der anderen Seite fehlen Freiflächen, auf die Räder umgestellt werden können. Dass falsch geparkte Räder allerdings aus diesem Grund auch mal stehen bleiben, ist nur schwer nachvollziehbar. Rund 15.000 Räder werden im Jahr umgesetzt – aber nur ein Bruchteil wird in die städtische Fahrradfundstation gebracht. Falsch geparkte Räder – sofern rechtlich möglich – konsequenter „abzuräumen“, könnte ein Weg sein, deutlich mehr Luft im Bahnhofsviertel zu schaffen (-kal-)

 

Fotostrecke: Wie funktionieren die doppelstöckige Fahrradständer am Hauptbahnhof?

 

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