Protestaktion von angehenden Psychotherapeuten
200 Akademiker prangern geringe Ausbildungsvergütung an

Münster -

Schlechte Bezahlung, hohe Ausbildungskosten und trotzdem Vollzeitbelastung mit viel Verantwortung – Psychotherapeuten in Ausbildung protestierten am Samstagnachmittag in der Stubengasse in Münster gegen ihre Ausbildungssituation.

Sonntag, 29.10.2017, 10:10 Uhr

Protestaktion von angehenden Psychotherapeuten: 200 Akademiker prangern geringe Ausbildungsvergütung an
Foto: Maximilian von den Benken

Maria Klein-Schmeink , Bundestagsabgeordnete und Gesundheitsexpertin der Grünen, nahm an der Kundgebung der etwa 200 jungen Akademiker teil.

Den Protest hatten die Fachschaften der Münsteraner Ausbildungsinstitute APV, IPP und DVGT sowie die Psychologie-Fachschaft der WWU organisiert. Die drei- bis fünfjährige Ausbildung müssen Psychologie- und Pädagogik-Studenten noch nach dem Master absolvieren, um als Psychotherapeut arbeiten zu dürfen.

Eine bundesweite Umfrage, an der sich über 3000 Psychotherapeuten in Ausbildung beteiligten ergab, dass die Durchschnittsvergütung bei 639 Euro pro Monat liegt. 14 Prozent der Befragten gaben an, während der anderthalb Jahre der praktischen Tätigkeit keinerlei Vergütung zu erhalten, mehr als die Hälfte erhielt 500 Euro oder weniger – und das alles trotz akademischem Hochschulabschluss nach mindestens fünf Jahren vorherigem Studium. Teils müssen zusätzlich Ausbildungskosten selbst getragen werden, das sind dann etwa 300 Euro monatlich.

Demonstration von Psychologie- und Pädagogik-Studenten

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Daher sind mehr als zwei Drittel der Befragten auf die finanzielle Unterstützung der Eltern oder Verschuldung angewiesen. Eine 25-jährige Psychologie-Absolventin aus Münster wollte gerne Psychotherapeutin werden, doch die Ausbildung ist zu teuer. „Ich hatte die Wahl, mich entweder jetzt über Jahre mit dreißig- bis fünfzigtausend Euro zu verschulden oder direkt in einem anderen Bereich anfangen zu arbeiten.“ Die Wahl fiel trotz des großen Interesses für die Psychotherapie auf Letzteres, denn: „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und habe daher niemanden, der mir das auf einen Schlag bezahlen würde.“

Das Bündnis sammelte Unterschriften für eine Petition, um den Druck auf die Politik erhöhen. Maria Klein-Schmeink unterstützt die Forderungen und sagte mit Blick auf den Vergleich zu Ärzten: „Wir haben im Gesundheitswesen eine ganz große Spaltung zwischen sehr gut verdienenden und denen, die leiden.“ 

Eine Ausbildungsreform ist zwar bereits geplant und das Gesundheitsministerium hat bereits einen Gesetzesentwurf vorgestellt. Doch diese Mühlen mahlen langsam, daher fordern die Protestler eine Übergangsregelung für die nächsten Jahre.

„Die Kliniken verlassen sich darauf, dass die Psychotherapeuten in Ausbildung kommen und vollen Einsatz bringen“, betonte Mirjam Britsch, Institutssprecherin beim Ausbildungsinstitut APV in Münster. Während der gesetzlich vorgeschriebenen 1800 Stunden an praktischer Tätigkeit, meist in Versorgungskliniken der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, sei die Verantwortung für Patienten bereits enorm. Der Bedarf ist also groß. Daher fragte auch Klein-Schmeink: „Wie will man den Versorgungsbedarf der Zukunft stemmen, wenn mit den Leuten in der Ausbildung so schlecht umgegangen wird?“

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