Di., 14.11.2017

Hauptbahnhof Münster Stadt schreitet sonntags nicht gegen Fahrrad-Parkchaos ein

Kein Durchkommen für Fußgänger gab es am Sonntag zwischen Hauptbahnhof und Radstation.

Kein Durchkommen für Fußgänger gab es am Sonntag zwischen Hauptbahnhof und Radstation. Foto: kal

Münster - 

Am Sonntag herrschte ein regelrechtes Fahrrad-Parkchaos vor dem Hauptbahnhof. Doch die Stadt sah keinen Anlass einzuschreiten. Die Fluchtwege seien in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt gewesen.

Von Martin Kalitschke

Für Fußgänger gab es am Sonntag vor dem Hauptbahnhof kaum noch ein Durchkommen. Der Bereich zwischen Haupteingang und Radstation war von vormittags bis spätabends komplett durch abgestellte Drahtesel blockiert. Anders als in der Woche griff das Ordnungsamt nicht ein.

Ohne Berufspendler deutlich entspannter

Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, betonte am Montag Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. „An Wochenenden war und ist der Fahrradkontrolldienst nicht tätig“, so Heuer. Ausnahmen seien Sonderdienste, zum Beispiel bei Preußen-Heimspielen. An dieser Praxis werde man auch künftig nicht rütteln. „An Wochenenden ist die Nutzungssituation wegen der fehlenden Berufspendler deutlich entspannter als unter der Woche. Ein zusätzliches Einschreiten ist daher nicht vorgesehen.“

Heuer räumt ein, dass es sich beim Gehweg zwischen Bahnhofsgebäude und Taxenstand um einen Fluchtweg handelt. Doch dieser werde „nach den bisherigen Beobachtungen des Ordnungsamtes“ weder von geparkten Pkw noch von abgestellten Fahrrädern in seiner Funktion beeinträchtigt.

Fotostrecke: Wie funktionieren die doppelstöckige Fahrradständer am Hauptbahnhof?

Fahrräder dürfen auf Gehwegen stehen

Ein anderer Knackpunkt ist seit Monaten der Bürgersteig zwischen Taxivorfahrt und Radstation. Rund um die Uhr stehen hier Räder, die Zahl dürfte bei mehr als 200 liegen. Auch hier schreitet das Ordnungsamt nicht ein – nicht einmal an Wochentagen.

„Fahrräder dürfen grundsätzlich auf Gehwegen abgestellt werden“, betont der Dezernent. Da der Bürgersteig kein Fluchtweg sei und der Bedarf an Abstellplätzen sowie die Umsetzmöglichkeiten in der Umgebung begrenzt seien, werde aktuell nicht gegen die „behindernd abgestellten“ Räder vorgegangen. „Priorität bei der Räumung haben Flucht- und Rettungswege“, stellt Heuer klar. 

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Von Montag bis Freitag geht die Stadt gegen Falschparker vor dem Hauptbahnhof vor – weil die Räder Rettungs- und Fluchtwege blockieren. Samstags und sonntags sieht sie hingegen keinen Handlungsbedarf – obwohl die Räder an den gleichen Stellen stehen, an denen sie in der Woche abgeräumt werden. Sind Fluchtwege am Wochenende keine Fluchtwege? Die Begründung der Stadt, dass dann der Handlungsdruck wegen fehlender Pendler geringer sei, ist nicht nachvollziehbar. Sicher, es ist weniger los. Aber zu Stoßzeiten – zum Beispiel nach Ankunft eines vollen Zuges – kann sich das schnell ändern. Würde in einem solchen Moment eine Panik ausbrechen – die Flucht ins Freie fände im Radchaos ein dramatisches Ende. Die Stadt, so scheint es, spielt hier auf Risiko – sonst würde sie handeln. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Geht es womöglich darum, Geld für Wochenenddienste zu sparen oder die eigenen Mitarbeiter zu schonen?

Martin Kalitschke

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