Do., 16.11.2017

Schatz in XXL Uni Münster präsentiert Ägypten-Buch im XXL-Format

Eines der größten Bücher der Welt war die „Description“ zur Zeit ihrer Entstehung. Auch heute haben Prof. Erhart Graefe und Dr. Annik Wüthrich Mühe, es aufzuschlagen.

Eines der größten Bücher der Welt war die „Description“ zur Zeit ihrer Entstehung. Auch heute haben Prof. Erhart Graefe und Dr. Annik Wüthrich Mühe, es aufzuschlagen. Foto: Matthias Ahlke

Münster - 

Um die Seiten umzublättern, braucht es am besten zwei Personen: Die Universität Münster besitzt eine Beschreibung Ägyptens in einem seltenen Großformat. Nun präsentierte sie das Buch erstmals der Öffentlichkeit - und will so ein Rätsel lösen.

Von Lukas Speckmann

Napoleon ist an allem schuld. 1798 marschierte er in Ägypten ein, um die Engländer zu ärgern. Seine Soldaten verloren den Kampf, aber seine mitgereisten Wissenschaftler und Künstler leisteten ganze Arbeit: Sie erforschten, vermaßen und dokumentierten das sagenhafte Land – und veröffentlichten auf Befehl Seiner Majestät anno 1809 ein riesiges mehrbändiges Buch, das die moderne Ägyptologie begründen sollte: die „Description de l’Égypte“, die „Beschreibung Ägyptens“. Kein Bestseller, sondern ein überaus seltenes Staatsgeschenk für Diplomaten und Monarchen.

Fotostrecke: Ägyptenbuch im XXL-Format

Das Institut für Ägyptologie und Koptologie der Universität Münster besitzt eine vollständige Ausgabe der zweiten Auflage mit 29 Bänden. Dr. Annik Wüthrich hütet es wie ihren Augapfel: Sie kennt Exemplare in Paris und Kairo – aber sonst? „Das hat nicht jede Universität in ihrem Schrank“, sagt die Ägyptologin stolz.

Kein Wunder, denn ein passender Schrank ist auch nicht leicht zu finden: Ein großer Band misst aufgeschlagen 2,145 Quadratmeter und wiegt gefühlt so viel wie zwei Kisten Bier. Das Ganze hervorzuholen, ist jedes Mal ein Staatsakt, und geschieht fast nur noch zu Repräsentationszwecken. Schließlich liegt die ganze Pracht auch in günstigen Taschenbuch-Ausgaben vor und ist längst digitalisiert.

Die zahlreichen Ansichten ägyptischer Denkmäler und Landschaften sind atemberaubend, ebenso schön wie präzise. Viele dieser imposanten Bauwerke sind im 19. Jahrhundert zerstört wurden, so dass die Abbildungen einen letzten wichtigen Eindruck vermitteln. Kino-Blockbuster wie „Gods of Egypt“ bedienen sich dieser Ästhetik – aber wer diesen Film in den heiligen Hallen der Ägyptologen erwähnt, erntet sehr böse Blicke. „Asterix und Kleopatra“ kommt da schon viel besser an – die von Obelix demolierte Sphinxen-Nase ist in dem Prachtbuch von 1809 auch genau zu erkennen . .  .

Die Institutsleiterin Prof. Angelika Lohwasser erhielt in diesem Jahr den WWU-Forschungspreis – damit rückte der wohl größte Schatz der münsterischen Ägyptologen wieder ins Blickfeld. Denn er ist von einem Geheimnis umgeben: Seine Herkunft ist unbekannt. 

Das Exlibris des Vorbesitzers

Das Exlibris des Vorbesitzers Foto: Matthias Ahlke

1963 war die „Description“ aus dem Besitz einer Adelsfamilie erworben worden – doch deren Namen weiß man nicht mehr, weil die entsprechenden Akten beim Jahrhundertregen 2014 im Institutskeller sang- und klanglos untergegangen sind. Das Exlibris des Vorbesitzers, ein wappengeschmückter Doppeladler, ist noch erhalten. Prof. Erhart Graefe hofft, dass ihn jemand erkennt und dem Institut einen Hinweis gibt.

Der Kaufpreis betrug 1963 übrigens 17.000 Mark. Heute wäre die „Description“ wohl unbezahlbar.

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