Gymnasien werden einheitlich agieren
Flächendeckendes Comeback für G9 in Münster

Münster -

Offiziell ist es noch nicht, doch nach Informationen unserer Zeitung sieht es danach aus, als würden sich alle Schulen im Sommer zu einer Rückkehr zu G9 bekennen.

Donnerstag, 21.12.2017, 18:12 Uhr

Nicht nur das Geschwister-Scholl-Gymnasium, sondern alle Gymnasien Münsters wollen G9 wieder einführen.
Nicht nur das Geschwister-Scholl-Gymnasium, sondern alle Gymnasien Münsters wollen G9 wieder einführen. Foto: kaj

Alle gymnasialen Schulleitungen in Münster wollen nach Informationen unserer Zeitung zu G9 zurückkehren. Entsprechende Absichtserklärungen bestätigte Christian Schrand, Schulleiter des Hittorf-Gymnasiums und Sprecher der Bezirksdirektorenkonferenz, auf Nachfrage der Redaktion am Donnerstag.

Noch nichts Offizielles

Offiziell wird das Ganze allerdings frühestens Mitte des kommenden Jahres – aus zwei Gründen: Zum einen entscheiden nicht die Schulleitungen, sondern die Schulkonferenzen über eine Rückkehr zu G9, also Lehrer, Eltern und Schüler gemeinsam. In diesem Fall aber noch entscheidender: Das dazu passende Schulgesetz wird voraussichtlich erst im Sommer 2018 verabschiedet und tritt sogar erst 2019 in Kraft. Allerdings entfaltet es, so der Stand heute, eine sogenannte Vorwirkung, hätte also schon Gültigkeit für diejenigen, die 2018 auf das Gymnasium wechseln. Für die Schulen ergibt sich daraus ein formales Problem: „Wir können uns nur auf gültige Schulgesetze beziehen“, erklärt Christian Schrand den Sachverhalt, der die Schulen bislang daran hindert, sich zu G9 zu bekennen.

Es ist ihm daher wichtig zu betonen, dass Eltern aus den ausbleibenden offiziellen Bestätigungen der Schulen keine Unsicherheit ableiten sollen.

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Finanziell keine großen Probleme

Die Stadt Münster hat als Schulträger dabei übrigens vom Gesetzgeber nur in Ausnahmefällen Mitspracherecht eingeräumt bekommen, wie Stadtdirektor Thomas Paal klarstellt. Allzu sehr bedauern möchte Paal das allerdings nicht. Zwar räumt er ein, dass er es persönlich im Sinne der Vielfalt durchaus begrüßen würde, wenn ein Gymnasium in Münster G8 weiter anbieten würde. „Ich will aber vor allem gute und stabile Gymnasien“, so Paal, der durchaus Verständnis dafür hat, dass die Schulen darauf schauen, mit ihren jeweiligen pädagogischen Konzepten genügend Schüler anzuziehen.

Finanziell wird eine Umstellung auf G9 die Stadt vor keine großen Probleme stellen. Das Land, so Paal, habe bereits angekündigt, die finanziellen Mehrbelastungen durch erhöhten Raumbedarf durch ein sogenanntes Konnexitätsgesetz auszugleichen. 

Kommentar: Den Versuch nicht wert

Seit der Weimarer Republik gab es auf deutschem Boden drei Mal ein Abitur nach einer Regelzeit von zwölf Jahren – zu Zeiten des Nationalsozialismus sowie in den Folgejahren bis 1951, in der DDR und schließlich seit der Schulreform zu Beginn dieses Jahrtausends. Nun ließe sich natürlich schnell sagen, dass die damaligen Unrechtssysteme wohl kaum etwas mit der angesprochenen Schulreform zu tun hatten. Es ist nur so: Mit Blick auf das Abitur wäre das nicht ganz richtig. Denn die Regime sahen in der verkürzten Schulzeit einen Vorteil. Wohlgemerkt für den Staat, nicht für die Menschen. Und genau eine solche Überlegung lag auch der jüngsten gymnasialen Schulreform zugrunde. Weniger Schuljahre, das sollte einen schnelleren Eintritt in den Arbeitsmarkt bedeuten und gleichzeitig zur Entlastung der Rentensysteme führen. Nur leider wurde dabei der Mensch vergessen – beziehungsweise überhört, denn genügend Kritik an G8 gab es ja von Beginn an. Dieser Fehler wird jetzt – mal wieder – korrigiert. Hoffentlich das letzte Mal.

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