Mi., 03.01.2018

Facebook-Streit schlägt hohe Wellen Politik solidarisiert sich mit Fehr

Facebook-Streit schlägt hohe Wellen: Politik solidarisiert sich mit Fehr

Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster (l.), und AfD-Ratsherr Martin Schiller (r.). Foto: Screenshot, Ahlke, Kalitschke

Münster - 

Die Ratsfraktionen sind sich einig: Die Äußerungen Martin Schillers überschreiten eine Grenze. Der AfD-Ratsherr dagegen fühlt sich falsch verstanden, steht aber hinter seinen Äußerungen.

Von Björn Meyer

Der Facebook-Streit zwischen Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster, und dem AfD-Ratsherrn, Martin Schiller, schlägt politische Wellen. Dabei sind sich die Vertreter der übrigen Ratsfraktionen bei dem Thema offenbar weitgehend einig. Lediglich die beiden AfD-Ratsherrn Martin Schiller und Richard Mol haben eine gänzlich andere Sicht auf die Dinge.

Schiller hatte – mit dem Profil der AfD-Ratsgruppe – nach Fehrs Kritik bezüglich der Äußerungen von Beatrix von Storch und Alice Weidel (beide AfD), die bundesweit für Aufsehen sorgen, sich Fehr gegenüber unter anderem mit den Worten geäußert: „Wahrscheinlich genießen Sie den schleichenden Verfall eines Landes, welches Sie verachten!“

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Das sagen die Grünen:

„Es sind genau diese Aussagen, die am Anfang der Ausgrenzung jüdischer Menschen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts standen, die den Weg bereiteten“, äußert sich der grüne Ratsherr Carsten Peters, der die AfD als „eine rassistische, antisemitische und antidemokratische Partei, auch in Münster“, bezeichnet.

So äußert sich die FDP:

„Wir müssen den Anfängen wehren und uns in der Ratsarbeit offensiv mit dieser menschenverachtenden Politik der AfD auseinanderzusetzen und deren Absichten den Bürgern bewusst machen“, nimmt FDP-Ratsfraktionsvorsitzende Carola Möllemann-Appelhoff den Umgang mit der Thematik ins Visier.

Das sagt Martin Schiller von der AfD:

Kein Verständnis zeigt dagegen Martin Schiller für die Kritik der übrigen Fraktionen. Er sprach auf WN-Anfrage von einem um sich greifenden „Deutschland-Hass“, auch innerhalb einiger Parteien, der in einer Unfähigkeit resultiere, Dinge klar anzusprechen, statt sie zu verharmlosen. „Mir Antisemitismus vorzuwerfen ist eine billige Nummer. Ich habe Herrn Fehr als Bürger, nicht als Jude kritisiert“, so Schiller, der die Ursprungsäußerungen der beiden AfD-Politikerinnen von Storch und Weidel als „wahr“ bezeichnete.

AfD-Ratsherr Richard Mol verfasste zudem gestern einen langen Beitrag im Netz, in dem er seine Sicht der Dinge darlegte. Demnach sei das jüdische Leben in Deutschland von einem „muslimisch-arabischen Milieu“ bedroht. Insbesondere „von den jungen Männern, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind.“ Die AfD dagegen, so wendet er sich an Sharon Fehr, „ist ihr Freund“.

Weitere Äußerungen aus der Politik

Der CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Stefan Weber hat derweil einen Platz für Schillers Äußerungen ausgemacht: „Der Versuch, ehrbare Mitbürger zu beleidigen, gehört nicht in die Öffentlichkeit, sondern in den Müll.“ Wenig überrascht reagierte Rüdiger Sagel (Linke) auf die Äußerungen Schillers: „Man kennt diese Hasstiraden von Martin Schiller. Der antisemitische Unterton ist aus meiner Sicht völlig inakzeptabel.“

Für Dr. Michael Jung, Ratsfraktionsvorsitzender der SPD, zeigen „diese Entgleisungen klar, wes Geistes Kind die AfD ist.“

Und auch die ÖDP, die betont, der AfD im Rat nur räumlich nahe zu sein, zeigte sich am Mittwoch schockiert: „Die AfD verlässt den Grundkonsens unserer Gesellschaft. Sie verabschiedet sich von Werten wie der Achtung der Menschenwürde und dem Respekt gerade auch gegenüber Andersdenkenden“, äußert sich ÖDP-Kreisvorsitzender Michael Krapp.

Und Sharon Fehr?

Auch er habe die Äußerungen Schillers als antisemitisch zur Kenntnis genommen. Ihm, so sagte er gegenüber unserer Zeitung, werde sozusagen die deutsche Staatsbürgerschaft abgesprochen, indem man ihm unterstelle, dass er dieses Land hasse. Fehr zur Seite springt in diesem Kontext Stephan Orth (Grüne): „Sharon Fehr ist ein verdienter Bürger unserer weltoffenen Stadt. Nicht ohne Grund wurde er 2003 für seinen vorbildlichen bürgerschaftlichen Einsatz mit der Münster-Nadel geehrt.“


Der Facebook-Streit

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