25 Eintritte in wenigen Tagen
SPD-Parteineulinge gegen GroKo

Münster -

Seit dem SPD-Parteitag hat es auch bei den münsterischen Sozialdemokraten Parteieintritte gegeben. Die meisten Neulinge eint die Ablehnung einer Großen Koalition.

Montag, 29.01.2018, 11:01 Uhr

Neue Genossinnen: Mareike Bahrens (l.) und Paula Aguilar-Sievers sind nach dem Bundesparteitag in die SPD eingetreten. Insgesamt hat die SPD in Münster rund 1900 Mitglieder.
Neue Genossinnen: Mareike Bahrens (l.) und Paula Aguilar-Sievers sind nach dem Bundesparteitag in die SPD eingetreten. Insgesamt hat die SPD in Münster rund 1900 Mitglieder. Foto: Meyer

Der Bundesparteitag der SPD wirkt nach – auch in Münster. „Seitdem haben wir allein 25 Parteieintritte“, bilanzierte die hiesige SPD-Geschäftsführerin Katharina Biegi bereits am vergangenen Donnerstagmorgen die für die Sozialdemokraten erfreuliche Entwicklung. Es ist ein Phänomen, das derzeit deutschlandweit auftritt und ganz offenbar eng mit der Aussicht auf eine große Koalition verbunden ist.

Unter den Neuanmeldungen befinden sich auch die von Paula Aguilar-Sievers und Mareike Behrens. Die beiden 19-jährigen Jurastudentinnen kennen sich von der Juso-Hochschulgruppe, fassten aber nach dem Bundesparteitag unabhängig voneinander die Entscheidung, in die SPD einzutreten. Schon in jüngerer Vergangenheit hatten beide mit dem Gedanken an einen Parteieintritt gespielt, aber erst das Ergebnis aus Bonn habe ihr gezeigt, dass es an der Zeit sei, über die Zukunft der SPD mitzubestimmen, sagt Aguilar-Sievers. „Ich war schon in den vergangenen Jahren mit der großen Koalition nicht zufrieden“, macht sie klar und schiebt nach: „Jetzt sind alle gemeinsamen Themen zwischen CDU und SPD aufgebraucht.“ Alles, was folge, sei nur ein „weiter so“. „Ich aber wünsche mir, dass die SPD wieder eine mehr linksgerichtete Volkspartei wird.“

Dass die Koalitionsverhandlungen mit der Union ein Ergebnis bringen werden, das sie zufriedenstellt, glauben die beiden Studentinnen eher nicht. „Besonders wichtig wäre mir der Bereich Krankenversicherung“, sagt Mareike Behrens.

Für Paula Aguilar-Sievers ist es eher das Gesamtpaket, das letztlich überzeugen müsse. Doch auch wenn die beiden genau schauen werden, was nach den Verhandlungen für ein Resultat steht, beide bereiten sich für die Mitgliederbefragung auf ein „Nein“ zur Groko vor.

Anders sieht das Dr. Michael Tremmel . Auch der 57-Jährige ist neu in die Partei eingetreten, auch er bezeichnet sich nicht als Freund einer großen Koalition, die auf lange Sicht einer Demokratie schade. Dennoch hofft Tremmel, dass Union und SPD sich auf eine gemeinsame Regierung einigen. „Die Konstellation ist einfach so, dass wir nur so eine stabile Regierung bekommen“, sagt Tremmel. Dabei habe er sich eigentlich Rot-Grün gewünscht und auch Jamaika hätte er interessant gefunden: „Aber so ist es halt nicht.“

Tremmel macht sich Sorgen ob der politischen Entwicklung in In- und Ausland. Die Lage heute sei eine, wie man sie vor 20 Jahren kaum für möglich gehalten habe, befindet der Theologe und Sozialarbeiter. Weltpolitisch einerseits, aber auch, „dass der rechte Rand sich parteipolitisch so positionieren kann“ – all das bedürfe einer stabilen Situation in Deutschland. Dabei kommt er für ein SPD-Mitglied zu dem eher überraschenden Schluss: „Die Persönlichkeit der Politikerin Angela Merkel war durchaus auch ein Segen für die Innen-, vor allem aber für die Weltpolitik.“

Das Positive am politischen Konkurrenten zu formulieren, das falle leider vielen schwer, findet Tremmel und mahnt: „Die Sprache ist verroht, gerade in den Wahlkämpfen. Da fragt man sich schon, wie die sich überhaupt an einen Tisch setzen können.“ Daher gibt Tremmel der Politik, egal in welcher Koalition, mit auf den Weg: „Das gegenseitige Schlechtreden muss aufhören“.

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