Tier-Gebiss
Überraschung: Präparierter Wolf hat Elfenbein im Maul

Münster -

Ein echter Wolf beim Zahnarzt ist bereits kurios. Noch besser aber ist der Befund: Statt Wolfszähnen hatte das untersuchte Münsteraner Museumstier Elfenbein im Gebiss.

Mittwoch, 14.02.2018, 05:02 Uhr

Eine Untersuchung ergab, dass ein präparierter Wolf Zähne eines Elfenbeins besaß.
Eine Untersuchung ergab, dass ein präparierter Wolf Zähne eines Elfenbeins besaß. Foto: Christoph Steinweg/LWL/dpa

Kommt ein ausgestopfter Wolf zum Zahnarzt ... Was klingt wie ein schlechter Scherz, hat sich genauso zugetragen. Die Geschichte endete mit einer Überraschung: Im Maul trägt Isegrim anstatt echter Wolfszähne echte Elfenbein-Beißer. Niemand weiß, warum und wann dem präparierten Raubtier ein Zahnersatz verpasst wurde. Doch der Reihe nach.

Alina von Thaden ist Biowissenschaftlerin am Senckenberg-Institut in Frankfurt. Im Rahmen ihrer Dissertation will sie herausfinden, ob der berühmte „letzte Wolf Westfalens“, der 1835 bei Ascheberg geschossen wurde und als ausgestopftes Exemplar im LWL-Naturkundemuseum in Münster wieder ein Revier hat, mit den just in NRW neu eingewanderten Tieren verwandt ist. Darum bat sie um eine DNA-Probe vom alten Räuber.

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Ganze Gebiss unecht

Museumschef Dr. Jan Ole Kriegs stimmte zu. Nun ist es nicht ganz einfach, von ei­nem über 180 Jahre alten Tier genetisches Material zu extrahieren. Ein erster Versuch mit Haut und Haaren schlugen fehl. Also brachten er und die wissenschaftliche Referentin des Museums, Lisa Klepfer, den Ascheberger Isegrim kurzerhand in die Praxis des münsterischen Zahnarztes Dr. Jörg Hense. „In Zahnnerven bleibt DNA-Material in der Regel unversehrt, da es durch den Zahn gut geschützt ist“, sagte Klepfer auf Nachfrage.

Hense zog zuerst einen Fangzahn – und wunderte sich. Der Zahn in der Zange wirkte seltsam verknöchert und ohne jeden Nervenkanal. Beim zweiten Versuch war ein Eckzahn an der Reihe.

Die Untersuchung im Labor des Senckenberg-Instituts förderte das Ergebnis zutage: Der Wolf hat Zähne aus Elfenbein. „Zu 100 Prozent“, so der Befund. „Dass ein Zahn aus Holz besteht, wussten wir“, sagte Klepfer. Dass aber das ganze Gebiss unecht ist, war eine echte Überraschung.“

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Fußballen sind letzte Hoffnung

Die damaligen Präparatoren hatten künstliche, aber täuschend echt aussehende Wolfszähne aus dem Elfenbein eines Elefanten-Stoßzahns geschnitzt. „Diese wurden dann dem Präparat eingesetzt“, erklärte Kriegs.

Im Museum war niemandem aufgefallen, dass der Wolf ein Ersatzgebiss trägt. Was natürlich auch daran liegt, dass sich in Jahrzehnten, die er nun schon in Münster ist, niemand sonderlich für seine Zähne interessiert hat. „Nach dem ersten Schock“, sagte Kriegs weiter, „haben wir herzlich gelacht“.

Mit Blick auf Von Thadens Forschung ist jetzt guter Rat teuer. Die Wolfs-Fußballen sind ihre letzte Hoffnung. Möglicherweise verbirgt sich dort noch verwendbares DNA-Material, das Aufschluss über die verwandtschaftlichen Beziehungen der alten und neuen Westfalen-Wölfe gibt.

Der „letzte Wolf Westfalens“
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In Herbern erinnert eine Steintafel an den letzten Wolf. Foto: di

Der angeblich letzte Wolf Westfalens wurde am 19. Januar 1835 vom Gastwirt Joseph Hennemann in Ascheberg-Herbern erlegt. Im Winter war das Tier mehrere Wochen lang durch die Wälder gestrichen. Dementsprechend beunruhigt war die Bevölkerung. Der Wolf war ein Einzeltier, bereits Ende des 17. Jahrhunderts war der Wolf weitgehend aus dem Münsterland verschwunden. Der Schütze schenkte den Kadaver dem zoologischen Museum in Münster. Ob es sich bei dem Wolf in Herbern tatsächlich um das letzte in Westfalen erlegte Exemplar handelte, wird angezweifelt. Dr. Bernd Tenbergen vom LWL-Naturkundemuseum berichtet davon, dass der wirklich letzte westfälische Wolf 1839 in Kirle bei Schüllar erlegt worden sein soll. Wolfssichtungen gab es auch noch einige Jahre später im Waldgebiet der Davert und bei Seppenrade.

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