Botanischer Garten
Samen aus Münster in alle Welt geliefert

Münster -

Das System ist ebenso einfach wie brillant. Botanische Gärten tauschen sich in ihren Samen- und Saatgutbeständen aus und sorgen so dafür, dass überall auf der Welt Pflanzen aus unterschiedlichen Teilen des Erdballs zu sehen sind. Welche Samen aus Münster besonders gefragt sind:

Donnerstag, 15.02.2018, 18:02 Uhr

Einige Samenlieferungen sowie einen Samenkatalog aus dem 19. Jahrhundert halten (v.l.) Sabine Diekmann, Dennise Stefan Bauer und Matthias Evels in ihren Händen.
Einige Samenlieferungen sowie einen Samenkatalog aus dem 19. Jahrhundert halten (v.l.) Sabine Diekmann, Dennise Stefan Bauer und Matthias Evels in ihren Händen. Foto: Björn Meyer

Zu Beginn eines Jahres müssen in vielen Haushalten eher unangenehme Postsendungen geöffnet werden. Beim Botanischen Garten der Universität Münster dagegen kommen zu dieser Zeit vermehrt Lieferungen an, die mit Spannung erwartet werden. Dabei befindet sich darin auf den ersten Blick erst einmal Unscheinbares. Bei genauerem Hinsehen aber bergen die kleinen Päckchen Spektakuläres aus aller Welt, denn viele Botanische Gärten, angeschlossen an das sogenannte Ipen-Netzwerk, tauschen in jedem Jahr Samen und Sporen, um ihren Besuchern Pflanzen aus aller Welt zu Zeigen.

Und obwohl jährlich wohl Hundertausende solcher Lieferungen verschickt werden, hat alles seine Ordnung. Jede Pflanze und damit auch jeder Samen hat seine eigene Nummer, an der Geschichte und Herkunft erkennbar sind. „So lässt sich genau sehen, welchen Weg die Pflanze genommen hat“, verrät Dennise Stefan Bauer, wissenschaftlicher Leiter im Botanischen Garten der WWU.

711 verschiedene Samen bietet der Botanische Garten in diesem Jahr, mittels eines eigens erstellten Katalogs, anderen Einrichtungen an. Wichtig dabei: Die Samen sind weder für den Privatgebrauch noch für kommerzielle Zwecke zu haben.

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1000 Lieferungen in alle Welt

Im vergangenen Jahr versendete die Einrichtung in Münster rund 1000 Lieferungen in alle Welt – und bestellte selber sogar noch mehrt. „Im vergangenen Jahr war es etwas mehr“, sagt Gärtnermeister Matthias Evels , im Botanischen Garten zuständig für den sogenannten Freilandbereich, fast entschuldigend. Jede angekommene Lieferung ist derweil eine Überraschung, denn man wisse nie, wie viel Samen man letztlich bekomme: „Das hängt von den Vorräten ab, die der jeweilige Garten zu Verfügung ab und wie viele andere Gärten dort auch bestellen“, erklärt Evels.

Aus Münster werden übrigens vor allem Pelargonien bestellt. Kein Zufall, verfügt der hiesige Botanische Garten doch über die größte europäische Sammlung an Wild-Pelargonien.

Pelargonien im Botanischen Garten

Pelargonien im Botanischen Garten Foto: Matthias Ahlke (Archiv)

Geheime Sammelorte in der Stadt

Die in den Katalogen der Gärten angebotenen Samen stammen allerdings nicht nur von Pflanzen der Gärten, sondern auch aus der freien Natur. „Wir fahren raus und sammeln“, umreißt Evels einen Teil seiner Arbeit. Wohin konkret, dass möchte er jedoch lieber nicht verraten.

Flächen, die längere Zeit brach liegen, etwa alte Industriegelände, eignen sich besonders gut.

Gärtnermeister Matthias Evels

Aus zwei Gründen: Zum einen bestehe dann die Gefahr, dass Quellen dann durch zu viel Publikumsverkehr versiegen könnten, wie Bauer erklärt, zum anderen handele es sich häufig auch um immer wieder neue Gebiete. „Flächen, die längere Zeit brach liegen, etwa alte Industriegelände, eignen sich besonders gut“, verrät Evels.

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Großer Bogen um invasive Arten

Allerdings ist der Kontakt nicht zu jedem Botanischen Garten gleich gut. Gerade aus diesem Grund will Bauer die Beziehungen zu Südamerika ausweiten, immerhin gebe es dort viele interessante und für europäische Augen exotische Pflanzen.

Doch so groß das Angebot auch ist, alle möglichen Pflanzen sollten nicht gleich geordert werden. Vor allem um invasive Arten, also jene, die einheimische Pflanzen verdrängen, macht der Botanische Garten einen großen Bogen. Daher müssen Besucher auch fortan auf Exemplare von Herkulesstaude oder Japanknöterich verzichten.

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