Ein Monat nach „Friederike“
Das große Aufräumen geht weiter

Münster -

Ein Monat, nachdem Orkan Friederike über Münster hinwegtobte, sind längst noch nicht alle Schäden beseitigt. In den Wäldern droht immer noch Gefahr durch herabstürzende Äste.

Dienstag, 20.02.2018, 19:02 Uhr

Ein Monat nach „Friederike“: Das große Aufräumen geht weiter
Vorher – nachher:  Das stark beschädigte Bahngebäude auf dem Gelände des Hauptbahnhofes (oben) ist wieder repariert. Der umgestürzte Baum am Pfarrheim der Antoniuskirche ist weggeräumt, die Reparatur ist noch im Gange. Foto: Matthias Ahlke

Das mittlerweile trockene Wetter ist ein Beschleuniger für die vordringliche Mission des Grünflächenamtes. Orkan Friederike tobte vor vier Wochen durch die Stadt, seine Folgen werden die Mitarbeiter voraussichtlich noch  eine Weile beschäftigen. 200 der 400 umgestürzten oder stark beschädigten Stadtbäume in Parks, an Straßen und auf Plätzen sind mittlerweile weggeräumt, erklärt Franz-Josef Gövert vom Grünflächenamt.

Stadtförster: Friederike nicht mit Kyrill zu vergleichen

Die Bäume die in den städtischen Wäldern an der Dyckburg, der Haskenau, der Hohen Ward oder der Alvingheide von Friederike entwurzelt wurden, kann Stadtförster Menke nicht zählen. „Wir rechnen mit 1500 Festmetern Holz aus unseren Wäldern“, sagt Menke. Diese Zahl macht für ihn deutlich: Friederike war ein Ausnahmesturm, aber zumindest in seiner Wirkung in Münster nicht zu vergleichen mit Orkan Kyrill, der auf den Tag genau zehn Jahre zuvor über Deutschland hinwegzog. „Damals haben wir die zehnfache Menge an Holz aus Parks und Wäldern geholt, sagt Menke. Einzelne Böen von Friederike aber hatten es in sich, sie waren vermutlich stärker als Windstärke zwölf“, glaubt Gövert, „denn es stürzten einzelne Bäume um, die zuvor völlig gesund waren.“

Der Tag nach Sturm „Friederike“ in Münster

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  • Am Tag nach Sturmtief „Friederike“ werden in Münster viele Schäden beseitigt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Glück im Unglück hatte die Martin-Luther-Schule im Kreuzviertel.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine Kastanie vor der Schule ist auf das Schulgebäude gestürzt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der 25 Meter hohe Baum kippte auf das Schulgebäude, durchschlug ein Fenster und beschädigte das Dach.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Schulleiterin Marion Schmitz-Matschke sprach von einer „glücklichen Fügung, dass niemand verletzt wurde.“

    Foto: Matthias Ahlke
  • „Alle Kinder waren zu dieser Zeit im offenen Ganztag im Parterre“, berichtet die Schulleiterin.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Hauptbahnhof kümmerten sich Arbeiter am Freitag um das heruntergerissene Dach eines Bahngebäudes.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Bahn setzte einen Arbeitszug ein.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Wegen der Aufräumarbeiten...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...wurde die Hafenstraße im Bereich der Bahnunterführung gesperrt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Sperrung führte den ganzen Tag...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...zu erheblichen Behinderungen im Verkehr.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Bremer Straße wurde zum Nadelöhr, es entstanden lange Staus.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Hauptbahnhof fielen am Freitag...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...noch viele Züge aus.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Hauptbahnhof mussten sich viele Reisende nach Alternativen umsehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch der Pendelverkehr ins Münsterland war am Morgen stark eingeschränkt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch der Busverkehr war am Freitag noch eingeschränkt. Am Morgen kam es zu erheblichen Verspätungen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Für die Strecke nach Rheine wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

    Foto: Matthias Ahlke
  • An der Von-Steuben-Straße warteten Dutzende auf die Ersatzbusse.

    Foto: Matthias Ahlke

Weiterhin Gefahr in Wäldern

Die alte Buche im Park Sentmaring, ein Naturdenkmal, gehörte nicht dazu. Ihr bereits geschädigter Stamm wurde von Böen regelrecht gespalten, Dennoch gibt es für den Baum und alle die ihn lieben, gute Nachrichten. Die Stadt sichert die Krone mit Stahlseilen und Gewindestangen. Sie sollen dem Stamm für die nächsten Jahre „vielleicht gar für Jahrzehnte“, so Gövert, Stabilität geben.

Noch immer melden sich täglich Münsteraner beim Grünflächenamt, die auf Bruchstellen in Baumkronen aufmerksam machen. „Wir gehen jedem Hinweis nach, und wenn Gefahr im Verzug ist, schreiten wir ein“, sagt Gövert. Stadtförster Menke warnt unterdessen weiter davor, die Wälder zu betreten. Am Dienstag kreischten die Motorsägen im Dyckburgwald, dennoch besteht auch hier immer noch die Gefahr, dass Äste herabstürzen. Der Schlossgarten, den die Universität bewirtschaftet, ist unterdessen seit Montag wieder offiziell geöffnet. Auch hier wirbelte Friederike mehrere große Bäume um, eine Buche stürzte auf ein geparktes Auto.

Gewalt des Sturms

Die Schäden an Gebäuden in der Stadt werden nach und nach repariert. Dem Gebäude auf dem Bahnhofsgelände, dessen Dach fast komplett auf die Gleise der Überführung Hafenstraße geweht worden war, und Münster tagelang vom Zugverkehr abkoppelte, sieht man nicht mehr an, was vor vier Wochen geschah. Am Pfarrheim der Antoniuskirche, auf das eine dicker Baum stürzte, steht ein Gerüst. Das große Loch im Dach kündet zudem von der Gewalt des Sturms.

Zehntausende Schadensmeldungen bei Versicherungen

Für die Provinzial-Versicherung gibt es keinen Zweifel: Friederike war nach Kyrill der zweitheftigste Orkan überhaupt.  „Zwei Jahrhundertstürme in einem Jahrzehnt“, sagt eine Sprecherin des in Münster ansässigen Versicherungskonzerns. 30 400 Schäden wurden der Provinzial nach Friederike allein im Münsterland gemeldet, rund 40 Millionen Euro zahlte die Versicherung dafür aus. Die Versicherten des in Münster ansässigen LVM meldeten 61 200 Schäden, 72,5 Mio. Euro hat bisher der Ausgleich gekostet. Noch immer laufen bei den Versicherungen Schadensmeldungen ein.

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Orkan "Friederike" in Münster

 

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