Rückkehr zu G9
Schulen sehen jetzt klarer

Münster -

Die Gymnasien kehren zu der neunjährigen Schulzeit zurück. Christian Schrand, Leiter des Hittorf-Gymnasiums und Sprecher der Gymnasialleiter in Münster sieht Veränderungen auf die Schulen zukommen.

Mittwoch, 07.03.2018, 20:03 Uhr

An den Gymnasien gehen die Kinder bald wieder neun Jahre zur Schule. Christian Schrand (kleines Bild) ist Schulleiter des Hittorf-Gymnasiums und Sprecher der städtischen Gymnasien in Münster.
An den Gymnasien gehen die Kinder bald wieder neun Jahre zur Schule. Christian Schrand (kleines Bild) ist Schulleiter des Hittorf-Gymnasiums und Sprecher der städtischen Gymnasien in Münster. Foto: dpa

Es steht schon seit einigen Monaten fest, dass die Fünftklässler des kommenden Jahrgangs wieder neun Jahre bis zum Abitur das Gymnasium besuchen werden. Über die Realisierung der Rückkehr zu G 9 herrschte großes Rätselraten. Nun hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer ihre Pläne zur Umsetzung der Schulreform vorgestellt. Unsere Redakteurin Karin Völker sprach mit Christian Schrand, Schulleiter des Hittorf-Gymnasiums und Sprecher der Gymnasialschulleiter in Münster, darüber, wie in Münster die Rückkehr zu G 9 gestaltet werden kann.

Alle münsterischen Gymnasien werden nach derzeitigem Stand das Abitur nach neun Jahren anbieten. Wissen Sie und Ihre Kollegen jetzt, was auf Sie zukommt?

Schrand: Wir sehen jetzt etwas klarer, es sind aber weiter viele Details offen. Gut zu wissen ist, dass die zweite Fremdsprache in der siebten Klasse einsetzen soll. Das ist sehr wichtig für die Organisation der Unterrichtspläne.

Die Gymnasien werden um einen Jahrgang erweitert. Bekommen sie nun Platzprobleme?

Schrand: Natürlich wird es an jeder Schule enger, wenn ein ganzer Jahrgang hinzukommt. Auch wenn die meisten Schulen in ihrer jetzigen Zügigkeit schon im alten G 9-System unterrichteten, haben sich die Anforderungen geändert – beispielsweise durch die Nutzung von einstigen Klassenräumen als Computerräume oder Räume für die Übermittag-Betreuung. Gemeinsam mit dem Schulträger werden jetzt konkrete Gespräche über die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Schulen geführt werden müssen.

Viele Gymnasien haben wegen der auf acht Jahre komprimierten Unterrichtszeit Nachmittagsunterricht eingeführt. Wird es jetzt wieder eine Rückkehr zum reinen Vormittagsprogramm geben?

Schrand: Das kann ich mir nicht vorstellen. Abgesehen davon, dass die vorgeschriebenen Unterrichtsstunden jetzt möglicherweise nicht mehr zwingend in den Nachmittag gelegt werden müssen, halte ich es für eine gesellschaftliche Entwicklung, dass die Kinder länger in den Schulen sind. Übermittagbetreuung, Mittagessen und auch Nachmittagsprogramm sind durch die Rückkehr zu G 9 sicher keine verlorene Liebesmüh gewesen und werden bestimmt nicht überflüssig.

Sind Sie persönlich eigentlich froh über die Rückkehr zu G 9?

Schrand: Ich halte es zunächst für sehr positiv, dass mit der Entscheidung nun Druck aus der doch mitunter aufgeheizten Debatte um die Schulzeit herausgenommen wird. Und die Entscheidung gibt uns Gelegenheit zur Entschleunigung. Das ist gut. Wir können uns wieder stärker um die individuelle persönliche Entwicklung unserer Schüler kümmern, und die Jugendlichen haben mehr Zeit dafür.

Manche Pädagogen kritisieren, dass nun durch eine neue Umwälzung wieder Unruhe an den Schulen entsteht. Hatte sich G 8 nicht mittlerweile gut eingespielt?

Schrand: Ich meine schon, dass wir hier in Münster das G 8-Modell so optimiert hatten, dass es – das kann ich zumindest für unsere Schule sagen – praktikabel war. Aber insgesamt, bei der Debatte landes- und bundesweit, wurde ja doch deutlich, dass es Unzufriedenheit gab. Ein Zeichen dafür war ja auch der Start einer Volksinitiative in NRW für die Rückkehr zu G 9. Natürlich bringt der neuerliche Wechsel wieder Arbeit, aber wir hoffen, dass sie sich lohnt – und die jetzt beschlossene Regel länger Bestand hat.

Wird es an den Gymnasien Gelegenheit für besonders begabte Schüler geben, das Abitur weiter in acht Jahren zu machen?

Schrand: Dafür können die Gymnasien nun individuell Pläne entwickeln. Solche Modelle gab es an vielen Schulen, auch an unserem Gymnasium, ja auch schon vor der Umstellung zu G8. Wenn ein Gymnasium aber grundsätzlich bei der achtjährigen Schulzeit bleiben will, müsste dazu ein expliziter Beschluss der Schulkonferenz herbeigeführt werden. Nach meinem Kenntnisstand will kein städtisches Gymnasium bei G 8 bleiben.

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