Vier Studenten aus Münster sind „Shoreline“
Punkrock mit weitem Horizont

Münster -

Sie spielen auf eigene Kosten in zahlreichen Ländern Europas, einfach, weil es ihnen „Bock macht“. Ihr Metier ist Punkrock – aber das erzählen sie nicht jedem.

Donnerstag, 08.03.2018, 10:03 Uhr

Die Punkrock-Band Shoreline aus Münster bilden (v.l.) Julius Hecht, Hansol Seung, Tobias Withölter und Martin Reckfort.
Die Punkrock-Band Shoreline aus Münster bilden (v.l.) Julius Hecht, Hansol Seung, Tobias Withölter und Martin Reckfort.

Punk war bei seinem Entstehen in der 1970er-Jahren das Synonym für Rebellion, Unangepasstheit und die Einstellung, dass einem eigentlich alles völlig egal ist. Freiheit bedeutete das trotzdem nicht, denn wer Punkmusik spielte, von dem wurde diese Weltanschauung auch rund um die Uhr erwartet.

Heute sitzen Sänger Hansol Seung (21), Gitarrist Julius Hecht (22), Bassist Tobias Wiethölter (22) und Schlagzeuger Martin Reckfort (22) beim Pressetermin mit unserer Zeitung in der Baracke an der Scharnhorststraße. Die vier jungen Männer, allesamt Studenten, von Medizin bis Kommunikationswissenschaften, bilden zusammen die Band „Shoreline“. Sie spielen Punkrock, allerdings würde man das weder auf den ersten Blick sehen, noch erzählen sie das jedem.

„Wenn meine Verwandten fragen, dann ist das schon mal schwierig, dann sage ich meist, ich spiele in einer Rockband“, sagt Tobias Wiethölter und schmunzelt. Einfach, weil er keine Lust habe, mit den gängigen Klischees konfrontiert zu werden. Denn die treffen auf die vier Musiker aus Münster einfach nicht zu.

Vier engagierte, junge Männer, die bei ihren Merchandise-Artikeln auf Umweltverträglichkeit achten und während ihrer Konzerte Flyer von NGOs auslegen. Einige Bandmitglieder trinken nicht mal Alkohol. „Es gibt da vielleicht eine Diskrepanz zwischen Straßenpunk und der Musik, die wir machen“, konkretisiert Hansol Seung mit einem Lächeln. Denn klar ist, der Shoreline-Sound steht nicht in der Tradition deutscher Punkbands, sondern erinnert eher an den Klang amerikanischer Gruppen wie Bad Religion oder Anti-Flag.

Der Sänger kümmert sich bei Shoreline um das Booking, also darum, wo und wann Auftritte gespielt werden können. Und die haben die Band in der Vergangenheit schon ganz schön rumgebracht. Mit der Releaseparty ihrer EP Mitte Februar im Gleis startete zudem eine weitere Tour, die das Quartett neben Deutschland unter anderem auch zu Auftritten, in die Schweiz, Österreich, Kroatien, Slowenien, Tschechien und nach Belgien führt.

Wie sie das bewerkstelligen? „Im Auto von Martins Eltern“, schallt es fast gleichzeitig aus verschiedenen Kehlen. Ob die das so einfach mitmachen? „Die sind mittlerweile dran gewöhnt“, schmunzelt Schlagzeuger Martin Reckfort. Zudem werde die elterliche Scheune, Reckfort kommt von einem Hof in Nordwalde, als Proberaum genutzt.

Geld verdient die Band mit ihrer Tour wohl nicht. „Wir planen mit Null rauszugehen“, sagt Seung. Doch die Musiker legen ihren Fokus auf das Positive: „Wir sehen was von der Welt“, sagt Tobias Wiethölter.

Dabei bringt die rund einmonatige Tour auch Probleme mit sich, nicht nur, weil Sänger Seung von seiner Freundin vermisst wird. „Julius und ich blödeln viel rum, das kann den anderen auch schon mal auf den Keks gehen“, sagt Bassist Wiethölter.

Wenngleich sich die Probleme in Grenzen halten. „Mein alter Drum-Teppich sorgt schon mal für Diskussionen. Aber da lasse ich nicht mit mir reden, der muss mit“, besteht Reckfort auf das Unikat.

Doch auch abseits der kleinen Problemchen sei das Leben auf Tour kein Zuckerschlecken. „Das bedeutet nicht jeden Abend Party. Man fährt bis zu sieben Stunden Auto, baut auf, schleppt schwere Sachen und eventuell legt man sogar schließlich sogar noch Geld drauf“, fasst Seung zusammen. Spaß macht es den vier Jungs trotzdem – Punk ist eben nicht tot, er ist nur anders.

Das kann den anderen schon mal auf den Keks gehen.

Tobias Wiethölter
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