Verkehrspolitik
ADFC fordert: Weniger Autos auf Fahrradstraßen

Münster -

In Münster sollen alle Fahrradstraßen rot eingefärbt werden, um Autofahrer an die (Vor-)Rechte der Zweiräder auf diesen Straßen zu erinnern. Gut, findet der ADFC, aber nicht genug.

Donnerstag, 08.03.2018, 18:03 Uhr

Die Fahrradstraßen in Münster sollen für fast sechs Millionen Euro rot eingefärbt werden.
Die Fahrradstraßen in Münster sollen für fast sechs Millionen Euro rot eingefärbt werden. Foto: Grottendieck

Der ADFC Münsterland begrüßt die Roteinfärbung der Fahrradstraßen in Münster. Aber sie darf nicht die einzige Maßnahme sein, damit Fahrradstraßen zukünftig ihrer Aufgabe gerecht werden, betont der Allgemeine Deutsche Fahrradclub in einer Pressemitteilung.

Fahrradstraßen seien ein komplexes Thema. Vielen Menschen seien die Regeln auf den Fahrradstraßen nicht bewusst.

Regeln auf Fahrradstraßen

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  • Was ist denn eine Fahrradstraße? Mit diesem Schild können viele Verkehrsteilnehmer wenig anfangen. 1997 wurden durch die sogenannte Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrsordnung die Regeln für Fahrradstraßen festgelegt:

    Foto: dpa
  • Als Fahrradstraßen werden Straßen bezeichnet, die vorrangig für den Radverkehr vorgesehen sind.  Sie sollen Vorteile gegenüber dem Kfz-Verkehr schaffen und so auch zu mehr Sicherheit für Radfahrer führen.

    Foto: Jan Hullmann
  • In Deutschland ist die Nutzung einer solchen Fahrradstraße dem Radverkehr vorbehalten. Radfahrer dürfen hier auch nebeneinander fahren.

    Foto: Michael Grottendieck
  • Soll die Straße auch durch andere Fahrzeuge befahren werden, muss dies durch Zusatzzeichen ausgeschildert sein. So kann zum Beispiel der Autoverkehr für Anlieger oder nur in eine Richtung erlaubt sein.

    Foto: Jan Hullmann
  • Radfahrer haben auf einer Fahrradstraße Vorrang vor Autos und anderen Fahrzeugen, welche diese Straße benutzen. Doch dies bedeutet nicht, dass Fahrradfahrer auch an Kreuzungen Vorfahrt haben, hier gilt – sofern nichts anderes ausgeschildert wurde – „rechts vor links“.

    Foto: Jan Hullmann
  • Andere Kraftfahrer müssen sich auf der Fahrradstraße dem Radverkehr anpassen, sodass ein Behinderung oder Gefährdung der Radfahrer vermieden wird. Das gilt insbesondere auch für Überholvorgänge. Dabei muss ein ausreichender Seitenabstand - laut Rechtsprechung mindestens  1,5 Meter - eingehalten werden.

    Foto: Tobias Denne (Archiv)
  • Auf einer Fahrradstraße muss die Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen  immer angepasst sein. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Fahrradstraßen beträgt darüber hinaus immer 30 km/h. Darauf weist auch dieses Schild am Lindberghweg in Münster hin.

    Foto: Stadt Münster (Archiv)
  • Zu den zwölf bestehenden Fahrradstraßen in Münster sollen noch zehn weitere hinzukommen.

    Foto: Martin Kalitschke, Grafik: Jürgen Christ

Fahrradstraßen sollen laut ADFC ausschließlich Radfahrern und nicht dem Autoverkehr zur Verfügung stehen – auch nicht zum Parken. Der Fahrradclub empfiehlt deshalb: Besser jährlich weniger Fahrradstraßen rot einfärben, dafür aber mit einem hohen, einheitlichen „Münsterstandard“.

Das fordert der ADFC:
  • Der Kfz-Verkehr muss deutlich verringert werden. Es sind lediglich Anwohner und Anlieger zuzulassen, Durchgangsverkehr ist durch Einbahnstraßenschlaufen, gegenläufige Einbahnstraßen, Sackgassen mit Durchfahrt für Radfahrende, Ableitung auf Parallelstraßen, u. a. zu verhindern.
  • Verkehrs- und Einfahrtskontrollen müssen dies sicherstellen.
  • Mindestbreite von 4,00 m, mit zusätzlichen Sicherheitsabständen von 0,75 m zu parkenden Kfz, gem. RAST 2006 und der Empfehlung der GDV (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e. V.) sind durchgehend einzuhalten. Dafür ist ggf. Kfz-Parken einzuschränken, z. B. durch nur einseitiges / alternierendes Parken. Die Sicherheitsabstände sind durch Breitstriche klar zu markieren.
  • Vorfahrt gegenüber einmündenden Straßen. Die Vorfahrt ist durch Markierungen oder bauliche Gestaltung, wie z. B. Aufpflasterungen gem. ERA, zu verdeutlichen.
  • Netz-Einbindung und Durchgängigkeit. Fahrradstraßen sind in der Regel an Strecken mit gleicher Netzkategorie und Radinfrastruktur mit vergleichbar hoher Qualität anzubinden.
  • Überholverbot für Kfz einführen.
  • Fahrradabstellanlagen sind zu integrieren.
  • Die Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Infrastrukturelements Fahrradstraße sind zu evaluieren.
...

Es sei mehr als Symbolik, wenn den Radfahrenden der roter Teppich ausgerollt wird. Es könne als Zeichen der Wertschätzung interpretiert werden sowie zum subjektiven Sicherheitsgefühl und Komfort beitragen. Vor allem aber sollte eine Weiterentwicklung Fahrradstraßen zu einem wichtigen Baustein eines nachhaltigen (Nah-)Mobilitätskonzeptes machen. Aus dem bisherigen Kuriosum könnte so eine von allen akzeptierte Regellösung werden.

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