Ausbildungsmesse des Handwerks
Ganz praktische Tipps

Münster -

Hand anlegen im VIP-Bereich: Insgesamt 21 Innungen präsentierten sich im Preußen-Stadion rund 550 Schülern und gaben Tipps für eine mögliche Karriere im Handwerk.

Donnerstag, 22.03.2018, 21:03 Uhr

Janik Pues erklärt einem Schüler, wie eine Handbremse repariert wird.
Janik Pues erklärt einem Schüler, wie eine Handbremse repariert wird. Foto: gh

Janik Pues erklärte locker, wie die Handbremse an dem Fahrrad zu reparieren ist. Der 19-Jährige schüttelte am Donnerstag sein Wissen quasi aus dem Ärmel. Er ist im dritten Lehrjahr und von Beginn an Feuer und Flamme für seinen Job in der Zweiradbranche. Sein Vater, Joachim Pues vom Vorstand der Zweiradmechaniker-Innung, hielt sich bei der Berufswahl seines Sohnes zurück: „Ich habe nichts gesagt.“ Heute macht Janik Pues wie viele Azubis, die am Donnerstag ihre Berufe erklärten, sein Ding im Handwerk.

Insgesamt 21 Innungen präsentierten sich im VIP-Bereich des Preußen-Stadions den rund 550 Schülern und gaben Tipps für eine mögliche Karriere im Handwerk. Organisiert wurde die Veranstaltung zum sechsten Mal von der Kreishandwerkerschaft Münster. Zum ersten Mal waren auch die Eltern mit im Boot, freute sich der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Jan-Hendrik Schade.

Handwerkliches Geschick getestet

Natürlich durften die jungen Besucher am Donnerstag an den meisten Ständen ihr handwerkliches Geschick testen. Sie wurden von Azubis darüber aufgeklärt, was die künftigen Schulabgänger im Beruf zu erwarten haben. Dabei hatten viele Schüler aber noch keine Vorstellung davon, welcher Beruf ihnen liegen könnte.

Samed Tashan ist eine Ausnahme. Der 15-Jährige möchte später Kfz-Mechatroniker werden und will sich gleich zu Beginn der Sommerferien mit dem passenden Zeugnis bewerben.

Die Zweiradmechaniker um Obermeister Karsten Hürter lockten an diesem Tag die Standbesucher neben zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten in der Branche auch mit Praktikumsplätzen. „Nur wenn Du es ausprobierst, weiß du, was nichts für dich ist“, so der Obermeister.

Knackpunkte bei der Bewerbersuche

Lea Hülsmann legte während der Ausbildungsmesse etliche Arme in Gips und zeigte den Schülern, wie in der Innung für Orthopädie-Technik eine Orthese vorbereitet wird. Laura Maihaus hat ihre Lehre bereits beendet, sie erklärte, wie es nach einer Lehre mit einem Studium in der technischen Orthopädie weitergehen kann.

Einige Bewerber wollen nur von montags bis freitags arbeiten und am Wochenende Party machen.

Ausbildungsleiterin Ute Zahlten

Das Verzieren von Gebäck war die Aufgabe für die Schüler am Stand der Bäcker-Gilde und der Konditoren-Innung. Ausbildungsleiterin Ute Zahlten versuchte, den Schülern die Berufe in den Betrieben schmackhaft zu machen. Aber sie kennt auch die Knackpunkte: „Einige Bewerber wollen nur von montags bis freitags arbeiten und am Wochenende Party machen“, so die Erfahrung der Ausbilderin bei Krimphove. „Dabei haben wir eine Fünf-Tage-Woche, und alles ist geregelt.“ Darum, so Ute Zahlten, „kämpfen wir für Azubis“ im Handwerk, wo die Handarbeit im Mittelpunkt stehen würde.

Um die Schüler für die verschiedenen Karrieremöglichkeiten zu begeistern, hatten sich die Betriebe zahlreiche Aufgaben ausgedacht. So bot die Metall-Innung virtuelles Schweißen an. Carina Bücker wirbelte am Stand der Feinwerkmechaniker. Die junge Frau, die ihre Ausbildung in der Uni absolviert hat und dort heute als Meisterin beschäftigt ist, begeisterte ihre Zuhörer. Der Vater sei im Elektrobereich tätig, darum, so plauderte Carina Bücker aus ihrem einstigen Azubi-Nähkästchen, sei ihr Interesse fürs Handwerk immer schon dagewesen. „Ich mache das gerne“, versicherte sie den Schülern, die beruflich noch unentschlossen sind. Während Mike überlegt, vielleicht Maler und Lackierer zu werden, möchte Jessica in die Altenpflege.

Jürgen Dziergwa begrüßte die Aktion der Innungen. „So kann sich jeder die Berufe besser vorstellen“, betonte der Lehrer von der Hauptschule Hiltrup.  

Kommentar: Kurz und knackig

Das Handwerk in Münster präsentiert sich mit seiner ganzen Stärke. Wer von den künftigen Schulabgängern sich einen Überblick verschaffen möchte über Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk, der ist darum gut beraten, diese Messe der Kreishandwerkerschaft Münster zu besuchen. Nicht nur, dass jetzt mit dem Geschwister-Scholl-Gymnasium in Münster erstmalig auch ein Gymnasium den Weg zu dieser Veranstaltung gefunden hat, auch die Handwerker zeigten durch die Bank, wie lukrativ ihre Berufe heute sind. Denn die Zeiten, dass Schüler mit Flyern in die Betriebe gelockt werden und Ausbildungsplätze automatisch besetzt werden, die sind längst vorbei.

Der neue Weg, den die Kreishandwerkerschaft Münster mit ihrer 6. Ausbildungsmesse einschlägt, könnte erfolgreich sein. Kurz und knackig stellten sich die Berufe vor, das kommt an beim Nachwuchs.

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