Liebesbrief für Hebammen
Blogger starten Weltrekordversuch

Münster -

Die berufliche Situation von Hebammen könnte kaum schlechter sein, finden zwei Blogger. Sie wählen einen ungewöhnlichen Weg, um darauf aufmerksam zu machen.

Dienstag, 27.03.2018, 12:03 Uhr

Als Deva Wallow und Mira Mondstein schreiben die beiden Initiatoren von „ein Weltrekord für Hebammen“ für einen großen Blog rund um Babys.
Als Deva Wallow und Mira Mondstein schreiben die beiden Initiatoren von „ein Weltrekord für Hebammen“ für einen großen Blog rund um Babys. Foto: Björn Meyer

Für den 15. September hat sich eine Jury des Guinnessbuch der Rekorde am Leonardo Campus in Münster angesagt. Denn dort soll an diesem Tag während einer Konferenz für Elternblogger ein Weltrekord präsentiert werden. Der längste Brief der Welt wartet bestenfalls darauf, verschickt zu werden. Damit es so kommt muss das Schreiben zusammengerollt einen Durchmesser von etwa 2,50 Meter haben, auseinandergerollt muss der Brief eine Länge von rund fünf Kilometern haben.

Aufmerksamkeit für das Thema

Ein aufsehenerregendes Projekt – und doch sagt Detlef Deva Wallow: „Eigentlich geht es weniger um den Brief, als um die Aufmerksamkeit für das Thema dahinter.“ Wallow und seine Lebenspartnerin Anita Meyer, wohnhaft in Einen und als Autoren für einen großen Babyblog tätig, wollen sich mit dem Brief, adressiert an keinen geringeren als die Bundeskanzlerin höchstpersönlich, der Situation von Hebammen annehmen. Einem Thema, dass sich ihrer Meinung nach allzu oft unter dem Radar der Öffentlichkeit bewegt. Hohe Haftpflichtprämien und eine vielerorts so hohe Arbeitsbelastung, die der Aufgabe nicht gerecht würden, mache es den Geburtshelfern immer schwieriger. Und das wiederum falle natürlich auf die werdenden Eltern zurück, so Wallow. „Die Eltern fühlen sich im Stich gelassen. Wir wissen von Fällen, wo Eltern Hebammen schon vorab Geld geschickt haben, weil sie so verzweifelt waren und einfach keine Hebamme gefunden haben“, verrät Anita Meyer.

Bereits jetzt haben sie schon 50 Meter Briefmaterial zusammen

Um auf die Missstände in der Geburtshilfe aufmerksam zu machen, entstand die Idee, einen Brief zu schreiben. Keinen gewöhnlichen, sondern eben den längsten der Welt. Im Internet rufen die beiden unter „storchenfonds.org“ dazu auf, ihnen zu schreiben. Wichtig dabei: Der Brief muss handschriftlich und auf einem DinA-4-Blatt geschrieben sein. Wie viele Seiten er haben darf, ist nicht reglementiert. Rund 50 Meter Briefmaterial haben die beiden schon zusammen. Auch, weil man auf Veranstaltungen deutschlandweit für die Aktion wirbt. „Von einem Kinderfest sind gerade 21 Meter an uns unterwegs“, sagt Meyer, in der Bloggerszene unter ihrem Pseudonym Mira Mondstein bekannt.

„Ein Weltrekord für Hebammen“

Um die Sache möglichst weit publik zu machen, hat sich das Pärchen weitere Mitstreiter ins Boot geholt. Ein Logo unter dem Motto „ein Weltrekord für Hebammen“ wurde erstellt, eine andere Elternbloggerin kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit, immerhin müssen Tausende an der Aktion teilnehmen, damit der Weltrekordversuch gelingt. Alles auf privater Basis, denn Hebammen, auch das macht Meyer klar, hätten keine Lobby. „Vielleicht ist das ein wenig plakativ, aber wir können so vieles retten – Banken, Griechenland, Automobilkonzerne, warum nicht auch unsere Geburtshilfe?“, fragt die 32-Jährige.

Geschichte endlich mal von der Seele schreiben

Der Inhalt der einzelnen Briefe kann und wird variieren. „Es können schlechte, aber auch gerne gute Erfahrungen, oder einfach ein Ausdruck von Hoffnung sein“, sagt Anita Meyer. Dieses Angebot, so glaubt sie, spreche vielen aus der Seele, denn gerade Eltern mit schlechten Erfahrungen würden häufig nicht sehr offen mit dem Erlebtem umgehen. „Eine Mutter hat sich gerade bei uns bedankt, dass sie sich ihre Geschichte endlich mal von der Seele schreiben konnte“, sagt Meyer. Jemand anders habe angeboten, die Rolle, auf der der Brief aufgerollt werden soll, zu schreinern. Jeder der möchte, kann eben seinen Beitrag leisten. Alles was man dafür braucht ist ein Stift und ein Blatt Papier.

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