Desperate Journalist im Gleis 22
Energiebündel mit dem Geist der 80er

Münster -

Manchmal verzweifeln Journalisten. Wenn der Text um die Hälfte gekürzt werden soll beispielsweise, die Überschrift bei den Kollegen nicht ankommt oder die Recherche stockt. Oder wenn die Band, über die man einen Konzertbericht schreiben soll, nicht den Zuspruch bekommt, den sie verdient hätte. 

Montag, 16.04.2018, 19:04 Uhr

Jo Bevan, Frontfrau der Londoner Band Desperate Journalist, überzeugt mit einem kraftvollen Auftritt im Gleis 22.
Jo Bevan, Frontfrau der Londoner Band Desperate Journalist, überzeugt mit einem kraftvollen Auftritt im Gleis 22. Foto: Ulrich Schaper

Die britische Band Desperate Journalist krönt am Samstagabend eine ereignisreiche Musikwoche in Münster, die mit Anna Ternheim in der Effata-Jugendkirche begonnen, am Mittwoch Will Varley und am Donnerstag sowohl Turbostaat als auch Bilderbuch zu bieten hatte. Leider aber war das Gleis 22 bei Desperate Journalist nicht komplett ausverkauft.

Das Quartett aus London startet mit „Incandescent“ von ihrer aktuellen EP „You Get Used To It“. Sängerin Jo Bevan sieht aus wie die junge Sinead O‘Connor. Sie legt sich das rote Mikrofonkabel um den zierlichen Körper und begeistert mit einer Stimme, die wie eine Mischung aus Katharina Franck (Rainbirds) und Dolores O‘Riordan (Cranberries) klingt. Themen wie Liebe und Wut, das Heranwachsen und natürlich Zweifel und Verzweiflung sind Triebfedern ihrer Texte. Neben dem düster wavigen Sound ist es vor allem Bevans Stimme, die die Tracks trägt und zusammenhält.

Schweißtreibend intensives Konzert

Der Bandname ist einem Song von The Cure entlehnt und gelegentlich macht sich der musikalische Einfluss der Post-Punk- und Dark-Wave-Ikonen auch bemerkbar. Simon Drowner könnte gar als Robert-Smith-Look-a-Like durchgehen, wenn er sich eine passende Perücke aufsetzen würde. Passend dazu haben die vier Bandmitglieder von Desperate Journalist ihre Augen mit schwarzem Kajal betont. Die Frisur von Gitarrist Rob Hardy erinnert an den frühen Curt Smith (Tears for Fears): Undercut, die Locken im Gesicht.

Desperate Journalist im Gleis 22

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  • Die britische Band Desperate Journalist konnte mit ihrem Auftritt im Gleis 22 am Samstagabend überzeugen.

    Foto: Ulrich Schaper
  • Wie die junge Variante des Cure-Sängers Robert Smith: Simon Drowner.

    Foto: Ulrich Schaper
  • Gewaltig: Die zierliche Sängerin Jo Bevan zieht das Publikum in ihren Bann.

    Foto: Ulrich Schaper
  • Rob Hardy mit Undercut und Locken im Gesicht, im Hintergrund Drummerin Caroline Helbert.

    Foto: Ulrich Schaper
  • Knapp über eine Stunde spielt das Quartett...

    Foto: Ulrich Schaper
  • ... Songs sowohl von ihrem ersten selbstbetitelten Album...

    Foto: Ulrich Schaper
  • ... als auch von ihrem Zweitwerk „Grow Up“.

    Foto: Ulrich Schaper
  • Hin und wieder gab es auch mal ruhigere Momente wie beim Song „Radiating“ zu bewundern.

    Foto: Ulrich Schaper

Sicherlich wabert der Geist von anderen 80er-Jahre Indie-Bands durch ihre Musik: ein wenig The Smiths, etwas Siouxsie Sioux, eine Prise Joy Division, ein Hauch Cocteau Twins. Doch Desperate Journalist klingen eigenständig. Die 80er dienen allenfalls als Referenz für einen druckvollen Gitarrenrock. Drummerin Caroline Helbert (aka Caz Hellbent) gibt dabei stoisch den meist treibenden Beat vor. So nimmt das schweißtreibend intensive Konzert bereits mit dem zweiten und dritten Song „Why Are You So Boring?“ vom im vergangenen Jahr veröffentlichten Zweitwerk „Grow Up“ Fahrt auf. Die ruhigen Momente im Set sind rar. „Radiating“ ist dafür in einer noch reduzierteren Version und mit noch mehr Gefühl als auf dem Album zu hören. Bei „All Over“ huscht Jo Bevan kurz von der Bühne, während der Rest ihrer Band den Song energetisch und kraftvoll zu Ende bringt.

Das Publikum, das zum Teil die 80er-Jahre bereits bewusst wahrgenommen hat, lässt sich in den Bann ziehen und von dem etwas über einstündigen Konzert sowie der sehr intensiven Performance mitreißen. Mit „Resolution“ – einer der Singles aus 2017 – endet das reguläre Set der Band.

Shoegazing lässt grüßen

Der Kajal ist zerlaufen, die Klamotten durchgeschwitzt: Keinen Zweifel lassen Desperate Journalist daran, dass sie alles gegeben haben.

Für zwei Zugaben kommen die Londoner zurück auf die Bühne. Mit „Kitten“ endet dann der Abend: „Der erste Song, den wir geschrieben haben“, sagt Jo Bevan. Ansonsten bleiben Ansagen eher die Ausnahme: Shoegazing lässt grüßen. Ein beeindruckender Auftritt.

Ihre Meriten hat sich auch die Vorband Pete at the Starclub erworben. Die Hamburger verkürzten die Wartezeit zum Hauptact ebenfalls mit einer an die 80er-Jahre erinnernden Post-Punk-Mixtur.

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