Tourismusstudie
Noch fehlen Münster Hotels der Mittelklasse

Münster -

Die Zahlen stimmen: 3,7 Millionen Übernachtungen und 19,8 Millionen Tagesgäste haben Münster im Jahr 2016 einen Umsatz von 959 Millionen Euro beschert. Doch es fehlen Hotels im mittleren Segment.

Freitag, 18.05.2018, 10:05 Uhr

Tourismusstudie: Noch fehlen Münster Hotels der Mittelklasse
3,7 Millionen Übernachtungen wurden in der Stadt Münster 2016 verzeichnet. Foto: Gunnar A. Pier

Die Stadt Münster wird als Kongress-Standort immer beliebter. Das geht aus einer am Donnerstag vorgestellten Tourismus-Studie mit Blick auf das Jahr 2016 hervor. Damals sorgten 3,7 Millionen Übernachtungen und 19,8 Millionen Tagesgäste für einen Umsatz von 959 Millionen Euro.

Noch Luft nach oben

Deutlich wird trotz der guten Ergebnisse der Studie allerdings auch, dass bei den Übernachtungszahlen noch Luft nach oben ist und im Vergleich mit anderen Städten Hotels im Low-Budget-Bereich (zwei bis drei Sterne) fehlen. Indes: Sechs Häuser mit insgesamt rund 1400 Betten entstehen in den kommenden Monaten.

Die Münsteraner sind gute Gastgeber: 61 Prozent der 3,7 Millionen Übernachtungen fanden privat statt, nur jede fünfte in einem Hotel. „Da geht mehr, aber nicht im Bestand. Ein Bedarf neuer Angebote besteht, um spürbar auf Wachstumskurs zu kommen“, sagt Dr. Manfred Zeiner, der die Studie vorstellte.

Jeder zweite Euro bleibt beim Einzelhandel

Der Tourismus mit den Übernachtungs- und Tagesgästen zahlt sich vor allem für den Einzelhandel aus, wo jeder zweite Euro bleibt. Insgesamt sind das 487,8 Millionen Euro (51 Prozent). „Gleichwohl hat der Handel 13 Prozent im Vergleich zum Jahr 2011 verloren“, sagt die Leiterin von Münster-Marketing, Bernadette Spinnen. Damals waren es 561,4 Millionen Euro. Ein Grund ist der immer stärker werdende Online-Handel. „Ein Signal der Digitalisierung“, nennt es Matthias Lückertz von der Initiative starke Innenstadt.

Generell hat sich das Ausgabeverhalten der Gäste verändert. Tagesgäste gaben zum Beispiel 2,20 Euro weniger als vor fünf Jahren aus. Das summiert sich bei 19,8 Millionen Tagesgästen auf 43 Millionen Euro. In das Gastgewerbe fließen 324,7 Millionen Euro (plus 3,4 Prozent). Bei den Dienstleistungen (Unterhaltung, Transport, Parkgebühren) werden 146,6 Millionen Euro (plus 27 Prozent) verzeichnet.

 

Die Studie legt erstmals einen Fokus auf den Kongress- und Tagungsstandort Münster. Der Umsatz durch knapp eine Million Tagesgäste und 400 000 Übernachtungsgäste liegt bei 76,2 Millionen Euro.

Abstriche bei Hotelkapazitäten

Als Stärken des Standortes werden Kulturangebote, die Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten genannt. Abstriche werden gemacht bei den Hotelkapazitäten, modernen und außergewöhnlichen Tagungseinrichtungen sowie bei der Erreichbarkeit mit Flugzeug und Bahn.

Trotz hoher Zufriedenheitswerte sehen viele Befragten noch Ansätze für Verbesserungen. „Der Markt sagt: Da ist noch mehr möglich“, sagt Zeiner.

Interessant ist, dass neben besseren Zuganbindungen und passenden Hotelkapazitäten häufiger der Wunsch nach einem neuen Kongress- und Tagungszentrum genannt wird. Baudezernent Robin Denstorff sieht durch die Studie die Überlegungen von Uni und Stadt, einen Musikcampus mit Kongresshalle zu bauen, unterstrichen. „Das Vorhaben würde das Gesamtgefüge stärken“, sagt er.  

Kommentar: Selbstbewusst nach vorne

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Münster. Das wird aus der Fortschreibung der Tourismusstudie wieder einmal deutlich. Münster boomt, doch gerade bei den Übernachtungszahlen und den Umsätzen, die die Münster-Besucher in der Stadt lassen, ist noch Luft nach oben.

Wie richtig ist es da, selbstbewusst einen Fokus auf Münster als Kongressstadt zu setzen. Die in der Tourismusstudie befragten Besucher nennen die „Stadt der Wissenschaft und Lebensart“ in einem Atemzug mit Berlin, Düsseldorf, München und Hamburg, wenn es darum geht, Tagungen auszurichten. Münster wird hier bundesweit, ja sogar international wahrgenommen.

Warum? Münster steht für Kultur und touristische Attraktivität. Die Universitätsstadt hat ein gutes Image als Wissenschafts- und Kongress-Stadt. Aber: Die Erreichbarkeit mit Flugzeug und Bahn ist teils schwierig. Und es fehlen Hotels für den mittleren Geldbeutel. Das gilt auch für den Städtetourismus. Denn der Wachstumsmarkt bei Übernachtungen liegt im Zwei-Sterne-Bereich.

- Ralf Repöhler

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