Protestaktion mit Sarg am Kreisel
Studenten wollen Lehrerin zurück

Münster -

Nach 17 Jahren wurde einer Gesanglehrerin an der Musikhochschule der Lehrauftrag nicht mehr erteilt, ihre Studentinnen wollen das nicht hinnehmen – und machten am Dienstag auf die unsichere Lage der frei an der Hochschule Beschäftigten aufmerksam.

Mittwoch, 30.05.2018, 09:00 Uhr

Studentinnen aus der ehemaligen Gesangsklasse von Birgit Breidenbach protestierten am Ludgerikreisel gegen den Umgang mit ihrer früheren Lehrerin.
Studentinnen aus der ehemaligen Gesangsklasse von Birgit Breidenbach protestierten am Ludgerikreisel gegen den Umgang mit ihrer früheren Lehrerin. Foto: Oliver Werner

Die Studierenden einer Gesangsklasse an der Musikhochschule sind in Grabesstimmung. Sie mussten sich von ihrer Lehrerin Birgit Breidenbach, die sie bisher durchs Studium begleitet hatte, verabschieden. Der Grund: Nach 17 Jahren Tätigkeit an der Musikhochschule Münster, die zur Universität gehört, wurde der Lehrauftrag der Gesangspädagogin nicht verlängert.

Ihre Studentinnen stellten sich darum am Dienstag mit einem Sarg auf die Wiese im Ludgerikreisel in Nachbarschaft zur Musikhochschule. Sie fühlen ihre Interessen an der Lehre und auch die Interessen und Rechte der vielen Lehrbeauftragten an der Musikhochschule nicht hinreichend berücksichtigt.

„Mehr Rechte und Sicherheiten“ forderten die Studentinnen, die sich nun teilweise von fremden Lehrern prüfen lassen müssen.

Protest am Ludgeriplatz

Protest am Ludgeriplatz Foto: Oliver Werner

Birgit Breidenbach fehlt die Arbeit mit Studierenden

An der Musikhochschule stellen Lehrbeauftragte das Gros des Personals. Sie sind selbstständig, die Universität zahlt aber ihre Sozialversicherungsbeiträge, wie Norbert Robers, Sprecher der Universität, erklärt. Zum konkreten Fall, der „Personalangelegenheit“ Breidenbach will er nichts sagen, nur so viel: „Es war ein wohlüberlegtes und ordnungsgemäßes Verfahren.“ Sowohl die Leitung des Fachbereichs Musikhochschule, als auch die Studierenden, die über 300 Unterschriften für den Verbleib der Gesangslehrerin sammelten, hatten sich für Breidenbach stark gemacht, auch der Personalrat intervenierte – erfolglos.

In ihren Frust darüber organisierten die Studierenden die vielbeachtete Aktion am Ludgerikreisel. Den Sarg lieh ihnen ein benachbartes Bestattungsinstitut, erzählt Daniela Jäger, die, wie sie sagt, „nur wegen Birgit Breidenbach an die Musikhochschule Münster gekommen“ ist.

Zwischenablage01

Gesangslehrerin Birgit Breidenbach. Foto: privat

Birgit Breidenbach, die am Mittwoch als Sängerin bei der Gedenkfeier des Landes Nordrhein-Westfalen in der Düsseldorfer Staatskanzlei engagiert war, erzählt nach ihrem Auftritt am Telefon, wie sehr ihr die Arbeit mit den Studierenden in Münster fehlt. „Die Arbeit an der Musikhochschule hat mich sehr glücklich gemacht“, sagt sie und bedauert, dass ihr Engagement in Münster ausgelaufen ist.

Die Arbeit an der Musikhochschule hat mich sehr glücklich gemacht.

Birgit Breidenbach

Die Ursachen für das Ende der langjährigen Tätigkeit mit Verantwortung bis hin zur Examensabnahme bleiben im Dunklen. Aus Studentenkreisen verlautet, dass interne Querelen im Lehrpersonal eine Rolle spielten. Vorwürfe der Studierenden, in der Personalangelegenheit Machtmissbrauch geübt zu haben, weise die Universitätsleitung entschieden zurück, betont Norbert Robers.

An der Musikhochschule arbeiten gut 100 Personen auf selbstständiger Basis als Lehrbeauftragte, das ist ein knappes Fünftel aller Lehrbeauftragten an der ganzen Universität. Sie versehen an der Musikhochschule die Lehraufgaben, die an anderen Fachbereichen fest angestelltes wissenschaftliches Personal übernimmt. Im künstlerischen Bereich fehle der „akademische Mittelbau“, verdeutlicht Robers. Die hohe Zahl der Lehrbeauftragten komme an der Musikhochschule auch dadurch zustande, dass die Studierenden häufig Einzelunterricht erhielten. Die Musikhochschule hat im vergangenen Jahr ein Memorandum verfasst, in dem sie auf die substanziellen Leistung der Lehrbeauftragten hinweist und deren Arbeit wertschätzt, der Text ist auf der Internetseite der Musikhochschule nachzulesen.

Ein Anspruch auf weitere Beschäftigung oder gar Festanstellung haben die Lehrbeauftragten nicht. Die Aufträge werden in der Regel für ein oder zwei Semester erteilt, es gebe hohe Fluktuation, sagt Norbert Robers. An der Musikhochschule komme es allerdings häufiger vor, dass Lehrbeauftragte über viele Jahre beschäftigt seien. Sie erhalten nach einer Vereinbarung mit dem Land NRW ein Stundenhonorar von 50 Euro

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5778054?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Schwieriger Start ins Leben: Baby mit Atemproblemen schwebte in Lebensgefahr
Zeit zum Durchatmen: Klein-Ylvie und ihre Mutter Laura Trenkamp können bald nach Hause. Das Neonatologie-Team des UKM um Prof. Heymut Omran (3. v. l.) und Dr. Wiebke Beckmann (3. v. r.), freut sich, dass es dem kleinen Mädchen wieder gut geht.
Nachrichten-Ticker