Pendel übergeben
Münster feiert das neue Richter-Kunstwerk in der Dominikanerkirche

Münster -

Unaufhaltsam schwingt die 48 Kilo-Kugel hin und her. Das Foucaultsche Pendel, Teil eines Werks des Kunst-Stars Gerhard Richter, wurde am Sonntag offiziell der Stadt Münster übergeben. Vor der Dominikanerkirche herrschte großer Andrang.

Sonntag, 17.06.2018, 15:14 Uhr

In Gegenwart des Künstlers Gerhard Richter wurde das Foucaultsche Pendel in Münster der Öffentlichkeit vorgestellt
In Gegenwart des Künstlers Gerhard Richter wurde das Foucaultsche Pendel in Münster der Öffentlichkeit vorgestellt Foto: Oliver Werner

Der Universitäts-Physiker Dr. Klaus-Jürgen Tombrink war es, der das Pendel angestoßen hat, und man merkt ihm den Stolz an, wenn er davon erzählt. Am vergangenen Dienstag waren die Arbeiten an der spektakulären Installation des Ausnahme-Künstlers Gerhard Richter in der münsterischen Dominikanerkirche so weit abgeschlossen, dass Tombrink zur Tat schreiten konnte. „Ein aufregender Moment“, sagt der Physiker, der für den technischen Teil des Kunstwerkes zuständig ist, aber natürlich nicht für den künstlerischen.

Seit Dienstag also schwingt das Foucaultsche Pendel an einem 29 Meter langen Stahlseil durch die profanierte Kirche. Seit Sonntag, dem Tag der Eröffnung, ist zudem klar, dass das Pendel auch die Massen bewegt. Schätzungsweise 1000 Menschen stehen auf dem Platz vor der Kirche, als die Grußworte gehalten werden. Jeweils in Gruppen zu 100 werden die Besucher anschließend in die Kirche gelassen und scharen sich um die Installation mit dem offiziellen Titel „Zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel“.

Gerhard Richter überreicht der Stadt Münster sein Pendel-Kunstwerk

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  • Ein Pendel für Münster: 48 Kilogramm wiegt das Foucaultsche Pendel aus Messing, das die Stadt von Künstler Gerhard Richter geschenkt bekommen hat.

    Foto: Oliver Werner
  • Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (r.) freute sich am Samstag (16.6.) über das Geschenk und darüber, dass der weltbekannte Künstler Gerhard Richter persönlich zur Übergabe nach Münster kam. 

    Foto: Oliver Werner
  • Der Künstler Gerhard Richter erklärt Münsters Bürgermeister Markus Lewe (r.) sein Pendel.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Foto mit dem Kunst-Star: Gerhard Richter (Mitte) nahm sich viel Zeit für Gespräche und Fotos. 

    Foto: Oliver Werner
  • Gerhard Richter hat in der Kirche eine dunkle Bodenplatte verlegen lassen. Darüber wird das eigentliche Kunstwerk des Kölners schwingen: Ein 48 Kilogramm schweres Foucaultsches Pendel aus Messing, das an einem 29 Meter langen Seil hängt. Es zeigt mit seiner Bewegung die Erdrotation an. Vier sechs Meter hohe Glastafeln, die paarweise vor den Wänden angebracht sind, reflektieren die Bewegung des Pendels im Kirchenraum.

    Foto: Oliver Werner
  • Ab Sonntag (17.6., 11.30 Uhr) ist die Installation mit dem Titel „Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel“ in der Dominikanerkirche in der Stadtmitte allgemein zugänglich. Der Eintritt ist frei.

    Foto: Oliver Werner
  • Gute Laune: Einer der berühmtesten Künstler der Welt sorgte für einen veritablen Medienrummel in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner

Die „Würde des Ortes“, von der Münsters strahlender Oberbürgermeister Markus Lewe an diesem Tag immer wieder spricht, ist klar zu spüren. Trotz der Menschenmenge, die durch die Kirche zieht, entfaltet das lautlose Pendel in dem ansonsten komplett leer geräumten, barocken Raum eine unwiderstehliche kontemplative Atmosphäre.

Da Gerhard Richter zu den Menschen gehört, die lieber ihre Kunst sprechen lassen als selbst etwas zu sagen, liegt es nicht zuletzt an dem Kurator Marcus Lütkemeyer, die Besonderheit der Installation zu erklären. Seit 1850 gelte das Foucaultsche Pendel als Beweis für die früher von der Kirche geleugnete These, dass die Erde eine Kugel ist und sich um die eigene Achse dreht, erklärt er. Die Besonderheit der Richter-Installation bestehe nun darin, einer naturwissenschaftlichen Erkenntnis eine künstlerische Gestalt zu geben – und das auch noch in einer Kirche.

Richter-Pendel der Öffentlichkeit übergeben

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Ach übrigens. Nach dem „Ur-Stoß“ von Dr. Tombrink muss nie wieder jemand das Pendel in der Kirche anstoßen. Vorgesetzt, der Strom fällt nicht aus. Denn unter dem Kirchenboden befindet sich eine Spule, die sich durch regelmäßige Stromstöße in ein magnetisches Feld verwandelt und der 48 Kilogramm schweren Kugel mit eben dieser Regelmäßigkeit einen kleinen Energieschub verpasst. Alles sorgsam ausgerechnet von den Physikern der Uni Münster.

Pendelbewegungen per Stromschlag? Also alles nur ein Fake? Nein, natürlich nicht. Die Besonderheit des Foucaultschen Pendels besteht nicht darin, dass die Kugel hin und her pendelt, sondern darin, dass sich die Kugel dabei langsam, aber unaufhaltsam im Kreis bewegt und damit die Rotation der Erde nachvollzieht.

Gerhard Richter - einer der weltweit bedeutendsten Maler

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  • Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren, nach seiner Flucht in den Westen 1961 absolvierte er ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Richter später dann eine Professur bekam. Auf dem Foto steht der Künstler im Jahr 2013 vor seinem Gemälde Strip (930-2) in der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden.

    Foto: Hendrik Schmidt
  • Als Richters größtes Verdienst gilt es, der Malerei in den 60er Jahren wieder neue Relevanz gegeben zu haben. Auf dem Foto ist sein Bild "Abstrakt" zu sehen.

    Foto: Oliver Berg
  • Zu Beginn von Richters Laufbahn in den 60er Jahren sprachen viele Kunst-Experten vom Ende der Malerei, denn wenn es um realistische Abbildungen ging, war die Fotografie überlegen. In Gerhard Richter sehen viele Kunsthistoriker denjenigen, der am stärksten dazu beigetragen hat, der Malerei eine neue Bedeutung gegeben zu haben.

    Foto: Federico Gambarini
  • Gerhard Richter ist ein Maler ohne Worte: Man hat ihn die Sphinx oder den großen Schweiger genannt, weil er seine Werke nicht erklärt. Diese Rätselhaftigkeit hat wohl zu seinem Ruf beigetragen. Zur Abbildung: 2016 wurde sein Werk "Tiger" im Museum Morsbroich in Leverkusen gezeigt.

    Foto: Monika Skolimowska
  • Als „Europas größten Maler“ bezeichnete ihn die „New York Times“, der „Guardian“ rühmte ihn als „Picasso des 21. Jahrhunderts“. Das Foto zeigt den Künstler im Jahr 2010 vor einer seiner Arbeiten im Dresdner Albertinum.

    Foto: Dietrich Flechtner
  • Richters Atelier befindet sich in einem bunkerähnlichen Riegelbau im Villenviertel Köln-Hahnwald. Er schirmt das dahinterliegende Wohnhaus ab. Der Künstler lebt dort mit seiner dritten Frau Sabine Moritz und dem jüngsten Sohn Theodor. Die Aufnahme zeigt ihn im Jahr 2016 in Köln in seinem Atelier vor einem seiner Bilder.

    Foto: Oliver Berg
  • Für Richters meistbewundertes Werk muss man keinen Eintritt zahlen. Es ist das 19 Meter hohe Fenster im südlichen Querhaus des Kölner Doms. Richter hat Sympathien für die Kirche, aber er glaubt nicht an Gott.

    Foto: dpa
  • Gerhard Richter wird in internationalen Rankings seit vielen Jahren als einer der weltweit einflussreichsten Künstler eingestuft. Auch im Ranking „Kunstkompass 2017“ wird er seit vielen Jahren als wichtigster Künstler geführt.

    Foto: Arno Burgi
  • Kunstwerke von Gerhard Richter gehören zu den teuersten der Welt. Es sei beängstigend, dass seine Kunst und sogar von ihm signierte Postkarten auf dem Markt Höchstsummen erzielten: „Eine erschreckende Entwicklung“, sagte Richter in einem Interview mit der „Die Zeit“. Hier steht Richter im Jahr 2009 in Duisburg vor seinem Werk "18 Farben".

    Foto: dpa
  • Die horrenden Preise für seine Bilder seien ein Beleg dafür, „wie irrsinnig sich der Kunstmarkt entwickelt hat“, sagte Gerhard Richter. Sie hätten mit dem Werk nichts zu tun. „Das ist doch reiner Personenkult“, meint der Künstler.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Beispiel: Das Werk „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter hat 2012 in London bei einer Auktion einen Rekordpreis von umgerechnet 41 Millionen Euro erzielt. Damit habe Richter Maßstäbe für lebende europäische Künstler gesetzt, teilte das Auktionshaus Sotheby‘s nach der Versteigerung mit.

    Foto: dpa
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