Standort-Debatte
Noch immer viele Fragezeichen rund um die Zentrale Flüchtlings-Einrichtung

Münster -

Erst Gremmendorf, dann Pulverschuppen, so sieht der Plan für die Zentrale Unterbringungs-Einrichtung (ZUE) für Flüchtlinge aus. Aber was ist, wenn dieser Zeitplan durcheinander gerät?

Samstag, 23.06.2018, 11:00 Uhr

Nur wenn am Standort Pulverschuppen rasch eine Zentrale Unterbringungs-Einrichtung gebaut wird, kann die Stadt Münster frei über die York-Kaserne verfügen. Was aber, wenn die ZUE auf sich warten lässt?
Nur wenn am Standort Pulverschuppen rasch eine Zentrale Unterbringungs-Einrichtung gebaut wird, kann die Stadt Münster frei über die York-Kaserne verfügen. Was aber, wenn die ZUE auf sich warten lässt? Foto: Matthias Ahlke

Als Oberbürgermeister Markus Lewe vor gut zwei Monaten den Kaufvertrag für die beiden Kasernen in Gremmendorf und Gievenbeck in den Händen hielt, da war der Jubel groß.

Inzwischen aber ist Ernüchterung eingekehrt, denn beim Mega-Projekt Konversion bilden Sachzwängen, Zielkonflikte und Termindruck noch immer eine undurchsichtige und nicht ungefährliche Gemengelage.

Um über die volle Fläche der York-Kaserne in Gremmendorf verfügen und dort 1800 Wohnungen bauen zu können, hat sich die Stadt bereit erklärt, auf einer Fläche am Standort Pulverschuppen für das Land Nordrhein-Westfalen eine Zentrale Unterbringungs-Einrichtung (ZUE) für Flüchtlinge zu bauen – als Ersatz für die abgängige ZUE in Schöppingen.

Mit heißer Nadel gestrickt

Das Pulverschuppen-Konzept sei mit heißer Nadel gestrickt worden, heißt es, stößt bei Anwohnern auf Widerstand und wird, darin sind sich von unserer Zeitung befragte Insider einig, auf vor Gericht landen.

Zum 1. Juli zieht die ZUE zunächst einmal in die Gremmendorfer Kaserne ein. Bei einer Bürgerinformation am Mittwoch (27. Juni, 19 Uhr, Kantine der ehemaligen Kaserne) werden die Gremmendorfer darüber informiert. Wie lange das vermeintliche Provisorium dauern wird, weiß bislang niemand.

Derweil steht das städtische Unternehmen Wohn- und Stadtbau mächtig unter Druck. Es muss bis Sommer 2023 auf dem Gelände der York-Kaserne 450 Sozialwohnungen in einem hoch verdichteten Quartier bauen, da ansonsten ein vom Bund gewährter Rabatt verfällt.

In Ratskreisen wächst die Nervosität

Das 6,8 Hektar große Baufeld der Wohn- und Stadtbau liegt nördlich des vom Land genutzten, genau in der Mitte der Kaserne liegenden Areals. Trotzdem zeichnen sich massive Probleme ab. Im Rathaus geht man offenbar längst davon aus, dass mit Beginn der Bauarbeiten im Frühjahr 2020 die ZUE noch nicht an den Pulverschuppen umgezogen ist und das Projekt der Wohn- und Stadtbau eine eigene Erschließungsstraße benötigt.

Hinter vorgehaltener Hand wird unterdessen auch schon eine weitergehende Frage diskutiert: Was macht die Stadt, wenn der Pulverschuppen als Standort scheitert und die ZUE länger in der Kaserne bleibt?

Dann müssen sich die Gremmendorfer mit dem Gedanken vertraut machen, dass 450 Sozialwohnungen und eine große Flüchtlingseinrichtung direkt nebeneinander liegen.

In Ratskreisen wächst die Nervosität. Nicht zuletzt deshalb, weil 2020 die nächste Kommunalwahl ansteht.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5842398?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
SEK-Beamte überwältigen Randalierer
Auf der ehemaligen Hofstelle Herbert im Kiebitzpohl sah es am Sonntagabend verheerend aus. Etliche Gegenstände, darunter zahlreiche Möbel, hatte der 38-jährige Randalierer aus dem Fenster geworden. Er sorgte für einen Großeinsatz der Polizei.
Nachrichten-Ticker