Studie
Ist Münster eine Hochburg für Verkehrssünder?

Münster -

In Münster bekommen Verkehrsteilnehmer öfter Verkehrssünder-Punkte als im Bundesdurchschnitt. Das sagt eine Studie. Doch woran liegt das? Und stimmt es überhaupt? Eine Recherche.

Donnerstag, 12.07.2018, 19:07 Uhr

Studie: Ist Münster eine Hochburg für Verkehrssünder?
Foto: dpa

Die meisten Punktesünder sind in Rostock und Leipzig unterwegs. Das besagt eine Studie des Internet-Vergleichsportals Check 24. Demnach haben neun Prozent der Pkw-Halter in Rostock nach eigenen Angaben einen Eintrag im Fahreignungsregister des Kraftfahrtbundesamtes (KBA). In Leipzig sind es 8,5 Prozent. Unter den 50 größten deutschen Städten haben Berliner am wenigsten Punkte (4,6 Prozent). Münster rangiert mit einer Quote von 7,4 Prozent auf Rang acht. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt laut Studie bei 6,2 Prozent.

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Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg.  Foto: dpa

Leben in Münster also überdurchschnittlich viele Verkehrsrowdys? Nicht unbedingt. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gibt auf Anfrage unserer Zeitung zu bedenken, dass die Zahlen der Studie nicht alle Verkehrsteilnehmer in den Blick nimmt. Die Daten, auf die sich die Erhebung des Vergleichsportals stützen, basieren auf Kundenangaben. Dabei gaben alle, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 über Check 24 eine Kfz-Versicherung für Pkw abgeschlossenen haben, an, wie viele Punkte sie in Flensburg haben. Laut Pressestelle des Unternehmens waren das etwa eine Million Menschen. Die Studie ist also ein guter Anhaltspunkt - mehr aber auch nicht.

Sind die Radfahrer Schuld?

Von diesem Anhaltspunkt ausgehend liegt die Frage nahe, wie viele Verkehrssünden in Deutschlands Fahrradhauptstadt mit "Punkt-Folge" auf der Leeze und wie viele im Auto begangen werden. Ist Münster etwa wegen der vielen Radfahrer und ihrer Vergehen so weit oben im Ranking? Die Nachfrage bei der Bußgeldstelle des städtischen Ordnungsamtes führt ins Leere. "Ob Fahrradfahrer oder Autofahrer Punkte bekommen, wird nicht erhoben", sagt eine Sprecherin der Stadt Münster. 

Vergehen im Straßenverkehr und ihre Konsequenzen

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  • Täglich verstoßen Tausende Deutsche gegen Regeln im Straßenverkehr. Über die Konsequenzen ihres Verhaltens und die möglichen Folgen denken die wenigsten nach.

    Im folgenden sind häufige Vergehen im Straßenverkehr und ihre rechtlichen Folgen aufgelistet.

    Foto: Patrick Seeger
  • Alkohol am Steuer ahndet die Polizei besonders hart.

    Verstoß gegen die Promillegrenze (0,5 bis 1,1 Promille):

    ...beim 1. Mal: 500 Euro Bußgeld mit zwei Punkten in Flensburg und einem einmonatigen Fahrverbot.

    ...beim 2. Mal: 1000 Euro Bußgeld mit zwei Punkten in Flensburg und einem dreimonatigen Fahrverbot.

    ...beim 3. Mal: 1500 Euro Bußgeld mit zwei Punkten in Flensburg und einem dreimonatigen Fahrverbot.

    Ab 1,1 Promille drohen einkommensabhängige Geldstrafen, evtl. sogar Gefängnisstrafen, drei Punkte in Flensburg und ein Entzug des Führerscheins.

    Foto: Eili Deck
  • Sollte es zu einer Gefährdung des Verkehrs unter Alkoholeinfluss kommen und eine Polizeistreife bemerkt dies, kann es schon ab einer geringen Promillezahl zu drei Punkten in Flensburg und oftmals zu einem Entzug des Führerscheins mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe kommen.

    Foto: dpa/Sven Hoppe
  • Immer häufiger erwischt die Polizei Fahrer mit einem Handy am Ohr.

    Wenn man als Fahrer eines Autos mit einem Handy am Steuer angehalten wird, wird ein Bußgeld von 60 Euro fällig. Zusätzlich erhählt man einen Punkt.

    Foto: Holger Hollemann
  • Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit innerorts:

    Ab 21 bis 25 km/h über der Höchstbeschwindigkeit: 80 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

    Ab 26 bis 30 km/h über der Höchstgeschwindigkeit: 100 Euro Bußgeld mit einem Punkt und sofern man der Polizei oftmals auffällt sogar noch einen Monat Fahrverbot.

    Ab 31 bis 40 km/h über der Höchstgeschwindigkeit: 160 Euro Bußgeld mit zwei Punkten und einem einmonatigen Fahrverbot.

    Foto: colourbox.de
  • Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit außerorts:

    Ab 21 bis 25 km/h über der Höchstbeschwindigkeit: 70 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

    Ab 26 bis 30 km/h über der Höchstgeschwindigkeit: 80 Euro Bußgeld mit einem Punkt und sofern man der Polizei oftmals auffällt sogar noch einen Monat Fahrverbot.

    Ab 70 km/h über der Höchgeschwindigkeit: 600 Euro Bußgeld mit zwei Punkten und einem dreimonatigen Fahrverbot.

    Foto: Marius Becker
  • Im Straßenverkehr kommt es oftmals zu erheblichen Unfällen, weil die Sicherheitsabstände nicht beachtet wurden.

    Bei einem Abstand von weniger als 3/10 des halben Tachowertes werden schon 160 Euro Bußgeld fällig. Zusätzlich gibt es noch zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot.

    Foto: Polizei Münster
  • Strafen beim überfahren von roten Ampeln:

    Eine Ampel bei "Rot" zu überfahren kostet schon 90 Euro und einen Punkt.

    Sollte man wissentlich eine Ampel bei "Rot" überfahren und andere Verkehrsteilnehmer gefährden, droht eine saftige Geldstrafe von 200 Euro, 2 Punkte und in extremen Fällen auch ein Führerscheinentzug oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren.

    Foto: colourbox.de
  • Bei einer Sachbeschädigung an einem anderen Auto sollte man sofort die Polizei anrufen und den Unfall melden.

    Ansonsten drohen dem Verursacher drei Punkte wegen Fahrerflucht.

    Der häufig verwendete Zettel mit Namen und Anschrift schützt somit nicht vor einer Anklage.

    Foto: jans

Und auch das Kraftfahrt-Bundesamt kann keine klare Aussage darüber treffen, ob besonders viele Radfahrer in Münster Punkte in der Verkehrssünderkartei ansammeln. Denn auch in Flensburg werde nicht erhoben, welcher Art die Verkehrsteilnehmer sind, die Punkte kassieren, erklärt der Pressesprecher des Bundesamtes.

Aber: "Da das mit Abstand häufigste Vergehen im Straßenverkehr die Geschwindigkeitsüberschreitung ist, können Radfahrer rein statistisch betrachtet nicht den Großteil der Punktesünder ausmachen", wagt der KBA-Sprecher eine Prognose. Zu schnelles Fahren ist übrigens sowohl bei Männern (2.405.000 Verstöße in 2016) als auch bei Frauen (668.000 Verstöße) die häufigste Ordnungswidrigkeit. 

Was bleibt? Die Vermutung, dass Münsteraner häufiger Punkte für Verkehrsdelikte kassieren, als im Bundesdurchschnitt. Aber weniger als Menschen in Rostock, Leipzig oder Erfurt. Außerdem die Vermutung, dass Radfahrer das Münster-Ergebnis dieser Statistik nicht entscheidend negativ beeinflussen. Und die Vermutung, dass nicht jede Studie Beweis-Charakter hat. 

Top 25 der Punktesünder-Städte

1. Rostock 9,0 %

2. Leipzig 8,5 %

3. Erfurt 8,0 %

4. Leverkusen 7,9 %

5. Wuppertal 7,6 %

6. Bielefeld 7,5 %

6 .Magdeburg 7,5 %

8. Münster 7,4 %

8. Hamm 7,4 %

10. Düsseldorf 7,3 %

11. Chemnitz 7,1 %

11. Dortmund 7,1 %

11. Köln 7,1 %

11. Mühlheim/Ruhr 7,1 %

15. Saarbrücken 6,9 %

15. Stuttgart 6,9 %

17. Heidelberg 6,8 %

18. Augsburg 6,7 %

18. Osnabrück 6,7 %

18. Karlsruhe 6,7 %

21. Hagen 6,6 %

22. Essen 6,5 %

22. Hannover 6,5 %

24. Potsdam 6,4 %

25. Bonn 6,3 %

Die durchschnittliche Quote im Bundesgebiet liegt bei 6,2 %

Quelle: Check24. Die Daten basieren auf Kundenangaben zu Punkten in Flensburg. Datenbasis: alle zwischen dem 01.07.2017 und dem 30.06.2018 über das Vergleichsportal Check24 abgeschlossenen Kfz-Versicherungen. 

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Foto: Check 24

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