Bauarbeiten verhinderten Küchenbetrieb
Nach Insolvenz: Pizzabäcker will Vermieter auf Schadensersatz verklagen

Münster -

Nach drei Stunden trennten sich die Kontrahenten im Landgericht im Unfrieden. Erschienen waren der Vermieter, ein Architekt mit bekanntem Nachnamen, dessen Familie das Haus an der Soester Straße 35 besitzt, und Abdul-Mouin Khatouna, der dort eine Pizzeria betreibt. Genauer: betrieben hat – denn seit Monaten ist hier wegen Bauarbeiten kein Geschäftsbetrieb mehr möglich.

Freitag, 13.07.2018, 08:48 Uhr

Die Pizzeria in der Soester Straße kann wegen Bauarbeiten nicht betrieben werden.
Die Pizzeria in der Soester Straße kann wegen Bauarbeiten nicht betrieben werden. Foto: Arndt Zinkant

Die Komplettsanierung des Hauses hatte schon – wie berichtet – vor knapp einem Jahr so viel Staub und Lärm verursacht, dass eine hygienische Pizza-Küche aus Sicht von Khatouna nicht zu führen war (wir berichteten). Die Kunden blieben aus, die Mietzahlungen ebenfalls.

Der Architekt als Vermieter hatte nun gegen seinen Mieter eine Räumungsklage angestrengt – und nur diese allein stand am Donnerstagmorgen zur Verhandlung; darauf wies die Vorsitzende Richterin mehrfach hin.

Rasch aber wurde deutlich: Für Abdul-Mouin Khatouna ging es um viel mehr. Er steht vor den Scherben seiner beruflichen Existenz. Er sei insolvent und lebe mit seiner Frau und drei Kindern mittlerweile von Hartz IV. Dabei hatte der mehrfach prämierte Pizzabäcker es in acht Jahren zu guten Umsätzen gebracht. Eine Summe zwischen 13 000 und 15 000 Euro sei monatlich im Durchschnitt erzielt worden.

Nutzbarkeit quasi auf Null runtergefahren

Wie nun weitermachen? Khatouna zeigte Videos, die die Richterin überzeugten: „Hier ist Baustelle – kein Restaurantbetrieb“, das sei jedem auf den ersten Blick klar. Ein Unternehmen müsse auch verlässlich präsent sein. Hier aber sei die Nutzbarkeit quasi auf Null runtergefahren. „Da kann man auch nur null Miete verlangen.“

Der Anwalt des Architekten argumentierte, dass „Miss Pizza“ ja eigentlich ein Lieferservice sei – vergebens. Der Staub sitze dennoch in den Lebensmitteln, erwiderte die Richterin. Andererseits war eine Sanierung auch unvermeidlich. „Das Haus stammt aus den 50er Jahren, da wurde nie was dran gemacht“, so der Vermieter.

Richterin plädiert für Einigung 

Er zeigte Bereitschaft, seinem Mieter entgegenzukommen – zumal die Richterin deutlich für eine Einigung plädierte. Eine Stundung der Miete für die ersten sechs Monate nach Bau-Fertigstellung stand im Raum. Diese solle dann in maßvollen Raten abgezahlt werden. Auch ein Darlehen brachte Khatounas Anwalt ins Spiel, da die aufgelaufenen Schulden einen Neustart abwürgen könnten. Das ging der Gegenseite zu weit. „Wir sind keine Bank.“

Schon schien ein Vergleich zum Greifen nah, da machte Abdul-Mouin Khatouna einen harten Schwenk: Ein Neustart sei ohnehin kaum möglich, und er wolle nun den Hauseigentümer auf Schadensersatz verklagen. Auch skeptische Einwände der Richterin („Recht haben heißt nicht, Recht bekommen“) stimmten Khatouna nicht um. Er gibt sich kämpferisch: „Selbst, wenn ich verliere, bin ich nicht traurig.“

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5901885?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
„Frau wäre fast unter Auto geraten“
(Symbolbild)
Nachrichten-Ticker