Bäume leiden unter Trockenheitsstress
Waldbrandgefahr: Keine Entwarnung nach dem Regen

Münster -

Es hat geregnet, es ist kühler geworden: War es das mit der großen Trockenheit? Münsters Stadtförster winkt ab: Das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Freitag, 10.08.2018, 18:35 Uhr

Die alte Robinie am Friedrich-Ebert-Platz brach bei stürmischem Wind auseinander. Am Freitag wurde sie zerlegt.
Die alte Robinie am Friedrich-Ebert-Platz brach bei stürmischem Wind auseinander. Am Freitag wurde sie zerlegt. Foto: Björn Meyer

Wochenlang haben Förster und Waldbesitzer nichts so sehnlich erhofft wie Regen. Nun hat es geregnet, sogar verhältnismäßig kräftig, und die Temperatur hat spürbar nachgelassen. Ist damit die Waldbrandgefahr gebannt?

„Ich kann keine Entwarnung geben“, sagt Stadtförster Hans-Ulrich Menke. „Der einzige Unterschied, den Sie im Wald bemerken: Es staubt nicht mehr so.“ Das Regenwasser habe kaum Gelegenheit erhalten, die Baumwurzeln zu erreichen. „In der Hohen Ward finden Sie Stellen unter Bäumen, die komplett trocken geblieben sind.“ Zehn Tage hartnäckiger Landregen – das hätte geholfen.

Das wenige Wasser auf den Blättern sorge höchstens für etwas Abkühlung. Doch in kürzester Zeit sei wieder alles ausgetrocknet. Der Regen am Donnerstag habe allenfalls bis Freitagmittag gewirkt, Stadt- und Waldbäume leiden unverändert unter Trockenheitsstress. Betroffen sind vor allem Flachwurzler: Hans-Ulrich Menke berichtet, dass selbst in unmittelbarer Nähe zum Aasee große Bäume wie Erle und Birke derzeit schlappmachten, während etablierte Tiefwurzler wie Linde und Eiche immer noch standhielten.

Beschleunigte Verdunstung des Oberflächenwassers

Regen und kühlere Temperaturen bringen immerhin kurzfristige Entspannung, während der stürmische Wind für neue Probleme sorgt. Zum einen beschleunigt er die Verdunstung des Oberflächenwassers, zum anderen sind die ausgetrockneten Bäume nicht mehr so elastisch wie sie sein sollten. Von großen Sturmschäden wie in den Nachbarkreisen ist Münster verschont geblieben – es gab nach Auskunft von Hans-Ulrich Menke vor allem einige Brüche. Allerdings hat es eine Robinie am Friedrich-Ebert-Platz erwischt, die am Freitag vom Grünflächenamt zerlegt und abtransportiert wurde.

Der Baum sei regelrecht auseinandergebrochen – allerdings war er bereits verseilt und darum stabil. „Ein alter Baum mit einem Durchmesser von 70 Zentimetern“, sagt der Förster. „Das ist sehr schade.“

So wirkt das trockene Wetter sich für die Verbraucher aus

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  • GETREIDE: Besonders im Norden und Nordosten Deutschlands klagen die Landwirte über zu trockenes Wetter. Die Ernte musste früher beginnen, obwohl die Körner in vielen Fällen noch nicht ausreichend gereift und damit zu klein sind. Laut Bauernverband liegt die Ernte mit 41 Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. „Wir haben nicht nur in Norddeutschland Trockenheit, sondern im ganzen baltischen Raum, in Osteuropa, in der Schwarzmeer-Region“, sagt Funk. Erstmals seit etwa fünf Jahren würden die weltweiten Getreide-Bestände abnehmen. Dennoch drohe keine Knappheit. Er rechne damit, dass die Weltmarktpreise steigen, aber nicht sehr stark.

    Foto: Sebastian Willnow
  • MEHL: Die Mühlen beziehen ihr Getreide zu 95 Prozent aus dem Inland, sagt Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen. Auch wenn die Ernte in einigen Teilen Deutschlands schlecht bis katastrophal werde, würden die Mühlen ihre Rohstoffe bekommen. Jedoch werde der Aufwand größer, Getreide in der gewünschten Qualität zu erhalten. „Und ein Aufwand im Unternehmen hat Auswirkungen auf die Kosten.“ Es gebe also Anzeichen, dass Mehl teurer werden könnte.

    Foto: colourbox.de
  • MILCHPREISE: Butter koste derzeit relativ viel, weil die Nachfrage gut sei, so Andreas Gorn von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft in Bonn. Die Preise ändern sich häufig. Für Trinkmilch und Frischmilchprodukte werden sie mit den Erzeugern in halbjährlichen oder jährlichen Verträgen festgeschrieben. Experten gehen davon aus, dass zum Herbst hin die Milchpreise wieder steigen werden, vor allem wegen der starken Nachfrage nach Butter. Preissteigerungen wegen geringerer Milchmengen sind derzeit nicht absehbar.

    Foto: dpa
  • BROT: Ob sich die schlechte Getreideernte auch auf die Brotpreise auswirkt, kann der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks noch nicht beantworten. Der Mehl- beziehungsweise Getreideanteil in Backwaren sei von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Preiserhöhungen seien von vielen Faktoren abhängig und könnten von Unternehmen zu Unternehmen variieren, sagt Mathias Meinke für den Zentralverband.

    Foto: dpa
  • MILCHVIEH: Auch viele Milchbauernhöfe in Norddeutschland leiden unter dem heißen und trockenen Wetter. Das von den Wiesen gemähte Grünfutter sei nicht so gehaltvoll und nährstoffreich wie notwendig, sagt Mathias Klahsen, Referent bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Situation sei regional sehr unterschiedlich. Allerdings verringere sich bei Temperaturen über 18 Grad Celsius auch die Milchleistung der Kuh. Die Landwirte müssten also mit geringeren Erträgen und höheren Futterkosten kalkulieren. Jedoch gebe es auch Regionen in Deutschland, die diese Trockenheitsprobleme nicht hätten, betont Verbands-Sprecher Börgermann.

    Foto: Gunnar A. Pier
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