Überraschung auf dem Wochenmarkt
Freudentränen zum Abschied

Münster -

Eigentlich möchte sich Angelika Schmalz nach 35 Jahren still und leise vom Wochenmarkt am Dom verabschieden. Freunde, Familie und Kollegen überraschten die Blumenhändlerin am Samstag dagegen mit einer kleinen Party am Stand.

Sonntag, 12.08.2018, 13:38 Uhr

Sprachlos war Angelika Schmalz (M.) am Samstagmorgen, als rund 70 Gäste an ihrem Blumenstand auf dem Wochenmarkt am Dom auftauchten, um ihr den Abschied zu versüßen. Am kommenden Mittwoch schlägt sie ein letztes Mal ihren Stand am Dom auf.
Sprachlos war Angelika Schmalz (M.) am Samstagmorgen, als rund 70 Gäste an ihrem Blumenstand auf dem Wochenmarkt am Dom auftauchten, um ihr den Abschied zu versüßen. Am kommenden Mittwoch schlägt sie ein letztes Mal ihren Stand am Dom auf. Foto: gh

„Das ist der Hammer.“ Mehr fällt Angelika Schmalz zu dem plötzlichen Rummel vor ihrem Marktstand am Samstagmorgen nicht mehr ein. Sprachlos ist die 60-Jährige eher selten. Natürlich verdächtigt sie spontan Lebenspartner Ludger Lindenblatt, dass er die Überraschung eingestielt habe. Aber dem sei nicht so, versichert dieser glaubhaft. Thomas Frönd gesteht, dass er einer der Initiatoren sei, die die Überraschung in kurzer Zeit aus dem Hut zauberten. „Alle haben mitgeholfen“, freut sich der Gelmeraner.

Sektkorken knallen

Nichts fehlt an diesem Morgen. Die Sektkorken knallen, die Gäste überreichen Angelika Schmalz Blumen. Auf einem Plakat machen sie deutlich, warum sie gekommen sind: „Eine Ära geht zu Ende, wir verabschieden eine Legende.“

In der Tat gehört Angelika Schmalz auf dem münsterischen Wochenmarkt am Dom seit Jahrzehnten mit zu den traditionellen Betrieben. Ihr Sortiment ist inzwischen eine Rarität. Ob Alpenveilchen, Begonien, Azaleen oder Geranien – Angelika Schmalz hat das ganze Programm klassischer Topfpflanzen im Angebot.

Riesenüberraschung zum Abschied

Jahrzehnte verkauft die gelernte Floristin ihre blühende Pracht. Jetzt hört sie auf. „Seit Kindesbeinen bin ich auf dem Markt“, erzählt die heute 60-Jährige. Am kommenden Mittwoch steht sie ein letztes Mal um fünf Uhr auf und fährt in die Innenstadt. Auch ihre Gärtnerei am Schiffahrter Damm wird sie schließen.

Am liebsten hätte sie sich still und leise vom Markt zurückgezogen. Doch Freunde und Bekannte sowie Nachbarn sehen das anders. Dass sich Angelika schmalz einfach verdrückt, „das können wir nicht zu lassen“, sagt Thomas Frönd. Mit dem Song „It‘s time to say goodby“ baut sich die Gästeschar vor dem Stand auf. Angelika Schmalz verdrückt nun doch ein paar Tränchen. Händlerkollegen schauen vorbei. Man kennt sich halt auf dem Wochenmarkt.

Abschied vom Wochenmarkt am Dom

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  • Nach 35 Jahren verabschiedet sich Angelika Schmalz vom Wochenmarkt am Dom. Gäste überraschten die Blumenhändlerin am Samstag. Foto: gh
  • Nach 35 Jahren verabschiedet sich Angelika Schmalz vom Wochenmarkt am Dom. Gäste überraschten die Blumenhändlerin am Samstag. Foto: gh
  • Nach 35 Jahren verabschiedet sich Angelika Schmalz vom Wochenmarkt am Dom. Gäste überraschten die Blumenhändlerin am Samstag. Foto: gh
  • Nach 35 Jahren verabschiedet sich Angelika Schmalz vom Wochenmarkt am Dom. Gäste überraschten die Blumenhändlerin am Samstag. Foto: gh
  • Nach 35 Jahren verabschiedet sich Angelika Schmalz vom Wochenmarkt am Dom. Gäste überraschten die Blumenhändlerin am Samstag. Foto: gh
  • Nach 35 Jahren verabschiedet sich Angelika Schmalz vom Wochenmarkt am Dom. Gäste überraschten die Blumenhändlerin am Samstag. Foto: gh
  • Nach 35 Jahren verabschiedet sich Angelika Schmalz vom Wochenmarkt am Dom. Gäste überraschten die Blumenhändlerin am Samstag. Foto: gh
  • Nach 35 Jahren verabschiedet sich Angelika Schmalz vom Wochenmarkt am Dom. Gäste überraschten die Blumenhändlerin am Samstag. Foto: gh

Mit diesem Auflauf hat die Blumenhändlerin aus Gelmer überhaupt nicht gerechnet. Alle haben dicht gehalten und nichts verraten, selbst Lebensgefährte Ludger Lindenblatt nicht.

Aufhören, solange man fit ist

Seit Jahresbeginn beschäftigt sich Angelika Schmalz mit dem Schritt, das Geschäft zu schließen. Ein letztes Mal hat sie darum in diesem Jahr ihre Sommerblumen gezogen. An Stiefmütterchen und Hornveilchen für den Herbst braucht sie nicht mehr zu denken. Die 60-Jährige möchte aufhören, wenn es noch geht, sagt sie. Ihr fehlt ein Nachfolger, außerdem sei der Betrieb alt geworden. Und irgendwann müsse sie einfach Schluss machen, „rechtzeitig, wenn man noch einigermaßen fit ist“.

Angelika Schmalz hat die Gärtnerei von den Eltern geerbt, die den Betrieb 1957 am Schifffahrter Damm aufgebaut haben. Die 60-Jährige ist jetzt im 35. Jahr am Ball. Die Schmalz-Tradition geht bis zu den Großeltern zurück, die schon mit Blumen gehandelt haben.

Der Blumenstand auf dem Domplatz ist bekannt. In erster Linie wegen des Sortiments, aber auch, weil er in der Nähe der wohl berühmtesten Toilettenanlage Münsters steht, die für die Skulptur-Projekte vor 21 Jahren saniert wurde. Farbige Fliesen, schmucke Waschbecken und ein gute-Laune-Kronleuchter verpasste Künstler Hans-Peter Feldmann damals der unterirdischen der WC-Anlage. Angelika schmalz wurde oft danach gefragt, wo denn die Toiletten seien.

Zeit für ein Schwätzchen ist immer

Mindesten einmal im Laufes eines Markttages kommt außerdem fast jeder Händler bei Angelika Schmalz vorbei. Zeit bleibt immer für ein Schwätzchen.

Die 60-Jährige ist überzeugt, auch nach dem Marktende keine Langeweile zu haben. „Vielleicht gehen wir jetzt mal selbst zum Stadtfest“, schmiedet sie Pläne. Denn das sei ihr erster freier Samstag seit Jahrzehnten.

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