Hitzewelle verschärft das City-Lärmproblem
In lauen Nächten ist die Jugend besonders laut

Münster -

Wer in Münsters Innenstadt wohnt, hat es gut. Urbanes, pulsierendes Leben, kurze Wege, viele Kneipen. Das hat seinen Preis – und manch einem wird er in diesen Hitzetagen zu hoch. Sprich: Die nächtliche Ruhestörung nimmt für manche City-Bewohner solche Ausmaße an, dass erholsamer Schlaf kaum mehr möglich sei.

Montag, 13.08.2018, 07:47 Uhr

Hitzewelle verschärft das City-Lärmproblem: In lauen Nächten ist die Jugend besonders laut
Wenn es im Sommer draußen heiß und laut ist, ist für viele nicht mehr an Schlafen zu denken. Foto: Dpa

Das jedenfalls berichtet Tobias Schmidt, der an der Aegidiistraße wohnt. Dort sei es schon baulich so, dass der Schall zwischen den Häusern „kleben“ bleibe. Und was sich dort an Geräuschen fängt, sei in diesen warmen Nächten vornehmlich nicht der Lärm der Gas­tronomie – die würden sich an ihre vorgeschriebenen Zeiten halten. Die Ruhestörung gehe meist von jungen Leuten aus: Ghettoblaster, Gegröle oder auch privater Partylärm, teilweise bis in die frühen Morgenstunden. Was umso schwerer wiege, weil natürlich derzeit jeder bei offenem Fenster schlafe.

30 bis 40 Prozent mehr Beschwerden

Die Geräuschmessung des Ordnungsamtes sei vor Ort jedoch stets bei geschlossenem Fenster vorzunehmen, erläutert Fachstellenleiter Hendrik Weihermann. Dort beurteilen die Mitarbeiter dann, wie stark die Lärmbelastung in der Wohnung ausfalle. Dann würden die Ruhestörer gegebenenfalls ermahnt – und meistens klappe das auch tadellos. „In fast 99 Prozent der Fälle“, so Weihermann.

Natürlich sei in den vergangenen acht Wochen durch die heißen Nächte eine Beschwerde-Zunahme von „gefühlten 30 bis 40 Prozent“ zu verzeichnen. An den üblichen Schwerpunkten: am Aasee, rund um den Bremer Platz oder am Südpark; zeitlich am Wochenende oder am studentischen Ausgeh-Mittwoch. Aber: „Alles nicht dramatisch.“ Man solle die Lärmenden erst einmal ansprechen.

"Ansprechen bringt nichts"

„Zwecklos – direktes Ansprechen bringt nichts“, meint Anwohner Tobias Schmidt, der schon mehrmals die Polizei gerufen hat. Nach Mitternacht ist das Ordnungsamt nicht besetzt, am Wochenende nach 2 Uhr nicht mehr. Ob Polizei oder Ordnungsamt: Zunächst erfolgt eine Ermahnung, der die Störer meist nachkommen – so sagt es Hendrik Weihermann.

Anzeige nach der zweiten Ermahnung

Polizei-Pressesprecher Andreas Bode schildert es ähnlich. Wer sich beim zweiten Mal uneinsichtig zeige oder offenkundig rücksichtslos, bekomme eine Anzeige. Insgesamt verzeichnete die Polizei Münster im Monat Juli 631 Lärmbeschwerden, wobei die Doppelmeldungen bereits abgezogen sind. Ein deutlicher Anstieg gegenüber dem vorigen Sommer.

Entscheidend sei, da sind sich alle einig, die normale Rücksichtnahme auf Alte, Kranke und jeden, der seinen Schlaf braucht. In einer jungen Stadt wie Münster sei dies hinzunehmen, meinen viele. Tobias Schmidt hingegen überlegt bereits, aus der schönen Innenstadt der Westfalenmetropole wieder wegzuziehen.

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