So., 16.07.2017

Großes Mendelssohn-Programm bei den AaSeerenaden Meeresstille auf dem Binnensee

Warme Jacke, heißblütiges Spiel: Geigerin Mirijam Contzen.

Warme Jacke, heißblütiges Spiel: Geigerin Mirijam Contzen. Foto: Arndt Zinkant

Münster - 

Die Geigerin schaute skeptisch: Jacke an oder aus? Mirijam Contzen entschied sich, nicht auf das wärmende Textil zu verzichten. Schade um das schöne Kleid – aber es ging ja um die Musik. Und der Freitagabend war eben doch nicht ganz so lau, wie manche erwartet hatten. Das bescherte den AaSeerenaden nicht ganz so proppenvolle Steintreppen, aber doch ein zahlreiches und aufmerksames Publikum. Und es lohnte sich.

Von Arndt Zinkant

Mendelssohn pur. Die Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ als Reverenz an den Genius loci. Die „Reformationssymphonie“ als Reverenz an das Lutherjahr. Und das Violinkonzert als Reverenz an Mirijam Contzen, die aus Münster stammt. Ihre Darbietung war vom ersten bis zum letzten Ton ein Ohrenschmaus – wie überhaupt die Neue Philharmonie Westfalen unter Enrico Delamboye mit einer Mischung aus romantischem Überschwang und orchestraler Feinarbeit der Musik wunderbar gerecht wurden. Dass die Tonanlage den Streichern etwas Schmelz vorenthielt, war zu verschmerzen.

Denn wie zauberisch ist es, „Meeresstille und glückliche Fahrt“ zu hören, wenn sich direkt neben dem Orchester Segelboote im Wellengang wiegen und Möwen darüber hinwegfliegen! Die Interpreten schlugen muntere, straffe Tempi an, und besonders das Blech war in Topform. Das Violinkonzert wirkte so frisch wie am ersten Tag – obwohl Mirijam Contzen keine Extravaganzen eingebaut hatte. Bei ihrem ebenso süßen wie noblen Ton hat sie das auch nicht nötig. Das grandiose Hauptthema, das innige Andante, das quirlige Schluss-Allegro, alles verschmolz zu einer exzellenten Interpretation.

Mendelssohns „Reformationssymphonie“ verweigert sich dem unbeschwerten Melodienreichtum, den viele seiner Werke sonst ausmachen. Kaum selbstverständlich, dass ein so ernstes Werk open air am Aasee (großteils) konzentrierte Zuhörer findet. Vom feierlichen „Dresdner Amen“ bis zum Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ gelang eine spannende Aufführung. Für unbeschwerteren Jazz-Sound waren im zweiten Teil Christian Kappe und „UniJAZZity“ zuständig.

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