So., 23.03.2014

Abtreibungsgegner und -Befürworter demonstrieren zeitgleich Für und gegen „1000 Kreuze“

Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählte der „Gebetszug – 1000 Kreuze für das Leben“. Die ungefähr doppelt so starke Gegendemonstration versuchte, den Zug zu stören. Die Polizei trennte beide Seiten nach Kräften.

Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählte der „Gebetszug – 1000 Kreuze für das Leben“. Die ungefähr doppelt so starke Gegendemonstration versuchte, den Zug zu stören. Die Polizei trennte beide Seiten nach Kräften. Foto: pesa

Münster - 

Der „Gebetszug – 1000 Kreuze für das Leben“ zog am Samstag durch die münsterische Innenstadt. Eine ungefähr doppelt so starke Gegendemonstration versuchte, den Zug zu stören. Es kam zu Rangeleien und Strafanzeigen.

Von Peter Sauer

Es ist ein bizarres Bild: Mit weißen Kreuzen in der Hand, Fotos von Föten, einem Kindersarg und schwarzen Transparenten zogen am Samstagnachmittag rund 200 Menschen aus ganz Deutschland singend und betend durch die Innenstadt. Der „ Gebetszug – 1000 Kreuze für das Leben“ will so gegen Abtreibung und Schwangerschaftsabbrüche demonstrieren. „Wir setzen uns für die Schwächsten ein, für die Kinder im Mutterleib. Jedes hat ein Recht zu leben“, betonte Veranstalter Wolfgang Hering .

Rund 400 größtenteils vermummte Menschen beteiligten sich bereits am Vormittag an der Gegendemo „Raise your voice – your body, your choice!“. Laute Rockmusik, Regenbogen-Fahnen, Lautsprecher-Reden und verkleidete oder vermummte Demonstranten, die sich oft hinter ihren provokativen Spruchbändern versteckten.

Viele Passanten fanden dies albern: „Bei einer Demonstration zeigt man Flagge und Gesicht“, kritisierte der 59-jährige Chris Höing . Eine Drei-Generationen-Familie aus Warendorf lobte hingegen, dass auch „Intersexualität“ und „freie Sexualität“ thematisiert wurden. Ute, Wolfgang und Anna Wördenweber aus Lippetal zeigten sich überrascht, dass man „heute noch für ein freies Recht auf Abtreibung demonstrieren“ müsse.

Hundertschaft der Polizei im Einsatz

Eine Hundertschaft der Polizei war für beide Demonstrationen im Einsatz. So prägten entweder Demonstranten das Stadtbild oder die rund 20 Einsatzwagen und Motorräder der Polizei. „An einen romantischen Einkaufs­samstag ist dabei nicht zu denken“, ärgerten sich zahlreiche Geschäftsleute und Passanten.

Vor allem, weil es nicht immer friedlich blieb. Bevor die Gegendemo am Hauptbahnhof starten konnte, gab es bereits ein Bußgeldverfahren. Denn der Versammlungsleiter wollte keine Ordner stellen. Die sind aber Pflicht. Im Hamburger Tunnel und auf der Ludgeristraße zündeten Teilnehmer einen Böller. Die Folge: Zwei Strafanzeigen.

Vermummte Demonstranten gingen Journalisten an

Auf ihrem Weg gingen vermummte und mit Regenschirmen bewaffnete Demonstrationsteilnehmer wiederholt Journalisten an. Mit vollem Körpereinsatz wollten sie vor allem Fotos verhindern. Im weiteren Verlauf bespuckten sie auch Passanten. Die Folge: Eine Anzeige wegen Körperverletzung.

Die Situation spitzte sich zu, als am Nachmittag 200 Gegendemonstranten versuchten den „Gebetszug“ zu stören und aufzuhalten. Mit einer pink kostümierten Trommelgruppe, lautstarken Pfeifkonzerten, Stinkefingern und massenhaft Konfetti-Regen auf die betenden Demonstranten. Drei stark Vermummte erwartet ein Strafverfahren. Schlimmeres vermied die Polizei durch rigorose temporäre Schutzsperren rund um den Gebetszug, sowie durch kurzfristige Verlegung der Strecke.

Polizei: „Der Versammlungsfreiheit Geltung verschafft“

Da einmal von der Polizei abgewehrte Gegendemonstranten quer durch die Innenstadt liefen, um den Gebetszug von vorne oder von der Seite irgendwie zu stören, täuschten mehrere Mannschaftswagen einen Verlauf der Demo auf der Salzstraße vor, während diese ungestört über die Klosterstraße verlief.

Einsatzleiter Polizeidirektor Martin Mönnighoff zog eine positive Bilanz: „Vereinzelte Versuche, die Versammlung der Abtreibungsgegner aufzuhalten, hat die Polizei konsequent verhindert und der Versammlungsfreiheit Geltung verschafft.“

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