9000 Lehramtsstudenten an der Uni

Mi., 01.02.2012

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Wer Lehrer werden will, muss sich in der Praxis beweisen

9000 Lehramtsstudenten an der Uni : Wer Lehrer werden will, muss sich in der Praxis beweisen

Dominik Driebold (2.v.l.) arbeitet während seines Studiums einmal wöchentlich als Mentor einer Schüler-Gruppe in der Realschule Wolbeck. Bald wird er selbst Lehrer sein. Foto: Bettina Goczol

Münster - 

Münster - Bin ich eher lebhaft oder ruhig, gelassen oder angespannt, warmherzig oder kühl? Das sind Fragen, die sich heute jeder, der Lehrer werden will, schon ganz am Anfang seines Studiums gestellt hat. Es sind Fragen aus dem CCT-Online-Testprogramm (Career Counselling for Teachers), anhand dessen jeder sehen kann, ob er ein geeigneter Lehrer wäre. Die Wirklichkeit in den Schulen, wenn man vor der Klasse steht, sieht trotzdem noch mal anders aus.

Von Karin Völker

Das sagen die sieben Lehramtsstudenten in der Masterphase, die sich an diesem Freitagmorgen zum Abschluss ihres Praktikumskurses „Studierende als Mentoren“ im Zentrum für Lehrerbildung an der Hammer Straße treffen. Jessica Amankona gibt jedenfalls unumwunden zu, im Laufe des Studiums „immer mal wieder“ daran gezweifelt zu haben, ob sie wirklich den richtigen Beruf gewählt hat. Nun fragt sich das die angehende Spanisch- und Französisch-Lehrerin nicht mehr: „Jetzt bin ich sicher“, sagt sie – und ihre Kollegen im Seminar nicken. Jeder von ihnen betreut in einer Schule über ein Semester hinweg eine Schülergruppe – und fördert sie individuell. „Dabei lernt man viel“, sagt Dominik Driebold, der einmal in der Woche einige Stunden mit Jugendlichen in der Realschule Wolbeck arbeitet. Er und die anderen Studenten haben in anderen Praktika auch schon ganze Klassen unterrichtet, gemerkt, wie es sich anfühlt, Kindern etwas beibringen zu wollen.

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Wenn es nach Prof. Wolfgang Scheerer, dem Leiter des „Zentrums für Lehrerbildung“, geht, müssten die Studenten schon vor ihrem Studienbeginn ein achtwöchiges Eignungspraktikum hinter sich haben. Das ist auch so in der Studienordnung vorgesehen, hat aber einen Haken: Wenn jemand gleich nach dem Abitur das Studium aufnehmen will, ist es aus Termingründen kaum möglich, seine Eignung acht Wochen lang zu testen. „Erst hat man noch kein Abitur, wenig später sind Ferien“, fassen die Studenten im Mentoren-Seminar zusammen.

Dass es in den ersten Semestern gar keine pädagogische Praxis gab, das gefiel Anna Göllner zuerst nicht. Mittlerweile ist sie aber froh darüber, fachlich gut in ihren Fächern Chemie und Deutsch vorbereitet zu sein. „Jetzt habe ich den Kopf frei fürs Unterrichten“, sagt Anna Göllner.

„Es hat sich eine Menge in der Lehramtsausbildung getan“, sagt Wolfgang Scheerer, der seinen Job als Seniorprofessor wahrnimmt und darum lange zurückblicken kann. Heute kommt niemand mehr bis zum Referendariat, ohne dabei eine Schule aus der Lehrerperspektive erlebt zu haben – das war vor 20 Jahren noch anders. Müssten die Lehrer heute demnach grundsätzlich besser geeignet sein? „Auch die Schule hat sich sehr geändert“, sagt Scheerer – und die Studenten im Seminar stimmen ihm zu. Den alten Frontalunterricht mit einem Monologe haltenden Lehrer hat von ihnen in den Praktika niemand mehr erlebt.


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