Hier pocht das Schicksal an die Pforte
Do., 02.02.2012
Konzert des Jungen Sinfonieorchester der Universität in der Aasee-Aula wird heute wiederholt
Constantin Hesselmann (vorne) leitet in diesem Wintersemester das Junge Sinfonieorchester der Universität und stellte mit ihm in der Aasee-Aula das Semesterabschlusskonzert vor.
Münster -
Gaudeamus igitur! So schmetterte es der alte Johannes Brahms im Orchester, kaum dass die Universität Breslau ihn zum Ehrendoktor gemacht hatte. Seine „Akademische Festouvertüre“ wäre somit eigentlich ein Pflichtstück für Studi-Orchester, wird aber auch nicht öfter gespielt als andere Schmankerln.
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Das Junge Sinfonieorchester der WWU setzte sie an den Beginn des Semesterabschlusskonzerts und ließ das – für Brahms wahrhaft untypische – Tschinderassa mächtig krachen. Die heute weniger bekannten Burschenlieder lässt er Komponist in gewohnt kunstvoller Manier durch den schelmischen Satz hüpfen – etwas zu kunstvoll für die „Jusis“. Den Streichern saß die Kälte in den Fingern, das Blech muss im Winter ohnehin um sauberen Ansatz fürchten.
Insgesamt aber ein schönes Konzert, denn das Orchester wuchs im Finale (Beethovens Fünfte!) über sich hinaus. Statt akademischer Fingerübungen echtes Titanen-Brio, vom Dirigenten Constantin Hesselmann mit Verve gezündelt.
Tatataaah! Hier pocht das Schicksal noch an die Pforte wie eh und je. Die Tempi durchaus zügig, aber weit weg vom „originalgetreuen“ Affenzahn, der sich mittlerweile eingebürgert hat. Wo Drive und Dramatik gefragt sind, fühlen sich die Streicher wohl, der Charme des Andantes ist bei den Celli gut aufgehoben, und die Aasee-Aula gehört zu den wenigen Sälen, wo’s auch ordentlich klingt. Hesselmann hält die Spannung bis zum finalen C-Dur-Jubel, der den Grundstein für die gesamte Symphonik legte. Danach verbietet sich eigentlich jede Zugabe, aber die Macht der Tradition bescherte dem Saal noch Saint-Saëns’ ironisches „Totentanz“-Gefiedel.
Vor der Pause gab es das Concerto grosso „Palladio“ von Karl Jenkins (geboren 1944). Ansprechender Pseudo-Barock, den man noch aus der Diamantenwerbung der 90er Jahre kannte. Und hinreißend, wie Vaughan Williams in seiner „English Folksong Suite“ die alten Weisen tanzen lässt. Die „Dubliners“-Fans (und davon gibt’s in Münster viele) haben wohl das Lied „High Germany“ erkannt. Wo Folk und Symphonik sich treffen, ist Gänsehaut garantiert.
Das Konzert am Freitag wiederholt.
Das Konzert findet am Freitag (3. Februar) um 20 Uhr in der Aasee-Aula, Scharnhorststraße 102, Eintritt ist frei.
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