Prorektorin Marianne Ravenstein hört auf
Kapitänin der Lehre geht von Bord

Münster -

Annähernd zwölf Jahre war Marianne Ravenstein Prorektorin für Lehre an der Uni Münster. Jetzt gibt sie ihr Amt auf.

Mittwoch, 28.02.2018, 13:02 Uhr

Dr. Marianne Ravenstein im Hörsaal voller Studierender – um Studium und Lehre drehte sich die Arbeit der Prorektorin, die nach zwölf Jahren Abschied von ihrem Amt nimmt.
Dr. Marianne Ravenstein im Hörsaal voller Studierender – um Studium und Lehre drehte sich die Arbeit der Prorektorin, die nach zwölf Jahren Abschied von ihrem Amt nimmt. Foto: WWU/Peter Lessmann

Der Einstieg ins Amt vor fast zwölf Jahren verlief, gelinde gesagt, turbulent. In den Schloss-Büros des Rektorats lief die Kunde ein, dass vor dem Germanistischen Institut an der Johannisstraße Hunderte von Studenten stünden, die keine Seminarplätze erhalten hätten. Die Stimmung war aufgeheizt, kurz vor dem Siedepunkt. Zusammen mit der damals neuen Uni-Rektorin Prof. Ursula Nelles fuhr die soeben als Prorektorin für „Lehre und studentische Angelegenheiten“ gewählte Dr. Marianne Ravenstein zum Ort des Unmuts. „Die Studierenden waren zu Recht sauer“, erinnert sich Marianne Ravenstein heute. „Wir haben ihnen deswegen versprochen, dass sie alle innerhalb einer Woche einen Seminarplatz haben würden. Dieses Versprechen haben wir eingelöst.“

Die meisten schaffen den Bachelor in den veranschlagten sechs Semestern.

Dr. Marianne Ravenstein

In diesen Tagen denkt Marianne Ravenstein häufiger als üblich an solche und ähnliche Ereignisse zurück. Denn am heutigen Mittwoch ist Marianne Ravensteins letzter Arbeitstag als Prorektorin für die Belange der Lehre. Gesundheitliche Gründe zwingen sie zum Rückzug aus ihrem Amt, das sie in den letzten Jahren hauptamtlich geführt hat. Ihre Bilanz? Die Organisation des Lehrbetriebs habe sich seit 2006 stark verändert - und, das wagt sie mit aller Vorsicht zu sagen, nicht zum Schlechteren.

Einen Chaostag wie damals zu Semesterbeginn im Germanistischen Institut hat es jedenfalls nicht mehr gegeben. Das große Thema der ersten Jahre im Amt war die sogenannte Bologna-Reform, also die Umstellung der Studiengänge auf das Bachelor-und Master-System. Heute gibt es 262 Studiengänge an der WWU. Wenn Marianne Ravenstein nach dem Fächerspektrum gefragt wurde, dann zählte sie der Einfachheit lieber auf, welche Fachrichtungen man nicht an der WWU studieren kann: Ingenieurwissenschaften, Tiermedizin und Agrarwissenschaften.

Alle Studiengänge brauchen als eine Art Genehmigung eine sogenannte Akkreditierung - Marianne Ravenstein hat Dutzende derartiger Verfahren begleitet. Das meiste Papier wälzte sie, als die Uni Münster sich für Mittel aus dem Qualitätspakt Lehre, finanziert von Bund und Ländern, bewarb. Es wurde einer der größten finanziellen Erfolge für die WWU: In den beiden Antragsrunden erzielte die Uni Münster mit den von Marianne Ravenstein verantworteten Konzepten die bundesweit jeweils höchste Fördersumme - rund 53,2 Millionen Euro fließen an der Universität.“Damit konnten wir die Situation in der Lehre spürbar verbessern“, sagt die Prorektorin. Beispielsweise mit vorgezogenen Berufungen, zusätzlichen Stellen für Lehrkräfte, Geld für neue Lehrkonzepte und die Gestaltung der Studieneingangsphase.

Damit konnten wir die Situation in der Lehre schon deutlich spürbar verbessern.

Dr. Marianne Ravenstein

In die „Antragsprosa habe ich mich eingearbeitet“, erzählt Marianne Ravenstein, die eigentlich einen anderen, lebendigeren Sprach-Stil bevorzugt. Ihr Publizistik-Studium an der Uni Münster begann die Rheinländerin aus Kerpen 1976 mit dem klaren Ziel, Journalistin zu werden. Als studentische Hilfskraft schlitterte sie gewissermaßen in den Unibetrieb, promovierte, arbeitete am Institut für Kommunikationswissenschaft als Nachwuchswissenschaftlerin und stieg schließlich bis zur Instituts-Direktorin auf - der Journalismus rückte in den Hintergrund. Die Uni als Ganzes mit ihren vielen Fächern und den sie tragenden Menschen lernte sie vor allem in ihrer Funktion als Gleichstellungsbeauftragte in den Jahren 1999 bis 2006 kennen. „Das war eine Top-Vorbereitung für das spätere Amt im Rektorat“, sagt sie.

Es gab viel Kritik an der Struktur der neuen Studiengänge - und Marianne Ravenstein kann das nachvollziehen: Vieles sei stark reglementiert, es bleibe vor allem in den ersten Semestern zu wenig Zeit, sich mit Fachrichtungen abseits seiner Studienfächer oder auch nur der direkten Studienanforderungen zu befassen, sagt sie. Andererseits: Die stärkere Orientierung auf das Ziel Examen tue vielen Studierenden gut. „Die meisten Bewerber schaffen den Bachelor in den veranschlagten sechs und den Master in vier Semestern“, sagt sie. Zudem empfindet nach wie vor die große Mehrheit der Studierenden die Studienzeit als ausgesprochen attraktiv. Marianne Ravensteins Ziel war es dabei vor allem, dabei zu helfen, optimale Studien-Bedingungen zu gewährleisten. „Die Qualität der Lehre wird heute als genauso wichtig angesehen wie die die Qualität der Forschung“, stellt sie fest. Was sie auch freut: dass Studiengebühren, anders als Beginn ihrer Amtszeit im Jahr 2006, heute kein Thema mehr sind. Den Beschluss zur Erhebung von Studienbeiträgen fasste das Rektorat 2007 notgedrungen auf einem abgeschotteten Kasernengelände unter Polizeischutz, begleitet von Protesten der Studierenden. Die Beiträge sind mittlerweile Geschichte. Marianne Ravenstein nahm als Prorektorin seit 2006 an zahlreichen, mitunter hitzigen Sitzungen teil - aber so turbulent wie zu Beginn ihrer Amtszeit wurde es nie wieder...

Prof. Dr. Regina Jucks übernimmt

Neue Prorektorin für Studium und Lehre an der Universität Münster wird am 1. März Psychologin Prof. Dr. Regina Jucks.

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Foto: Karin Völker

Die Hochschulversammlung hat die Leiterin des Zentrums für Hochschullehre bereits im November vergangenen Jahres als Nachfolgerin von Marianne Ravenstein gewählt. Die 47-Jährige wird anders als Ravenstein ihre neue Aufgabe nebenamtlich versehen. Sie wolle digitale Formate in der Lehre fördern, betonte sie nach der Wahl. Außerdem wolle sie das forschende Lernen stärker im Studium verankern und Studierende optimal auf die Arbeitswelt vorbereiten.

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