Teil 4
So., 12.12.2010
Parma oder Nottuln? - Ein Plädoyer für den westfälischen Schinken
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Münster/Nottuln - Ich finde es immer Schade, wenn die Menschen nicht mehr zu ihren regionalen Produkten halten. Nicht, dass wir alle ab sofort nur das essen sollten, was in einem Umkreis von 100 Meter erzeugt werden kann – wo kämen wir denn sonst dahin? Aber es ist eben nun mal so, dass ein lokales Netzwerk von Herstellern binnen weniger Jahre kaputtgehen kann, es aber eine halbe Ewigkeit dauert, so was wieder aufzubauen. Das hat man etwa in meinem Heimatland England leidlich erfahren müssen. Der Nord-Westen, zum Beispiel, war früher für Fleischeintöpfe bekannt, mit allem vom Hotpot mit Lamm bis zu dem eher gewöhnungsbedürftigen Tripe & Onions mit Panzen. Heutzutage sucht man dort allerdings vergebens nach Gerichten oder Produkten, die die Region kennzeichnen. Ähnliches ist in Deutschland zwar nicht passiert, aber die Gefahr lauert, wenn die Kunden sich nicht mehr für regionales interessieren. Lange schien mir das bei Schinken der Fall: Deutsche schwärmen für den Italienischen Parma- oder Spanischen Serrano-Schinken, vergessen aber den Schwarzwälder oder den Katenschinken. Auch hier in Westfalen gibt es auf dem Weihnachtsmarkt eher Burgunder als Westfälischen Schinken. Doch gibt es viele Menschen, die noch leidenschaftlich den lokalen Schinken essen – und noch einige, die den ebenso leidenschaftlich herstellen. Und in nächster Zeit wird ein wichtiger Schritt für die Sicherung dieses Netzes getan: Der Westfälische Schinken wird ob seiner besonderen Machart auf europäischer Ebene geschützt – genauso wie ein Champagner Wein oder ein Parmesan-Käse. Gut so! Und darum sind wir zu einem Schinkenhersteller in Nottuln gefahren, um zu erforschen, was den westfälischen Schinken so ausmacht.
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