Di., 18.10.2016

Die Flucht aus Syrien, Teil 1 Ein Leben in Sicherheit

Basem Salmeh mit drei Kindern in der Wohnung in Homs. Der Mann von Asmaa Aleid war Textilhändler.

Basem Salmeh mit drei Kindern in der Wohnung in Homs. Der Mann von Asmaa Aleid war Textilhändler. Foto: Günter Benning

Münster - 

Seit Sommer 1999 führten mein Mann Basem (47) und ich (44) ein gemeinsames Leben in Homs, im Westen Syriens. Er war Großhändler und hat mit Herrenkonfektion gehandelt. Oft reiste er dafür nach China. Ich war Lehrerin für Arabisch und Islam in der Oberstufe einer privaten Schule. Meine Schwiegermutter lebte mit uns.

Von Asmaa Aleid

Wir ließen unser Leben ruhig angehen und wünschten uns die Verwirklichung unserer Pläne in der Zukunft. Nachdem wir schließlich mit Kindern gesegnet wurden, stand ich vor der bisher größten Verantwortung meines Lebens.

Durch die Augen meiner vier Kinder – die Zwillinge Luna und Mohammad (beide heute 12 Jahre), Tarek (13 Jahre) und Amr (16 Jahre) - sehe ich stets den Glanz des Lebens, sich erneuernde Hoffnung und pure Lebensfreude.

Ich habe für ihre Ausbildung gesorgt und sie groß gezogen. Amr besuchte die private Al Khairia-Schule, die sich in der Nähe eines Militärgeländes befand.

Die Kinder kennen noch nicht die Spielregeln des Lebens, sondern haben einen rosaroten Traum, der ihnen wolkenlose Bilder von einer Zukunft zeichnet. Ich bestärke sie in diesem Glauben, damit sie die Zukunft erhalten, die sie verdienen, sich wirksam einen Platz in der Gesellschaft erarbeiten und mit der Moderne gehen.

Die Schule war ihr zweites Zuhause, in dem sie grundlegende Moral, Werte und Pflichten kennenlernten. Darüber habe ich mich sehr gefreut, bedeutete es doch, dass meine Rolle und Wichtigkeit als Mutter ergänzt wurde.

Langeweile hatte in unserem Leben mit all den Freunden und der Familie nie einen Platz, und das Wichtigste war dabei immer der uneingeschränkte Respekt vor den Freiheiten und Ansichten der anderen.

Das Leben lief in seinen gewohnten Bahnen, und alles schien möglich, solange die Sicherheit in meinem Land vorherrschte. Es gab weder Angst noch Schrecken noch hungrige Mäuler.

Das Leben selbst war eine Quelle der Kraft, und meine Inspiration schöpfte ich aus der Nähe zu Bedürftigen. Ich half, wo auch immer meine Hilfe benötigt wurde, hielt mich aber fern von jedem, der die Heiterkeit des Lebens trübte.

So lebten die meisten Familien in Syrien im Allgemeinen. Man liebt die kleinen Dinge des Lebens, lebt in seiner eigenen kleinen Welt, die jedoch übergangslos mit der der anderen verbunden ist, und strebt nach allem, was dem Leben Würze verleiht.

Doch Lebensgeschichten sind nicht perfekt, und keiner weiß, was morgen ist. In unserem Fall war es der Krieg. Krieg, der das Land aus dem Gleichgewicht brachte, der dem Leben die Freude nahm, und unsere Hoffnungen. Es begann am 15. März 2011 in Homs. Dort hatte es Demonstrationen gegen das Assad-Regime gegeben. Die Armee Assads schlug zu, es wurden Menschen geschlagen, verhaftet, ins Gefängnis geworfen.

Für uns war das eine sehr unruhige Zeit. Wir trauten uns nicht, die Fenster der Wohnung im Stadtteil Alwaar zu öffnen. Mein Sohn Amr berichtete von Snipern – also Scharfschützen – gegenüber seiner Schule. Eines Tages wurde ein Freund von ihm, Ward, auf der Straße erschossen. Er war 14 Jahre alt.

Wir haben es fast ein Jahr lang in Homs unter diesen Bedingungen ausgehalten. Mein Mann hatte seinen Job, unsere Wohnung war groß und angenehm. Aber die Angst wurde immer größer. Schließlich beschlossen wir, Homs zu verlassen. Es war der 12. Februar 2012.

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Übersetzung: Saskia Thurau, Gerd Felder

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