So., 23.06.2013

JVA-Neubau Interview mit Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek: „Schade um die Natur“

Der Truppenübungsplatz östlich von Handorf soll Standort der neuen JVA Münster werden. Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek gibt zu bedenken, dass hier noch viel alte Munition im Boden liegt – und dass hier viele seltene Tier- und Pflanzenarten zu Hause sind.

Der Truppenübungsplatz östlich von Handorf soll Standort der neuen JVA Münster werden. Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek gibt zu bedenken, dass hier noch viel alte Munition im Boden liegt – und dass hier viele seltene Tier- und Pflanzenarten zu Hause sind. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Anfang des Jahres atmeten die Handorfer auf. Die Bundeswehr, hieß es damals, halte an der Lützowkaserne in Handorf fest; insofern habe sich der Plan, ein neues Gefängnis auf dem Kasernengelände zu errichten, erledigt.

Von Lukas Speckmann

Anfang Mai dann der Rückschlag: Handorf ist der vom Land klar bevorzugte Standort für einen Gefängnis-Neubau – allerdings nicht die Kaserne, sondern der alte Truppenübungsplatz vor dem Waldfriedhof Lauheide an der östlichen Stadtgrenze. Seitdem ist der JVA-Neubau im Ort das Thema Nummer eins. WN-Redakteur Lukas Speckmann sprach darüber mit der Bürgermeisterin des Stadtbezirks Münster-Ost, Martina Klimek ( CDU ) – einer Handorferin.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie hörten: Handorf wird es?

Klimek: Ich war sauer – weil ich es aus der Zeitung erfahren habe. Die Landesregierung hat es nicht für nötig gehalten, die Bezirksvertretung als unterste politische Ebene vorab zu informieren. Schon lange vorher bin ich von vielen Handorfern auf das Thema angesprochen worden und konnte mich nicht dazu äußern . . .

Wie erleben Sie heute die Stimmung im Ort?

Klimek: Das Thema ist natürlich Gespräch im „Dorf“. Im Prinzip regen sich die Handorfer vor allem über die Art und Weise auf, wie hier entschieden und informiert wird. Einige machen sich Gedanken über die Sicherheit, auch wenn der Standard sehr hoch ist. Ansässige Landwirte sind verärgert, weil sie bei eigenen Bauprojekten Auflagen ohne Ende bekommen. Und alle bedauern, dass diesem Neubau so viel Natur geopfert werden soll.

Ein öffentliches, weit abgelegenes Gelände nahe der Hauptstraße: Das scheint doch für den Standort zu sprechen . . .

Klimek: Ich sehe zwei Probleme. Zum einen ist der Osten von Handorf nach Ansicht der Naturschützer eines der ökologisch sensibelsten Gebiete der Stadt – hier gibt es eine große Vielfalt seltener Tier- und Pflanzenarten. Und zum anderen handelt es sich bei dem Truppenübungsplatz um das Gelände des alten Militärflughafens, der im Krieg massiv bombardiert worden ist. Ich habe früher bei der Bundeswehr im Stab gearbeitet, ich kenne die alten Luftbilder – dieses Gebiet zu entmunitionieren, wird immense Kosten verursachen. Der Neubau soll direkt über der früheren Landebahn entstehen.

Die Handorfer haben stets einen Zusammenhang zwischen Bundeswehr-Reform und JVA-Neubau gesehen?

Klimek: Das habe ich nie verstanden, dem Gerücht bin ich immer entgegengetreten. Als bekannt wurde, dass das Deutsch-Niederländische Korps nach Handorf verlegt wird, haben viele Bürger offenbar gedacht: Dann kommt das Gefängnis gar nicht. Selbst jetzt ist noch zu hören, der Neubau könnte doch innerhalb der Kaserne entstehen – dabei wird die Kaserne militärisch genutzt.

Welche Einflussmöglichkeit haben denn die gewählten Bezirksvertreter in Münster-Ost auf Entscheidung und Planung?

Klimek: Gar keine. Wenn wir geschlossen gegen den JVA-Neubau stimmen würden, könnte der Rat der Stadt uns überstimmen. Und dessen Einvernehmen wiederum könnte von der Bezirksregierung ersetzt werden. Es ist halt eine Entscheidung des Landes. Wir stellen natürlich unsere Fragen – zum Beispiel, warum der ausführliche Kriterienkatalog erst dann Anwendung findet, wenn schon eine Vorentscheidung für einen Standort getroffen wurde. Und warum unser Bemühen, Handorf durch den Ausbau des Rad- und Reitwegenetzes touristisch nach vorne zu bringen, überhaupt nicht berücksichtigt wurde.

Wird es weitere Bürgerversammlungen geben?

Klimek: Das ist uns zugesagt worden. Ich finde, dass alle unmittelbaren Anlieger, auch jene, die auf Telgter Gebiet wohnen, besonders gut informiert werden müssen.

Würde ein JVA-Neubau Handorf verändern?

Klimek: Während der Bauzeit: ja. Das wird unruhig, es wird Neugierige geben. Ich glaube aber, auf lange Sicht wird Gras darüber wachsen. Wichtig ist, dass auch in Zukunft immer von der „JVA Münster“, nicht von der „JVA Handorf“ die Rede ist. Der geplante Neubau ist weit genug vom Ort entfernt, um damit nicht in Verbindung gebracht zu werden. Von der Warendorfer Straße aus wird das Gefängnis vermutlich nicht mal zu sehen sein.

Welche positiven Effekte könnte es geben?

Klimek: Vielleicht entstehen Arbeitsplätze, vielleicht profitieren Unternehmen – aber das würde ich nicht zu hoch hängen. Wichtiger ist, dass der Neubau den Ausbau der B 51 beschleunigen könnte, das würde Handorf wirklich entlasten. Denn es stimmt: Die Warendorfer Straße ist zu bestimmten Tageszeiten dicht, die Autos stehen bis Lauheide. Und von allen möglichen Gefängnisstandorten hat Handorf die größte Entfernung zum Landgericht.

Hand aufs Herz: Glauben Sie, dass der Standort Handorf doch noch kippen kann?

Klimek: Ich bin mir nicht sicher. Ich spreche mich nicht gegen die JVA aus – wenn alle Kriterien sorgfältig geprüft worden sind. Aber ich glaube, die Themen Umweltschutz und militärische Altlasten sind vielleicht doch vom Landesbaubetrieb BLB unterschätzt worden.

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