Kultur Münster

Mo., 27.07.2009

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Beifall-Orkan für Tastentiger

Haiou Zhang löste im Tibus-Saal einen Beifall-Orkan aus.Foto: (cws)

Münster - Die Menschheit hat es herrlich weit gebracht und baut inzwischen Teleskope, die in weit entfernte Galaxien hineinhorchen. Aber wo bitte ist der Ingenieur, der ein Hörgerät konstruiert, das kein lästiges Dauerfiepen von sich gibt? Die Frage...

Von Chr. Schulte im Walde

Münster - Die Menschheit hat es herrlich weit gebracht und baut inzwischen Teleskope, die in weit entfernte Galaxien hineinhorchen. Aber wo bitte ist der Ingenieur, der ein Hörgerät konstruiert, das kein lästiges Dauerfiepen von sich gibt? Die Frage mag sich vielleicht auch Haiou Zhang gestellt haben, während er sich tapfer an Mozarts Klaviersonate F-Dur (KV 332) machte. Doch nach der Hälfte des ersten Satzes brach er sein Spiel am Sonntag im Tibusstift ab - und los ging die Suche nach einem nicht zu lokalisierenden, nervig permanenten Piepsen. Für den Rest der Sonate war dann Ruhe, bis sich der kleine Helfer im Ohr erneut bemerkbar machte und Beethovens „Mondscheinsonate“ jeglichen melancholischen Zauber zu rauben drohte. Aber so weit kam es nicht, die Störquelle ward abermals gefunden.

Haiou Zhang ging den dynamischen Extremen in Beethovens Sonate nach, vom in sich versunkenen Pianissimo bis zu den harten Akkordschlägen des Presto agitato. Eine Mark erschütternde Interpretation, faszinierend von Anfang bis Ende. Der junge, 1984 in China geborene Pianist, ist inzwischen auf den renommierten Konzertpodien der Welt zu Hause, sein Auftritt im Rahmen der gerade erst gestarteten Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ ein Glücksfall für das münstersche Publikum im fast bis zum den letzten Platz vollbesetzten Saal des Tibusstiftes.

Dort war im zweiten Teil Musik von Franz Liszt zu bestaunen: Liszt, der Mann mit Sinn für Showeffekte wie in der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 - und Liszt, der Transzendente wie in den „Wasserspielen der Villa dEste“ oder dem Petrarca-Sonett 123. Mit Haut und Haar versank Haiou Zhang in diesen so unterschiedlichen Welten, markierte hier mit überschäumender Energie den Tastenlöwen, zeigte sich dort als subtilen Poeten, der Liszt wie ein kleines Geheimnis aus den Klaviertasten streichelte. Mucksmäuschen still war es, die Zuhörer wie elektrisiert.

Der Beifall geriet am Ende erwartungsgemäß zu einem Orkan, für den Haiou Zhang sich bedankte - mit einem Stück aus eigener Feder, geschrieben zum Geburtstag seiner Freundin. Und das ist des Rätsels Lösung, weshalb es in ein wuchtiges „Happy Birthday“ mündet. Nun, irgend jemand im Publikum hatte am Sonntag bestimmt Geburtstag und freute sich innerlich.


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