Kultur Münster
Di., 14.07.2009
Ein Alleinunterhalter am Rande des Wahnsinns
Münster - Alleinunterhalter sind doch ein possierlicher Menschenschlag, mit ihrer Vorliebe für bizarre Glitzerjacketts suchen sie besonders die Nähe von ganz besonderen Menschenansammlungen, wie zum Beispiel Schützen- und Stadtfeste...
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Münster - Alleinunterhalter sind doch ein possierlicher Menschenschlag, mit ihrer Vorliebe für bizarre Glitzerjacketts suchen sie besonders die Nähe von ganz besonderen Menschenansammlungen, wie zum Beispiel Schützen- und Stadtfeste. In Notsituationen verschmähen sie aber auch keine kleineren Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern. Ihre einzigen Begleiter sind eine niedrige Hemmschwelle, ein Keyboard und eine handsignierte Ausgabe von Fips Asmussens „Lachen ist gesund“. Sie verstehen sich nur auf bloße Nachahmung von bereits bekanntem Liedgut und gaukeln den Leuten auf diese Weise Stimmung vor. Aus diesem Grund zählt man sie manchmal sogar zur Gattung der Trickbetrüger.
In Neuseeland scheint die Sache mit den Alleinunterhalter zum Glück ein bisschen anders zu laufen. Davon konnte man sich jetzt im Amp überzeugen, als Alleinunterhalter Luke Rowell alias Disasteradio der Menge mit seinem Synthesizer- Beat einheizte.
Der scheint direkt aus einer Zeit zu kommen, in der Computerspiele mit 16 Farben noch das absolute Nonplusultra waren. Als Ein-Mann- Kapelle orgelt er, voll elektrisiert, unter Hochstrom und hinter seinen Maschinen stehend, scheinbar dem Wahnsinn anheimgefallen herum.
Was auf der Bühne passiert und aus den Boxen kommt, überzeugt das Publikum sofort, und es braucht keine lange Anlaufphase, da hat man den kopfnickenden Neuseeländer mit Schmierbauch und Schnauzbart bereits ins Herz geschlossen. Man tanzt, als gebe es kein Morgen zu einem Sound von 80er-Jahre-Power- Synthesizern mit Samples, die an Cartoons erinnern, für die man damals am Wochenende um 5 Uhr morgens aufgestanden war. Dazu gibts die verzerrte Roboterstimme und mechanische Geräusche, wenn sich Herr Rowell zum Beispiel das Mikrofon bis zu den Mandeln in den Hals geschoben hat oder voller Enthusiasmus irgendetwas in die Menge schreit.
All das klingt, als hätte sich Bugs Bunny mit der Saber Rider Crew auf einen seltsamen Planeten zurückgezogen, um ein neues Kraftwerk-Album aufzunehmen - kurzum: Es klingt absolut genial.
Eine Stufe der Genialität, die man nur erreicht, wenn einem ein paar Kabel in der Kommandozentrale durchgeschmort sind - und jede Wette, dass in den vergangenen Jahren der ein oder andere Kabelbrand in Neuseeland gemeldet wurde.
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