Kultur Münster

So., 22.03.2009

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Kecke Sprüche, poetische Wünsche

Gleich kommt der große Moment: Dann wird Lena ihr Gegenüber Leonce zum Fliegen auffordern. Foto: (chp)

Münster - Die Zeit einfach vergessen können und die Umgebung gänzlich ausblenden - nicht selten wünscht sich ein erwachsener Mensch diese kindliche Gabe. Wer also könnte einen Satz wie „Wir lassen alle Uhren zerschlagen...

Von Charlotte Pötzel

Münster - Die Zeit einfach vergessen können und die Umgebung gänzlich ausblenden - nicht selten wünscht sich ein erwachsener Mensch diese kindliche Gabe. Wer also könnte einen Satz wie „Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monde nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht“ authentischer aussprechen als ein Kind?

Bei der Premiere des Theaters XS schien es, als habe Georg Büchner sein Stück „Leonce und Lena“ extra für Kinder geschrieben: Das lag zwar zum einen an der gelungenen Regie von Stefanie Bockermann, zum anderen aber auch daran, dass die Aussagen der einzelnen Charaktere wie auf Kinder zugeschnitten waren, wie etwa die nach kindlicher Freiheit strebenden Leonce und Lena, der spitzfindige Erzähler oder die humorvollen Waldgestalten.

Zwischen acht und zwölf Jahre alt sind die jungen Darsteller des Theaters XS, das sich damit Münsters jüngstes Ensemble nennen darf. Wären die Schauspielerinnen und Schauspieler allerdings nicht so klein und ihre Stimmen so kindlich gewesen, hätte man ihnen ihr Alter nicht angemerkt. Denn ihre schauspielerischen Fähigkeiten ließen auf langjährige Erfahrung schließen: Selten dürfte es Kindern gelungen sein, sich so perfekt in die Rolle anderer Charaktere einzufinden und diese über sechzig Minuten lang einzuhalten.

Und während die jungen Künstler die Zuschauer durch ihre Mimik und Gestik beeindruckten, trugen sie mit den wortwitzigen Dialogen auch zu einem amüsanten Nachmittag bei: Von poetischen Wünschen zu kecken Sprüchen, von verträumten Liebeserklärungen bis hin zu flotten Draufgängerphrasen folgte jeder Satz pointiert auf den anderen.

Besonders belebend wirkte sich auch die Hinzunahme des Erzählers aus, der die Szenen ein ums andere Mal erstarren ließ und kommentierte: Seine meist spitzfindig klugen Bemerkungen und Interpretationen des Geschehens brachten die Zuschauer zum Lachen.

Erst als Lena am Ende Leonce zum Fliegen aufforderte, durften die Besucher wieder erkennen, dass hier Kinder auf der Bühne standen: Denn freier und sorgloser als sie kann sich kein Erwachsener bewegen.


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