Kultur Münster

Mi., 04.02.2009

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Oliver Breitenstein: Ein Künstler liest Zeitung

Künstler Oliver Breitenstein macht’s richtig: Erst liest er die Zeitung...

Münster. Ein Mann liest Zeitung. Kein ungewöhnlicher Vorgang, möchte man meinen. Doch Oliver Breitenstein erhebt dieses Tun nun zur Kunst. Seit Anfang dieser Woche beginnt sein Tagwerk mit einem dreistündigen Zeitungsstudium bei Tee und Stulle – im...

Von Petra Noppeney

Münster. Ein Mann liest Zeitung. Kein ungewöhnlicher Vorgang, möchte man meinen. Doch Oliver Breitenstein erhebt dieses Tun nun zur Kunst.

Seit Anfang dieser Woche beginnt sein Tagwerk mit einem dreistündigen Zeitungsstudium bei Tee und Stulle – im mit Pappe abgeklebten Ausstellungsraum im Kleinen Bühnenboden, „weil die Dunkelheit gut mit dem hellen Zeitungspapier konstrastiert“. Jeden Tag wählt er schließlich Seiten aus, die er – in einem höchst bürokratischen Akt, wie er selbst zugibt – mit dem Stempel „Erledigt“ versieht und an die Wand pinnt. Doch was ist daran Kunst?

„Der Prozess des Lesens“, antwortet der aus Münster stammende freie Künstler, der sonst eher der Bildenden Kunst verpflichtet ist. Er will mit seiner Kunstaktion, die den Titel „Ich nenne es Arbeit“ trägt, dokumentieren, dass es in Zeiten von medialer Informationsflut umso wichtiger ist, sich eigene Quellen zu suchen – und dass für das Zeitungsstudium Zeit vonnöten ist. Wer’s nicht glaubt, kann ihm täglich von 11 bis 14 Uhr im Hinterhoftheater an der Schillerstraße 48 a dabei über die Schulter schauen – oder selbst zu den gedruckten Seiten greifen, wie schon geschehen. Denn natürlich lautet die Botschaft von Breitenstein: Leute, lest Zeitung!

Zur Kunstaktion gehört für ihn auch zu dokumentieren, was er diese Woche geleistet hat. Zwar hat er Lieblingsseiten („Das Feuilleton, logischerweise!“). Es geht ihm aber nicht um eine inhaltliche Wertung: „Ich will den Leuten ja nicht die Welt erklären.“

Fragt sich also, worin sich Breitensteins Treiben von dem unterscheidet, was sich beispielsweise auch im Lesesaal der Stadtbücherei beobachten lässt? Antwort: „Die Frage, was Kunst zur Kunst macht.“ Wenn sie sich beim Betrachter angesichts seiner Arbeit stelle, rechtfertige dies seine Aktion, sagt der Künstler. „Es muss nicht immer die große Kunstgeste sein, manchmal reicht eine banale Tätigkeit.“ Eines allerdings bedauert Breitenstein: dass sein „neuer Job“ auf fünf Tage befristet ist.

Die Aktion geht bis zum 7. Februar. Tags darauf wird die Ausstellung mit den gelesenen Seiten (bis 1. März) um 11 Uhr eröffnet. Am 29. Februar (19.30 Uhr) ist ein Stammtisch der von Breitenstein initiierten „Selbsthilfegruppe der anonymen Kunstabhängigen“ geplant.


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