Kultur Münster

Mo., 05.07.2010

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Orkangleicher Beifall für Rossini

Das Junge WWU-Sinfonieorchester wagte sich in der Herz-Jesu-Kirche mit renommierten Solisten an Rossinis „Stabat Mater“ - mit Erfolg.Foto: (cws)
Von Chr. Schulte im Walde

Münster - Erst am Samstag die „Petite Messe Solennelle“, dann am Sonntag das „Stabat Mater“ - zweimal seltener Rossini an einem Wochenende. Und keine einzige Oper! Keine einzige? In der Oper geht es (meist) um erfundene Sachen. Aber immer auch um Leben und Tod, um Klage und Erlösung.

Ist das nicht auch genau das Thema des „Stabat Mater“, das Werner Marihart mit dem Jungen WWU-Sinfonieorchester in der Herz-Jesu-Kirche zelebrierte? Henrike Jacob und Annette Koch jedenfalls vergossen in ihrem Duett imaginäre Tränen, Andrea Shin seufzte herzzerreißend ob des „Schwert des Leidens“, Zelotes Edmund Toliver setzte Hoffnung in entflammende Liebe. Vier große Opernstimmen - für ein grandioses Stück Musik voller bewegender Gefühle, dramatischer Augenblicke, aber auch Momente subtiler stiller Betrachtung. Das ist vielleicht nicht jedem Puristen wirklich heilige Musik, ebenso wenig wie die „Petite Messe solennelle“. Aber es ist durch und durch genialer Rossini. Der hat es perfekt verstanden, mit seinen musikalischen Ausdrucksmitteln dem Wort in seiner tiefsten Bedeutung nachzuspüren.

Genau dieser Intention waren auch Werner Marihart und sein großes Orchester verpflichtet. Wichtigster Partner neben den vier Solisten: der Chor „Cantate ´86“ aus Hamm, einstudiert von Werner Granz. Ein hellwaches Ensemble aus Alt und Jung mit frischem und ausgewogenem Klang, der sich zu markerschütterndem Fortissimo auftürmen konnte. Genau richtig für den „Tag des Gerichts“. Trompeten und Posaunen ließen sich nicht lange bitten, ein Kolossalgemälde entstand, das von einem Autodafé bei Verdi gar nicht weit entfernt war. Das „Stabat Mater“ also doch Opernmusik? Aber sicher. Rossini hat nie anderes komponiert.

Dieser lebendigen Marienklage gegenüber nahm sich Felix Mendelssohn-Bartholdys Psalm „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“ wie ein sehr beschauliches, poesievolles Genrebild aus - 20 Minuten, die dem Rossini vorgeschaltet, aber eigentlich entbehrlich waren.

Wie die Pause zwischen beiden Werken. Immerhin bekam „Cantate ´86“ hier eine erste Gelegenheit, seine stimmlichen Qualitäten zu präsentieren, ebenso wie die Solisten Kai Schuldt und Michael Nonhoff, die neben Henrike Jacob, Andrea Shin und Zelotes Edmund Toliver zum Einsatz kamen.

Orkanhafter Beifall flutete nach dem Rossini-Amen durch die Kirche. Das Publikum zeigte sich restlos begeistert.

» Noch einmal ist das Konzert zu erleben am heutigen Dienstag um 20 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche an der Wolbecker Straße.


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