Kultur Münster
Mo., 15.03.2010
Schauspielleistung bereits XL
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Münster - Wut. Wütend. Wüterich - mit diesen Worten beginnt beim „Theater XS“ Shakespeares Drama um Liebe, Kampf und Tod „Romeo und Julia“. Ein schwerer Stoff, den sich die Theaterpädagogin Stefanie Bockermann für ihre zehn Schützlinge ausgesucht hat. Könnte man meinen. Aber warum eigentlich? Die Medien sind voll mit Berichten über Kinderhandel, -arbeit, -missbrauch, Kinder als Kriegsopfer oder Soldaten. Und wenn sich bei Kindern Stress zu unbezähmbarem Hass auftürmt, sind es wiederum Kinder, die mit Tod oder Verletzungen an Leib und Seele dafür büßen müssen wie in Winnenden und Emsdetten.
Wenn also Theater einen Sinn macht, dann sicher als Begegnung mit dem Unaussprechlichen, als unbequeme Konfrontation mit dem Spiegelbild. Die böse Hexe im Märchen kann auf Kinder dabei bedrohlicher wirken als die Konflikte zwischen zwei verfeindeten Familien. Die Capulets und Montagues heutzutage wohnen oft nur um die Ecke. Und wahrscheinlich wurde diese Liebesgeschichte nur deshalb tausendfach erzählt, weil sie täglich wieder neu erlebt wird. Kinder kennen das: die Nachbarn sind sich spinnefeind, die Kinder aber lieben sich, eine Ehe wird verboten oder sabotiert, Viele leiden, die Liebenden werden getrennt. Das Ende kann viele Gesichter haben: „Tod - was für ein kleines Wort für solch ein Monster“, heißt es im Stück. Romeo (Justus Beyer) zögert nicht, sich mit der Geliebten im Himmel zu vereinen, da er sie doch tot glaubt. Und auch die gerade erst erwachte Julia (Lenja Bockermann) hat keine Angst vor ewigem Schlaf: „Lieber tot als ohne Romeo!“
Die Sprachlosigkeit angesichts der Tragödien im Stück übertragen die jungen Darsteller auf ihr Spiel. Die Szenen sind kurz, die Handlung oft nur angedeutet. Immer wieder lässt die Regie die Szenerie „einfrieren“ - alles steht still. Der Text vermeidet Geplapper. Das Bühnenbild ist sporadisch. Man hört Musik wie aus Traumsequenzen beim Film. Was an Handlung ausgelassen wurde, ergänzt Carla Schäper als Erzählerin. Man spürt, wie die Mädchen und Jungen zwischen sieben und zwölf Jahren es genießen „erwachsen“ spielen zu dürfen und so den Rollenklischees von Kindertheater entkommen zu sein. Dennoch gibt es Raum für jugendliche Gefühlsausbrüche. „Attacke!“ und „Halt die Fresse!“ ersetzen den klassischen Lerchen/Nachtigall-Dialog. Die Größe der Schauspieler mag ja noch „XS“ sein, ihre Leistung bei der Premiere am Sonntagnachmittag im „Roten Saal“ des Schloßgartencafés war bereits „XL“.
» Weitere Vorstellungen: 19. und 20. März um 17 Uhr im Pfarrheim Heilig Kreuz; 20. und 21. April um 16 Uhr in der Wartburg-Grundschule (Gievenbeck) sowie am 9. und 10. Mai im Kindertheater Meerwiese. Karten (7 / 5 Euro) unter ' 396 45 27 oder Info@theater-xs.de.
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