Kultur Münster
Mo., 08.09.2008
Sie dürfen sogar schmatzen - Workshop für Beatboxer
Münster. Schnalzen und glucksen, schmatzen und schnauben, zischen und summen. Was sich gesellschaftlich eigentlich nicht gehört, ist beim Beatbox-Wettbewerb in der Westfälischen Schule für Musik unbedingt erwünscht...
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Münster. Schnalzen und glucksen, schmatzen und schnauben, zischen und summen. Was sich gesellschaftlich eigentlich nicht gehört, ist beim Beatbox-Wettbewerb in der Westfälischen Schule für Musik unbedingt erwünscht.
Denn Beatboxer imitieren ein Schlagzeug und erzeugen Rhythmen nur mit ihrem Mund, ohne weitere Hilfsmittel. Base, Snare, High-Hat, vielleicht noch etwas Melodie oder das Scratchen eines DJs – bis zu fünf Töne gleichzeitig kann Christopher Kramer ausstoßen. Und darauf ist der 17-jährige Schüler aus Kinderhaus ziemlich stolz. „Ich hab die Grundlagen in einer AG in der Schule gelernt“, erzählt Christopher Kramer. Der Rest sei Übung.
„Musikalisch ist das eine ganz enge Nische“, sagt Tilo Beckmann, der den Wettbewerb im Rahmen eines Workshops organisiert hat und als Gründungsmitglied der A-Cappella-Gruppe 6-Zylinder weiß, wovon er spricht: „Als Beatboxing stammt das aus der Hip-Hop-Szene, als Vocal Percussion ist es ein Teil von Pop-Musik“. Wie eng die Nische wirklich ist, zeigt auch die Resonanz: Zum Wettbewerb haben sich vier Teilnehmer angemeldet, vor der kleinen Bühne stehen und sitzen etwa 30 Zuhörer.
Man müsse für das Beatboxing nicht viel mitbringen, nur seinen Mund und ein bisschen Rhythmusgefühl, erzählt Beckmann weiter. Für die 17-jährigen Dennis Staniol und Kevin Klamann, die gemeinsam die Internetplattform gegründet haben, ist genau das der Vorteil ihres Hobbies. „So hat man sein Schlagzeug immer dabei“, sagt Dennis Staniol. „Man muss keine teuren Instrumente kaufen.“
Das anatomische Schlagzeug von Indra Tedjasukmana ist an diesem Abend allerdings kaputt. Der 24-jährige Künstler kommt gerade aus dem Krankenhaus. Er kann kaum sprechen, der angekündigte Vocal-Percussion-Auftritt muss wegen seiner Stimmbandentzündung ausfallen. „Indra kommt gerade aus Jakarta, wo er seine Eltern besucht hat. 30 Stunden ohne Schlaf, die Klimaanlage im Flugzeug, und dann hat er noch einen Workshop gegeben – das ist einfach zuviel“, erklärt Tilo Beckmann entschuldigend. Statt selbst zum Mikrofon zu greifen, steht Indra Tedjasukmana stumm hinter dem Mischpult, überwacht die Technik beim Wettbewerb und sorgt dafür, dass die beiden Mikros zwischendurch desinfiziert werden.
Neben den drei jugendlichen Beatboxern mit Hip-Hop-Posen fällt Nils Wernecke aus dem Rahmen. Mit 31 Jahren ist er der älteste im Wettbewerb. „Ich habe vor 15 Jahren damit angefangen, weil ich total rhythmusverliebt bin“, sagt Nils Wernecke, der den Weg zu seiner Musik nicht wie die anderen über das Internet, sondern über die Schallplatte gefunden hat. „Mich haben Bobby Mc Farrin, James Brown und die Beastie Boys inspiriert“, sagt Nils Wernecke. Er begleitet auch schon mal Saxophonisten oder Gitarristen oder kombiniert seine Beats mit Lyrik.
Den ersten Preis – einen Beatbox-Workshop bei Indra Tedjasukmana – nimmt Dennis Staniol mit. Aber Gewinner sind sie alle. „Man sagt ja, dass Beatboxer besser küssen können“, sagt Kevin Klammann und lächelt verlegen.
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