Di., 13.01.2015

Philosophie-Matinee im Borchert-Theater „Glücklich durch Unmoral“

Tun macht glücklich (v. l.): Die Philosophen Kurt Bayertz und Christa Runtenberg diskutierten das Thema „Moral“.

Tun macht glücklich (v. l.): Die Philosophen Kurt Bayertz und Christa Runtenberg diskutierten das Thema „Moral“. Foto: heh

Münster - 

Zusätzliche Stühle mussten her, zuletzt gar ein paar umgedrehte Getränkekisten, so groß war der Andrang zum Philosophischen Café im Foyer des Wolfgang- Borchert-Theaters (WBT). Immerhin ging es um die Frage: Zahlt sich Moral aus?

Von Heike Eickhoff

Ein bisschen augenzwinkernd, für Fragen aus dem Publikum offen und so angelegt, dass auch interessierte Nicht-Philosophen folgen konnten, referierte Prof. Dr. Kurt Bayertz von der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) über das Für und Wider der Moral. Und ob sie denn zum Glück führe.

Dr. Christa Runtenberg (WWU) führte durch die Veranstaltung. In drei Blöcken erfuhren die Zuhörer von Studien zum gefühlten Glück und zur Moral. Dabei scheinen aktive Menschen, die sich mit ihrer Tätigkeit identifizieren können und zusätzlich ehrenamtlich engagieren, glücklicher zu sein als Menschen, die hohe berufliche Ziele anpeilen.

Überhaupt, das altruistische Element (vereinfacht gleich Selbstlosigkeit) schien das subjektive Glücksempfinden zu verstärken. Moral sei jedoch nur „glücksfördernd“, aber sie sei „keine notwendige Bedingung für Glück“, so Bayertz. Gerade die antiken Philosophen hätten auf den Zusammenhang von Tätigkeit und Glücksempfinden verwiesen.

Klar wollten die Zuhörer nun wissen, ob Sisyphos, der täglich erneut denselben schweren Stein auf den Berg rollen musste, aufgrund seiner unendlichen Tätigkeit glücklich gewesen sei? „Ich bin mir nicht sicher, ob Sisyphos für mich das Modell für Glück ist“, schmunzelte Bayertz. Eine Tätigkeit, die glücklich mache, müsse man auch mögen und wollen.

Doch kamen immer wieder sehr ernsthafte Aspekte der Moral und des Glücks zur Sprache. „Wie altruistisch ist ein Selbstmordattentäter?“, wollte ein Zuhörer wissen. „Im perversen Sinne ist er altruistisch,“ war sich Bayertz sicher. Denn er handele „nicht um seiner selbst willen, habe in seinen Augen besondere Tugenden entwickelt, behaupte, Freunde innerhalb seiner Gruppe gefunden zu haben, und sei in Übereinstimmung mit sich selbst“. Bayertz räumte, etwas bitter, ein: „Man kann auch durch Unmoral glücklich werden.“ Und betonte aber: „Ich bin nicht dazu bereit, das Handeln der Selbstmordattentäter der letzten Woche als moralisch zu bezeichnen!“

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