So., 31.05.2015

Carola von Seckendorff bringt mit fünf brillanten Kolleginnen „Mutterhabensein“ auf die Bühne Töchter, die Mütter sind

Drei der fünf Mütter: (v. l.) Claudia Frost, Cornelia Kupferschmid und Carolin Wirth.

Drei der fünf Mütter: (v. l.) Claudia Frost, Cornelia Kupferschmid und Carolin Wirth. Foto: Carola von Seckendorff

Münster - 

Am Anfang steht das Gequengel. „Mama. Mama! Maaaama!!“ – so tönt es aus sämtlichen Ecken. Die Sprösslinge sind mit von der Partie, mittels Tonbandgerät. Und nicht nur sie: Auch die betagten Omas tragen mit ihren Erinnerungen zur Aufführung bei. Mittendrin: Fünf Schauspielerinnen, die allesamt als Mütter wie auch als Töchter auf der Bühne stehen. Sie reden, tanzen, kichern oder schluchzen sich durch ein subtil ausgetüfteltes Vexierspiel der persönlichen Lebensgeschichten.

Von Arndt Zinkant

Am Ende ist die Begeisterung der Premierengäste im „Le Midi“ riesig. Was sie miterlebten, klang oft ganz vertraut – und war eben doch die jeweils ganz persönliche Erinnerung von Carolin Wirth, Christiane Hagedorn, Claudia Frost, Johanna Kollet und Cornelia Kupferschmid. Regisseurin Carola von Seckendorff konnte für ihr Stück „Mutterhabensein“ auf bewährte tolle Kolleginnen zurückgreifen; eine Inszenierung ihres Theaterlabels „FreiFrau“.

Das Konzept, aus persönlichen Erlebnissen der Darsteller ein Stück zu destillieren, kennt man vor allem aus dem Jugendtheater. Nur war hier die Performance natürlich auf weit höherem Niveau. Und diese Balance zwischen professionellem Schauspiel und (oft humoristischen) Ego-Trips machte den Reiz des Abends aus.

Obwohl die Geschichten wohl wahr sind, weiß man oft nicht, ob jede als sie selber spricht oder in die Rolle einer anderen schlüpft. Ausgehend von der Kriegsgeneration (Opa in Stalingrad), entspinnt sich auch eine Art Mini-Revue des Nachkriegsdeutschland: Wie der Ami und der Russe im Heimatort empfangen wurden. Wie sich Mütter und Töchter in ihre familiären und gesellschaftlichen Rollen finden mussten. Ereignisse wie das erste Beatles-Konzert (samt Groupie-Kreischen!) oder der Mauerfall 1989 strukturieren das Geschehen.

Die fünf Frauen wechseln x-mal die Plätze zwischen den Zuschauern und müssen punktgenau die kurzen Tonaufnahmen ihrer Mütter und Kinder abspielen (logistisch knifflig). Wenn deren Träume oder Ängste aufs Tapet kommen, wird es still im Raum. Ebenso bei den Schattenseiten des Familienlebens – Scheidung, Entfremdung, Sterben. Und die junge Mutter fragt sich bass erstaunt beim Anblick ihres Babys: „Und das ist jetzt immer da?!“ Aber die gute Laune überwiegt bei diesem selbstreflexiven Reigen. Wenn sich das Ensemble, jede mit Luftballon unterm Pullover, zu einer slapstick-haften Schwangerschaftsgymnastik zum Technobeat wiegt, schlägt sich das Publikum auf die Schenkel.

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